Einst waren Modeblogger nicht gefragt bei den Couture-Schauen, heute sitzen sie zum Teil schon in der ersten Reihe © David Surowiecki/Getty Images

"Ich möchte etwas zur Verteidigung von Anna Wintour schreiben", erklärte die Bloggerin Christine. Sie schrieb im eben erst eingerichteten Blog Daily Fashion Report auf der Website lookonline.com über die Chefin der amerikanischen Vogue , sie sei nicht der Eisblock, wie es immer wieder in der Presse dargestellt werde: "Ich habe sie bei der Pariser Modewoche gesehen und einige Male mit ihr gesprochen, sie wirkte immer enthusiastisch – nicht kalt."

So freundlich können Revolutionen beginnen. An diesem 4. Februar 2002 wurde der erste Eintrag in einem der ersten bekannten Modeblogs der Welt getippt. Heute, acht Jahre später, geht die Zahl solcher Blogs in die Tausende – und sie haben die Mode verändert. Dank der Blogger liegt die Deutungshoheit über die Mode nicht mehr ausschließlich bei Menschen wie Anna Wintour.

In allen möglichen Bereichen hat das Internet Menschen von passiven Konsumenten zu Gestaltern gemacht. Auf Facebook werden sie zu Netzwerkern, eBay macht sie zu Händlern – und die Modeblogs haben in den letzten Jahren unzählige Stilkritiker hervorgebracht.

Modebloggerin zu sein ist für junge Frauen mittlerweile so begehrenswert, wie es in den neunziger Jahren ein Traum war, MTV-Moderatorin zu werden. Mit einem Unterschied: Heute braucht man dazu keinen Sender mehr, die Blogger können sofort ihr eigenes Programm machen. In den Internet-Tagebüchern werden Straßenbeobachtungen, Eindrücke und Berichte von Modeereignissen zusammengefasst. Darunter sind Blogs wie jener der jugendlichen Tavi Gevinson , die bei der New York Fashion Week in der ersten Reihe sitzt, und in Collagen Bilder der Prada-Resort-Kollektion mit Figuren aus der Sesamstraße kombiniert. In seinem Blog Stylites präsentiert der Fotograf Nels Frye neue Looks von den Straßen Pekings, Stilinberlin dokumentiert Outfits aus Berlin-Mitte. Sie alle zeigen: Die Mode der zehner Jahre entsteht im Netz.

"Früher war Mode ein Monolog, jetzt ist sie ein Dialog", sagt Suzy Menkes , die Modekritikerin der Tageszeitung International Herald Tribune, eine der wichtigsten Stimmen der Branche. Die Marken könnten das Internet nicht länger außen vor lassen, sie müssten sich den neuen Zeiten öffnen, sagt sie. Sie spricht von einer "Revolution". Das ist nicht übertrieben. Kaum eine Industrie wird durch das Internet so stark verändert: Nie war Mode näher bei den Menschen und – nie war ihr Entstehen transparenter.