ZEITmagazin: Mister Knight, Sie sind berühmt für Ihre Inszenierungen von David Bowie, Björk, Kate Moss und anderen und dafür vielfach geehrt worden. Vor zehn Jahren haben Sie die Webseite SHOWstudio gegründet, um den Entstehungsprozess von Mode transparenter zu machen. Wieso ist Ihnen das wichtig?

Nick Knight: Ich wollte die Modewelt einem größeren Publikum zugänglich machen. Mode wird allgemein entweder mit Trivialitäten oder mit Skandalen in Verbindung gebracht, beides tut ihr Unrecht.

ZEITmagazin: Warum?

Knight: Wenn ein Sportereignis live im Fernsehen übertragen wird, sprechen Experten darüber, man führt Interviews und liefert Hintergrundinformationen. Mode hingegen präsentiert sich traditionell auf wenig unterhaltsame oder erhellende Art: Nichts wird erklärt, und die Defilees sind nur einem kleinen Kreis von Zuschauern vorbehalten.

ZEITmagazin: Das ändert sich gerade, immer mehr Modenschauen werden live im Internet übertragen.

Knight: Das ist ein sehr aufregender Prozess, und ich hoffe, die Möglichkeiten werden genutzt. Durch das Internet können wir Mode viel weniger statisch darstellen als bisher – zum Beispiel im Film. Gleichzeitig erreichen wir ein globales Publikum. Die Rezession hat viel Bewegung in die Modewelt gebracht: Die Unternehmen sind gezwungen, sich neuen Formen der Kommunikation zu öffnen, und viele von ihnen investieren ins Internet.

ZEITmagazin: Bislang setzt ein kleiner Zirkel mächtiger Moderedakteurinnen die Agenda in der Modebranche. Wird die Demokratisierung dieses Prozesses durch das Internet nicht die Exklusivität zerstören, die doch ein wesentliches Element dieser schillernden Branche, also vielleicht nötig ist?

Knight: Nicht Exklusivität, sondern Sehnsucht und Leidenschaft prägen die Mode. Das Gefühl, sich nach vorne zu bewegen. Modedesign weist immer in die Zukunft, es gründet auf Intuition und Vorhersage. Mehr Menschen an diesem Prozess zu beteiligen macht ihn nicht zwangsläufig schlechter.

ZEITmagazin: Anders gefragt: Sind die exklusive Designerwelt und das Volksmedium Internet nicht unvereinbare Gegensätze?

Knight: Sicher, Designerkleidung kann sich nur eine Minderheit leisten. Aber dasselbe gilt für einen Platz in der Opernloge oder in den ersten Reihen im Ballett. Auch Museen und Galerien werden nur von einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung besucht. Man kann niemanden dazu zwingen, sich mit Kunst zu beschäftigen – aber das Internet hilft dabei, den Zugang zu erleichtern. Das Interesse an Mode ist grundsätzlich groß, und durch die neuen technologischen Möglichkeiten lässt sich dieses Interesse bedienen.