Kabarett "Wir sind die Opposition"
Die Satire-Profis Alfred Dorfer und Robert Palfrader haben ein Problem. Im Interview sprechen sie über die schwierige Aufgabe, die Realsatire der Politik zu übertreffen.
DIE ZEIT: Realsatire Österreich – was fällt Ihnen dazu ein?
Robert Palfrader: Es ist ein riesengroßer Unterschied zwischen freiwilliger und unfreiwilliger Komik. Wir machen freiwillige Komik; das ist wesentlich schwieriger als unfreiwillige – weil, das schaffen sogar Leute wie der Herr Dörfler.
Alfred Dorfer: Ich fürchte, Gerhard Dörfler glaubt, dass er freiwillig komisch sein kann. Er hält sich sicherlich für einen witzigen Zeitgenossen.
Palfrader: Dass er das glaubt, glaube ich gerne.
Dorfer: Der Kärtner Landeshauptmann ist ein gutes Beispiel dafür, dass man den Eindruck gewinnen muss, die Dinge würden immer extremer werden.
Palfrader: Meinst du? Vielleicht erinnern wir uns bloß nur nicht mehr so genau.
Dorfer: Die handelnden Personen sind doch immer weniger ernst zu nehmen. Vergleiche doch einfach einen Franz Vranitzky etwa mit einem Werner Faymann.
Palfrader: Wenn du nicht nur von Stil, sondern von Substanz sprichst, gebe ich dir recht. Das Niveau, auf dem heute dahergepoltert wird, ist leider erschreckend.
Dorfer: Wobei ich mich frage, ob das in Österreich einzigartig ist. Ich fürchte, schon.
Palfrader: Italien?
Dorfer: Wenn ich in Südtirol spiele, merke ich immer, dass man sich gerne um die Frage herumschummelt, wie so etwas wie Berlusconi möglich ist. Viele sagen dann, der sei halt eine schillernde Figur.
Palfrader: So gesehen, gibt es in Österreich eher Anti-Berlusconis.
Dorfer: Meinst du jetzt Josef Pröll oder Werner Faymann?
Palfrader: Warum will ich jetzt unbedingt »Wurscht« sagen?
ZEIT: Na ja, auch in Österreich gab es einen schillernden Goldjungen, und das funktionierte sieben Jahre lang gut für ihn.
Palfrader: Da bin ich mir gar nicht so sicher. Man kann die Dinge ja erst im Nachhinein beurteilen. Viele meiner Freunde meinen, der Karl-Heinz Grasser wird mit der Unschuldsvermutung davonkommen; vielleicht geht es sich aber doch nicht ganz aus. Was meinst du?
Dorfer: Nicht dass ich es mir wünsche, aber ich glaube, der ist so eine Figur, an der nichts haften bleibt. Zumindest ist er sich dessen sicher, und seine bisherige Biografie gibt ihm leider recht.
Palfrader: Grässlich: ein größenwahnsinniger Autoverkäufer, der sich zum größten Finanzminister aller Zeiten hochjubeln lässt. Von dem werden aber nur seine Badehosen und seine Frisur in Erinnerung bleiben. Ich spiele jetzt in Liliom einen Strizzi, und deshalb habe ich mir die Haare wachsen lassen, damit ich dem Herrn Grasser etwas mehr ähnlich schaue…
- Datum 01.03.2010 - 16:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.02.2010 Nr. 09
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So sehr ich Sie beide als Satiriker schätze, verwundert es mich doch ein bisschen, wie Sie (auch DIE ZEIT) gängigen Klischees nachlaufen. Aus den Burgenländern sollen jetzt "die Kärntner" werden? Weil die noch blöder sind? Also kann man Intelligenz und Menschenwert doch an die Herkunft knüpfen? Ein gewisser Adolf H. hätte garantiert große Freude an dieser Grundeinstellung.
Natürlich, heute geht es nicht mehr gegen "den Juden". Sollte Ihr Ziel aber sein, aus "dem" Kärntner einen andorranischen Juden zu machen, stellt sich die Frage, ob Ihre Einstellung zum Thema Ausgrenzung menschlich vertretbar ist und ob Sie überhaupt irgendetwas aus der Geschichte gelernt haben (und ich bin kein Kärntner).
Von Ihrer Seite ist immer wieder zu hören, Demokratie und Menschenverachtung vertrügen sich nicht. So sehe ich das auch. Sie sind gefragt, dies zu beweisen.
Zu den Themen Rücktritt, höhere Besoldung Weniger, dafür Qualifizierterer und Hypo Alpe etc.: meine vollste Zustimmung.
Eine Bitte zum Schluss: Als "Opposition" wär es halt schon fein, wenn sie vorrangig der Regierung die Leviten läsen und weniger der Opposition. Gegen BZFPÖ lässt sich denkbar leicht der Schmäh führen, und natürlich bascht dann alles in die sehr korrekten Hände. Verdienstvoller und intelligenter wäre es, Pröllmann und Co auf den maroden Zahn zu fühlen. Denn die führen das auf, was die anderen grad sowieso nicht können.
Danke!
Völlig unverständlich ist der Hinweis auf Südtirol. Es dürfte doch offensichtlich sein, dass Südtirol mit Berlusconi nichts zu tun hat und dass die überwiegende Mehrheit der politischen Kräfte Südtirols diesen rechten Hampelmann einhellig ablehnt. Vielleicht könnten die beiden Verteidiger der Demokratie sich einmal damit befassen, dass ihr geliebter Bundeskanzler Faymann bei seinem jüngsten Rom-Besuch auch der Ministerin Brambilla die Hand gegeben hat - und zwar jene Hand, die die Ministerin so gerne zum faschistischen Gruß erhebt. Mich wundert es, dass Faymann nicht zumindest kabarettistisch wegen Wiederbetätigung belangt wird.
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