Marketing Rot, Grün, Schwarz, Gelb

McDonald’s will sein Aussehen ändern. Erscheinen Hamburger bald in milderem Licht?

Ob auch der Clown seine Farben ändern soll, hat die Fastfoodkette noch nicht verraten

Ob auch der Clown seine Farben ändern soll, hat die Fastfoodkette noch nicht verraten

Das wasserlose Pissoir riecht nach Bauernhof. In den Kloschüsseln spült Regenwasser. Das Abwasser wird biologisch geklärt. Auf dem Dach schimmert eine Solaranlage, hundert Meter entfernt drehen sich Windräder, und was an Energie noch fehlt, besorgt die Erdwärme. Verbrauchtes Öl aus der Friteuse kommt als Biodiesel in den Tank der Zulieferfahrzeuge. Auf dem Tisch stehen Gartensalat und Biomilch.

Ich sitze nicht im Tagungszentrum der grünen Heinrich Böll Stiftung. Auch nicht in der Europazentrale von Greenpeace. Ich bin bei McDonald’s in 28832 Achim. Mal schnell grün essen gehen. Grünes Fastfood, das zeigt das im vergangenen Jahr fertiggestellte »Energieeffizienzrestaurant« in der Nähe von Bremen, ist machbar.

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Vor drei Monaten erschütterte McDonald’s das Land mit der Ankündigung, grün werden zu wollen. Das sollte zum einen die Farbe betreffen. Wo im Logo, bei Tabletts und der Arbeitskleidung bisher Ketchup-Rot brüllt, soll künftig Moosgrün locken. Zudem, sagte Holger Beeck, Vizechef von McDonalds Deutschland, sei der Farbwechsel auch als Bekenntnis und Respekt vor der Umwelt zu werten. – Mediales Hohngelächter schlug der Kette entgegen. Umweltschützer schimpften über »Greenwashing«. Ist die Big-Mac-Braterei nicht schon unter Kleinkindern wegen Verpackungsmüll- und CO₂-Produktion verschrien? Ich aber sagte mir: toll! Endlich dürfen auch klimabewusste Schnellesser zu McDonald’s. Der rote Saulus wird zum grünen Paulus – ich liebe es.

Und nun das: Vor einer Woche pfiff der Chef den Vize öffentlich zurück. Der Deutschlandchef Bane Knezevic sagte der Presse, alles sei ein Irrtum gewesen, ein Missverständnis, das Grün bei McDonald’s hätte nie stärkeres Umweltbewusstsein signalisieren sollen. Der smarte Serbe: »Wir sind kein grünes Unternehmen.«

Ich sitze bei McDonald’s und kaue auf dem neuesten Produkt herum, dem Veggieburger. Der Kartoffel-Paprika-Karotten-Puffer soll Frauen ködern, die in der Kundschaft unterrepräsentiert sind. Meine Pommes, lese ich, »werden mit 40 Prozent weniger Fett fritiert« als in normalen Filialen. 40 Watt bringt die Solaranlage in der Stunde, entnehme ich der Anzeigetafel – im Winter zählt der gute Wille. Draußen wird soeben die energiesparende LED-Beleuchtung eingeschaltet. Beleidige ich McDonald’s, wenn ich sage, dass mir all dieses ziemlich grün erscheint?

Offenbar. Die offizielle Farbenlehre der Fast-Food-Kette ist allerdings hochkomplex. Sie folgt dem Motto: Werben durch möglichst wirre Botschaften. Grün, aber auch Schwarz und Beige sollen beim Außenanstrich das grelle Rot ersetzen, weil man mit gedämpften Farben in denkmalgeschützten Altstädten eher Lizenzen für neue Filialen kriegt. Aber passt Grün zu BigMac und Cola? Da mögen die deutschen Marketingexperten gezweifelt haben. Ihre Kollegen in Frankreich und England sehen das anders, sie werben offensiv mit grüner Farbe und grüner Philosophie. Hierzulande kommt Grün in der Außengestaltung der Filialen nur als Schwarz mit Grünstich. Das gelbe M auf schwarzem Grund erinnert nun an Uhu, Atommüll und die Berliner Koalition.

Während ich zum Nachtisch ein McMüsli mümmele, stelle ich mir Herrn Knezevic vor, wie er mal in einer Filiale ein McMüsli mümmelte. Er sah sich um. Überall saßen korpulente Menschen, die fettige Mehretagen-Burger in sich hineinstopften, aus denen ihnen die Mayonnaise auf die Hose tropfte. Dazu schütteten sie pappeimerweise Cola in sich hinein. Und er muss sich gedacht haben: Nein, wir sind kein Ökoladen. Wir brauchen bloß einen neuen Anstrich.

