Genomanalyse Evas Kinder
Forscher klären die älteste Abstammungslinie der Menschheit auf und entziffern das Erbgut eines bedrohten Volkes – der Buschmänner.
© Dan Kitwood/Getty Images

Die San-Buschmänner sind Urbewohner im südlichen Afrika. Sie stehen womöglich an der Wurzel des menschlichen Stammbaums
Dies ist eine lange Reise. Sie führt weit in die Vergangenheit Afrikas, bis in die Altsteinzeit, und von dort zurück in die Gegenwart, ins Büro des Friedensnobelpreisträgers Desmond Tutu. Sie beginnt in der Wüste Kalahari, wo sechs mit Rinden gedeckte Rundhütten stehen. Hier lebt der Buschmann !Gubi mit seiner Sippe. Seine Frau und die Töchter sitzen im Halbkreis und nähen Lendenschurze aus Wildhäuten. Nackte, staubüberpuderte Kinder mustern die hellhäutigen Besucher misstrauisch. /Aaban, der älteste Sohn von !Gubi, prüft die Spitzen seiner Giftpfeile. Er will auf die Jagd gehen, die 14-köpfige Großfamilie hat seit zehn Tagen kein frisches Fleisch mehr gegessen. Noch sind die Schatten zu kurz an diesem glutheißen Nachmittag.
Kam //’ai, die älteste Tochter, kichert, weil wir uns ständig die Zunge brechen. Wir können die Namen der Buschleute nicht aussprechen und nur mit Hilfszeichen schreiben. Die stehen für Klicklaute, die wie das Schnalzen der Fuhrknechte oder das Ploppen von Korken klingen.
!Gubi hat sich unter einem blühenden Mangettibaum niedergelassen, ein klein gewachsener, feingliedriger Mann mit straffen Muskeln. Er mag 80 Jahre alt sein, nur in seinem Gesicht kann man das Alter ahnen. Wann genau er geboren wurde, kann er nicht sagen, in der Kultur seines Volkes, der San, wird Zeit nicht nach Jahren gemessen. Doch eines Tages kamen die Weißen und mit ihnen ein namibischer Arzt, der ihm Blut abzapfte.
Erst dachte er, sie führten die üblichen Gesundheitstests gegen Infektionskrankheiten durch: Tuberkulose oder HIV. Aber diesmal ging es um etwas ganz anderes. »Sie wollten wissen, wie mein Blut aussieht«, sagt !Gubi. Er deutet auf seine Armbeuge. »Hier haben sie hineingestochen.« Jetzt gehört er als erster Buschmann zu einem exklusiven Klub von bisher acht Menschen weltweit, deren vollständiges Erbgut entziffert wurde, zu denen auch berühmte Forscher wie Craig Venter oder James Watson zählen.
- Datum 18.02.2010 - 08:19 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.02.2010 Nr. 08
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ob sich Menschen im Erbgut unterscheiden oder in der Blutgruppe oder in der Schuhgröße, wen interessiert das schon? Die Menschen schauen, aller Wissenschaft zum Trotz, auf Äußerlichkeiten, wie sie es seit Jahrtausenden tun und auch in Zukunft tun werden. Das liegt nun mal in der Natur des Menschen.
"Die Menschheit ist eine große Familie. Jetzt ist wissenschaftlich bewiesen, was wir Theologen immer gesagt haben."
Da kommen mir vor Rührung gleich die Tränen. Davon abgesehen, dass diese scheinheiligen Theologen in aller Welt und aller Glaubensrichtungen meist nur die als gleich(-wertig) ansehen, die den gleichen Glauben haben und den restlichen Mitgliedern der ach so großen Menschheitsfamilie hingegen mit Geringschätzung begegnen, lehrt die Geschichte.
Und sonst? Sollen wir diesen Stamm jetzt heilig sprechen? Sollen wir alle in Jahrhunderten gewachsenen Länder- und Kulturgrenzen einreissen, weil ein Buschmann über künstliche Grenzen zwischen Ländern nur den Kopf schütteln kann?
