Personenrätsel Lebensgeschichte

»Es geht alles so schnell. Gestern war ich noch jung«, sagte er anlässlich seines 75. Geburtstages. Das klang, als rechne er mit seinem baldigen Ableben. Doch vier Jahre später hatte sich nicht viel geändert: Er kam immer noch ohne Gehstock daher, arbeitete immer noch in mehreren Berufen. Und er hatte sich ein neues Vorbild erkoren: »Helmut Schmidt! Weil er immer grantig ist, wenn er grantig sein will. Und weil er eine Zigarette nach der anderen raucht, obwohl er das nicht soll.«

Das war ein wenig auch eine Selbstbeschreibung. Vorbilder sind eben dazu da, dass man ihnen nacheifert, und das tut er allem Anschein nach mit Vergnügen. Trotz weißer Haare, trotz gegerbter Haut wirkt er auch heute – weitere vier Jahre älter – immer noch wach und präsent. Und unermüdlich: »Ich kann mich auch gehen lassen. Aber ich habe immer was vor, vor allem nachts fällt mir viel ein, und ich muss es dann aufschreiben…« Wenngleich es ihn schon ärgert, dass er als Schriftsteller nie einen Bestseller landete. Ein gutes Dutzend Bücher schrieb er und hat doch auf anderem Terrain ein weitaus größeres Publikum erreicht (und sei es als Werbeträger für Sauberkeit). Die öffentliche Erinnerung hält nun mal lieber an den spektakulären Dingen fest, und da galt er oft genug als Pionier. Hätte er allerdings gewusst, wie sich manches langfristig entwickeln würde – nun ja, dann hätte er sich vielleicht schon damals verweigert: »Man konnte ja nicht ahnen, was das mal für ein Quark wird.« Aus welchem Grund? Weil da »immer schon riesige Spießer saßen, auch in den allerhöchsten Positionen«.

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Er sagt seine Meinung, eine Charakterstärke, die er wohl schon als junger Mann entwickelte. Aufgewachsen in einem christlich geprägten Elternhaus, zog er mit 17 als Soldat in einen sinnlosen Krieg, der zum Glück bald endete. Die Familie aber litt an den Folgen. Sein Vater, ein General, war als seelisches Wrack zurückgekehrt, hüllte sich in Schweigen und starb verbittert. Vor allem dass Vater und Sohn es versäumt hatten, sich auszusprechen, belastete den Sohn; später versuchte er, das Versäumte künstlerisch zu verarbeiten: »Das war das Thema meines Lebens…aber kein Mensch wollte einen Antikriegsfilm. Ich habe ihn…realisiert und dann noch jahrelang die Schulden abbezahlt.«

Danach dauerte es fast zwei Jahrzehnte bis zu seinem wichtigsten Projekt. Mag sein, es war ein wenig wie eine Erlösung: Endlich hatte er gefunden, was seinem Leben tiefen Sinn gab. Denn »das Einzige, was wir dem Hass und der Menschenverachtung entgegensetzen können, das sind Zuneigung, Solidarität und – wenn’s ganz toll wird – Liebe.« Und dann ist es letztlich egal, wann man damit anfängt, ob mit 60, 75 oder 80. Denn auch davon ist er überzeugt: »Du wirst als Molekularteilchen weiterleben. Und deine Energie wird nie aufhören, und du wirst immer da sein…« Wenn man ihn so sieht, glaubt man das sofort. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 7:
Georg Elser (1903 – 1945) wuchs bei Heidenheim auf und arbeitete am Bodensee als Schreiner. Für den Nazigegner stand 1938 fest, dass Hitler den Krieg vorbereitete. Mit einem Attentat wollte er ihn abwenden. Am 9. November 1939 explodierte seine Zeitbombe im Münchner Bürgerbräukeller, kurz nachdem Hitler den Saal verlassen hatte, da die Reichsbahn eine frühe Abfahrt seines Sonderzugs festgelegt hatte. Elser wurde verhaftet, als er in die Schweiz fliehen wollte. Er sollte in einem Schauprozess nach Kriegsende verurteilt werden. Auf Weisung Hitlers wurde er am 9. April im KZ Dachau ermordet

 
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