Dresden Irritationen nach einer Rede

Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz hat sich engagiert für eine breite bürgerschaftliche Reaktion auf den rechtsextremen Missbrauch des Jahrestages eingesetzt. Das verdient unbedingt Anerkennung und Unterstützung. Ihre Rede vor dem Aufreihen der eindrucksvollen Menschenkette spiegelt dieses Engagement, irritiert aber in einigen Passagen:

Wenn sie vage von »Zehntausenden Toten« spricht, die nach den Luftangriffen allein auf dem Altmarkt verbrannt worden seien (die zuständige Polizeibehörde hatte durchaus gezählt und 6865 getötete Menschen festgestellt), so bedient sie das populäre – und von der NS-Propaganda konstruierte – Erzählbild einer singulären Katastrophe mythischer Dimension.

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Wenn Orosz den Platz jenes grausigen Geschehens als »Krematorium« beschreibt, so platziert ihre Sprache Dresden neben Auschwitz. So ist es nicht gemeint, das zeigen andere Passagen. Deutlich wird aber, dass die hiesige Lokalpolitik mehr Sorgfalt, mehr Sensibilität, mehr Wissen und Verständnis im Umgang mit dem symbolischen Erinnerungsort Dresden entwickeln muss.

Erst dann kann auch das Dresdner Erinnern nachhaltig zukunftsfähig werden: »Erinnern und Handeln« war die Menschenkette überschrieben. Worin das Handeln Dresdens nach dem turbulenten Jahrestag bestehen muss, um der Verantwortung des Geschichtssymbols zu genügen, war auch in dieser Rede noch kein Thema. 

Der Historiker Matthias Neutzner, 49, ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft »13. Februar 1945« und hat u. a. eine Monografie über Dresden 1944/45 publiziert

 
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