 
Leser-Kommentare
  1. Schade, das eigentlich interessante Artikel hier leider immer wieder durch die Unwissenheit des Autors gestört werden:
    Energie wird in Joule oder Wattsekunden gemessen (zu Hause beim Stromzähler in Kilowattstunden). Leistung wird in Watt gemessen und ist schon Energie pro Zeit. Sätze wie "40 Watt bringt die Solaranlage in der Stunde" sind absolut falsch. Die Anlage bringt 40 Watt, oder wenn man so will 40 Wattstunden pro Stunde.

    Schade, dass solche Dinge hier immer wieder falsch geschrieben werden. (Den Kommentar hatte ich auch erst verfasst, nachdem ich einen Artikel http://www.zeit.de/2010/0... gelsen hatte, in dem der gleiche Fehler vom gleichen Autor gemacht wurde!)

  2. Beim DT, dem größten deutschen Blog für Kommunikationsdesign wurde das Thema ebenfalls besprochen. Sicherlich eine gute Ergänzung zum Artikel:
    http://www.designtagebuch...

    Ich denke, dass das neue Design auch hinsichtlich einer möglichen Produktumstellung gut funktionieren wird. Grüner wird McDonalds dadurch aber nicht, Greenwashing ist das richtige Wort.

    Sollten die Produkte nicht größten Teils umgestellt werden, waren die alten Farben passender. Aber aktuell tritt man lieber wieder "wertiger" auf, der Trend war ja schon mit McCafé und dem Ausbau der Filialen in den letzten Jahren zu beobachten.

  3. denn ich glaube es hätte Mc Donalds gut getan.

  4. @Lapje

    Sie haben mit allen von ihnen vorgetragenen Argumentationspunkten recht.

    Die Frage nach dem Wieso kann ich ihnen aber gerne beantworten.

    Es geht ausschließlich um den Zeitfaktor und da Zeit bekanntlich Geld ist, ist es für viele eben doch günstiger dem vergnüglichen familiären Bioburger braten zu entsagen und den Sündentempel mit dem gelben M aufzusuchen.

    Ich weiss ja nicht wie sie berufstätig sind, aber wenn ich abends um 20:00 Uhr endlich aus dem Büro komme habe ich herzlich wenig Lust noch einen Biomarkt aufzusuchen, dann zu hause zu kochen und das ganze danach auch noch wieder aufzuräumen.

    Ich denke aber auch, dass eine Fastfoodkette mit biologischen Aushängeschild viel neues Käuferpotential anlocken könnte.

    Mfg

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Eine Bio-Fast-Food-Kette, wäre seltsam. Soviel Fleisch zu produzieren udn zu essen ist ja perse schon unökologisch. Es muss also nich tnur um die Qualität sondern auch um die Quantität gehen. Weniger Fleisch, mehr regionales Gemüse. Das kann man im kleinen Rahmen machen. Vielleicht irgendwan haben wir dann so eine fast-Food-Kette im großen Stil.

    Glaube nicht daran. wäre aber schön. Dazu braucht es nur mehr Ökologisches und Tierrechtliches Bewusstsien.

    Eine Bio-Fast-Food-Kette, wäre seltsam. Soviel Fleisch zu produzieren udn zu essen ist ja perse schon unökologisch. Es muss also nich tnur um die Qualität sondern auch um die Quantität gehen. Weniger Fleisch, mehr regionales Gemüse. Das kann man im kleinen Rahmen machen. Vielleicht irgendwan haben wir dann so eine fast-Food-Kette im großen Stil.

    Glaube nicht daran. wäre aber schön. Dazu braucht es nur mehr Ökologisches und Tierrechtliches Bewusstsien.

  5. Nun, ich würde sagen, damit die Aktionäre wieder eine gute Dividende einfahren können. Einen anderen Grund dürfte es kaum geben, denn günstig, angeneme Atmosphäre und lecker satt, scheint mir anders zu funktionieren.

    Antwort auf "Grün?"
  6. Genau, mein Auto bringt auch 87 PS in der Stunde...

    Eine Photovoltaikanlage wird bei steigenden Temperaturen ineffizienter - um rund 0,5% pro Grad Celsius. Wie es ein Forscher vom Fraunhofer ISE mal an einem kalten, klaren Apriltag sagte, "Wie haben heute hervorragende Verhältnisse," denn die Anlage bleibt kühl.

    Die kälteste Anlage ist wohl auf 2.800 m in CH:
    http://www.sentiero.ch/de...

  7. Basierend auf solidem Halbwissen, garniert mit Unkenntnis und mit viel Wortgeblubber aufgeschäumt. So wie wir's seit Jahrzehnten kennen und fürchten gelernt haben. Bleibt nach wie vor die Frage, wie eine solche ausgewiesene journalistische Non-Entität ständig in der ZEIT veröffentlichen kann. Was weiß der vom zuständigen Redakteur, das dieser nicht an die Öffentlichkeit dringen lassen möchte?

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