Zoo Leipzig Der Zoodirektor der Welt
Jörg Junhold baut in Leipzig ein riesiges Tierreich – und hat als künftiger Chef des Weltzooverbandes große Pläne.
Hier also wuchert bald Regenwald. Jörg Junhold steht auf matschigem Schnee zwischen Baugerüsten und Kränen in Leipzig. »Dort kommen die Zwergflusspferde hin«, sagt der Zoodirektor und zeigt auf eine Betonwand. Der Februarwind pfeift ihm um die Ohren. »Die Temperaturen werden tropisch«, verspricht Junhold. »Optimal für Palmen und prächtige Orchideen.« Er lächelt, als sein Blick nach oben schweift. Ein Gerüst aus weiß lackierten Rohren wölbt sich über seinem Kopf zu einer 35 Meter hohen Kuppel. Noch ein Jahr, dann erwacht unter dem Dach der Urkontinent zu neuem Leben: Gondwanaland.
Es soll ein gigantisches Gewächshaus werden aus 2500 Tonnen Stahl und 18.000 Quadratmetern Folie. Rund 300 Tiere aus Asien, Afrika und Südamerika werden einziehen – Lebewesen von jenen Kontinenten, die vor 150 Millionen Jahren Gondwana bildeten. Ozelots und Riesenotter sind schon bestellt. Aber auch Exoten mit so lustigen Namen wie Goldaguti, Schuhschnabel und Plumplori will der Zoodirektor zeigen. Probleme bereitet noch das Fingertier. »Die nachtaktiven Feuchtnasenaffen werden in Zoos selten gehalten«, sagt Junhold. Es wird schwer werden, noch rechtzeitig einen zu bekommen.
Dafür schwärmt der 45-Jährige schon jetzt davon, wie die Besucher künftig per Floß auf einem künstlichen Fluss durch die Halle gleiten. Wie sie auf einem Baumkronenpfad den Totenkopfäffchen nachstellen oder sich in einer Multimediashow über die Entstehung der Kontinente informieren werden. »Gondwanaland ist das teuerste Bauvorhaben des Leipziger Zoos«, sagt Junhold. Er untertreibt ein bisschen. In Wahrheit ist es die derzeit größte Zoobaustelle Europas. Und die Erfüllung eines Lebenstraums.
Wenn die Halle im Jahr 2011 öffnet, werden Zoodirektoren aus fast allen Kontinenten anreisen – Junhold wird im selben Jahr Präsident des Weltverbandes der Zoos und Aquarien (WAZA). Der Schöpfer von Gondwana kann sich dann wichtigster Zoodirektor der Welt nennen. Niemand hätte das vor zwölf Jahren für möglich gehalten.
- Datum 18.02.2010 - 13:02 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 18.02.2010 Nr. 08
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'nun hüpft nur ein Rabe durch den Schnee'
Der sogenannte Rabe ist wohl eher eine urban Kraehe gewesen. Soviel Fachwissen haette man eigentlich in einem zoologischen Artikel erwarten koennen.
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