Es sind schon viele Völker und Kulturen in der Welt untergegangen, weil sie es nicht geschafft haben, sich anzupassen. Warum soll das bei den Buschleuten anders ablaufen?
natürlich, lieber Atarius,
kreieren wir doch gleich die 'perfekten' test tube babies. Kulturelle Diversität? Multikulti? alles quatsch, nur der stärkste überlebt.
erzählen Sie mal einem San, der von seinem Gebiet vertrieben wurde, dass er sich anpassen soll. Meinen Sie wirklich, dass in Südafrika alle Speis und Trank, sowie gescheite Schulbildung (wenn Sie das denn mit anpassen meinen) einfach so bekommen? In einem Land, indem die Arbeitslosenquote bei über 25% liegt, die Hälfte der Bevölkerung in großer Armut lebt und es keine allgemeine Sozialhilfe gibt, ist das tägliche Leben immer noch ein Überlebenskampf, besonders für isolierte Ethnien wie die San.
an die Autoren: Buschmänner? das ist ein Scherz, oder? Warum ein so veraltetes, ethnozentrisches und etisches Wort verwenden, anstatt die tatsächliche Bezeichnung San (welches ja auch vorkommt) oder Khoikhoi?
Die Verbreitungskarte von Evas Kinder im südlichen Africa stimmt wunderbar im Westen. Dort, in Botsuana and Namibia, sind mir die San gut bekannt aus persönliche und wissenschaftliche Begegnungen. Die San und ihre kulturelle Artefakten sind aber auch bis heute im östlichen Sud-Afrika, in den Drakensbergen, verbreitet. Nur im letztere Teilbereich gibt es die Felskunst der San bis ins koloniale Zeitalter.
Hein van Gils; Gronau (Westfalen)
Wer von "Anpassung" schreibt, ist mit den sozialen Verhältnissen in Namibia offensichtlich nicht vertraut. Anpassung für die San bedeutet in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle: Leben in Slums, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und häusliche Gewalt in furchterregendem Ausmaß.
Eine Minderheit schafft es, entweder durch Tourismus zu überleben oder ein paar Kinder an die Hochschulen des Landes zu bringen.
Das ist die Realität. Nach Schuldigen zu suchen, ist etwas anderes. Wie der Autor beschrieben hat, existiert ein black-against-black Rassismus in Namibia, was auch damit zu tun haben könnte, daß San den verhassten Südafrikanern im Befreiungskrieg gegen die Swapo (heute die Regierungspartei in Namibia) geholfen haben. San stehen auf der untersten sozialen Stufe in einem Land mit extremer ökonomischer Ungleichheit. Das Land ist verteilt und gehört Weißen und zunehmend auch der neuen schwarzen Elite (zu denen die San nicht gehören). Die Regionen im Osten und Süden werden bei Infrastrukturmaßnahmen vernachlässigt; Geld, Positionen und ökonomische Partizipation fließen vor allem in den Netzwerken der herrschenden Elite.
Es sieht also schlecht aus für die San. Langfristig Abhilfe schaffen kann hier m.E. nur massive Bemühungen um einen verbesserten Zugang zu Bildungsangeboten für die Jugend. Die San, die ich persönlich kenne, wollen vor allem eines: Bildung und Arbeit.
"Kulturgrenzen wachsen" nicht - sie werden von Eliten gemacht und sind ideologische Konstrukte. Auch die SAN sind ein solches Konstrukt, genau wie DIE DEUTSCHEN.
vor allem durch die gemeinsame Sprache. Die Deutschen sind genausowenig eine Konstruktion wie die Dänen oder die Franzosen, sondern sie sind das Resultat einer Entwicklung!
vor allem durch die gemeinsame Sprache. Die Deutschen sind genausowenig eine Konstruktion wie die Dänen oder die Franzosen, sondern sie sind das Resultat einer Entwicklung!
vor allem durch die gemeinsame Sprache. Die Deutschen sind genausowenig eine Konstruktion wie die Dänen oder die Franzosen, sondern sie sind das Resultat einer Entwicklung!
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