Musikstadt Leipzig Überall Concert, überall Publicum
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 Aus über hundert Pianofabriken gehen Leipziger Flügel in alle Welt

Eine andere technische Verbesserung, der Einsatz der für den Buchdruck entwickelten Schnellpresse zur Partiturenherstellung durch Carl Gottlieb Röder, führte einen weiteren Verlag in kurzer Zeit zu europäischer Bedeutung: die Edition Peters. Wichtigster Mitarbeiter war Alfred Dörffel, den Schumann 1845 zunächst Breitkopf & Härtel empfohlen hatte, für die Bearbeitung der eigenen Klavierarrangements. Wenige Jahre später galt Dörffel als der gefragteste Korrektor, der sowohl große Klassikerausgaben als auch Erstdrucke betreute. Seit 1878 arbeitete er für Peters. Er verfasste auf Schumanns Bitte für die Neue Zeitschrift Rezensionen und Berichte, schrieb in den Leipziger Nachrichten, im Musikalischen Wochenblatt wie in den Signalen für die musikalische Welt und wurde so zu einem prägenden Kritiker der Zeit.

Mit den Noten, Büchern und Zeitschriften lieferte Leipzig auch die Instrumente. Vor allem der Klavierhandel zog mächtig an. Breitkopf verkaufte seit 1770 Wiener Instrumente und nahm 1806 die eigene Fertigung auf; daraus entwickelte sich ein gut gehendes Unternehmen. Im Lauf des 19. Jahrhunderts existierten in Leipzig über hundert Pianofortefabriken, von denen zeitweise zwanzig nebeneinander bestanden. Einige Hersteller waren besonders erfolgreich: Johann Christian Gottlieb Irmler (28.000 Instrumente von 1818 bis 1943), Johann Nepomuk Tröndlin (Clara Schumann und Mendelssohn besaßen einen Tröndlin-Flügel), Alexander Bretschneider.

Das vielleicht wichtigste Unternehmen ist jenes, das 1853 Julius Blüthner gründete. Zunächst baute er Tafelklaviere und Flügel, seit 1864 Pianinos. Zwanzig Jahre später hatte das Unternehmen mit etwa hundert Mitarbeitern bereits 25000 Instrumente verkauft, 1900 waren es 55.000 und 1910 über 80.000. Die Firma überstand die DDR-Zeit und ist heute wieder in Familienbesitz. Auch die 1892 gegründete Firma Ludwig Hupfeld liefert als Pianofabrik Leipzig GmbH & Co KG noch immer Flügel in die Welt.

»Überall Concert, und überall Publicum« – so ist es in Leipzig geblieben. Wenn die Stadt jetzt auf Platz zehn der alljährlichen New York Times -Liste der »31Places to Go« steht, dann verdankt sie das vor allem der Musik. An Leipzigs Musikhimmel funkeln nach wie vor die Sterne. Das Gewandhausorchester wird von Riccardo Chailly geführt; Ehrendirigenten sind Kurt Masur und Herbert Blomstedt. Chefregisseur der Oper ist seit 2008 Peter Konwitschny, Thomaskantor der Dirigent und Komponist Georg Christoph Biller. Als hellster Stern zurzeit aber leuchtet der geniale David Timm, Organist, Pianist, Komponist, Dirigent, Chorleiter, Dozent, begnadeter Jazzer und seit 2005 Universitätsmusikdirektor, dem besonders die Jugend der Stadt zu Füßen liegt. Und ob nun im vergangenen Jahr Mendelssohns 200. Geburtstag gefeiert wurde oder im Sommer Schumanns 200. Ehrentag ansteht wie im März der 100. Todestag Reineckes oder 2012 das 800-Jahr-Fest der Thomaner: Die Tradition bleibt in Leipzig für alle Musiker heute eine große Inspiration.

Die Autorin ist Stellvertretende Direktorin des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig. Mehr zum Thema auch in der Autobiografie Carl Reineckes, »Erlebnisse und Bekenntnisse«, die Doris Mundus 2005 erstmals herausgegeben hat (Lehmstedt Verlag, Leipzig; 360 S., 24,90 €)

 
Leser-Kommentare
  1. Ja, mein Leipzig lob ich mir...

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