Hoteltest Einkehrschwung ins Ufo

In der Adlerlounge in Tirol gibt es keine Rezeption, keinen Concierge und keinen Roomservice. Dafür ist man der Natur ganz nah.

Die Unterkunft ist puristisch, die Aussicht grandios

Die Unterkunft ist puristisch, die Aussicht grandios

Das Besondere an der Adlerlounge wird bereits sichtbar, wenn man sich ihr nähert, per Seilbahn, von Kals am Großglockner fährt man herauf. Rund zwanzig Minuten dauert die Fahrt auf den Berg namens Cimaross, und mit jeder Minute wird deutlicher, dass das viereckige Ding am Ende der Drahtseile das Hotel sein muss. Ein nüchterner Kubus aus Glas und Beton, davor die gigantisch große Aufschrift "Adler Lounge 2621 m". Neben dem Kubus steht ein knallroter Pylon; daran sitzt, wie eine unvollendete Schrägseilbrücke, eine lang gezogene Aussichtsplattform über dem Abgrund. Sonst nichts. Nirgends ein Giebel, kein Balkon, keine Dachgaube, keine holzverschindelte Fassade. Nichts, was die Architektur hier im tiefen Österreich sonst ausmacht.

Die Seilbahngondel ruckelt in das Untergeschoss der Lounge, dann steigt man um in einen gläsernen Aufzug, der einen zwei Stockwerke höher trägt – und plötzlich steht man mit Sack und Pack mitten im Restaurant, denn eine Rezeption hat dieses Hotel nicht. Vor der Glasfront breiten sich schneebedeckte Berggipfel aus, einer neben dem anderen. Mitten unter ihnen der Großglockner, der höchste Berg Österreichs. Er ist 3798 Meter hoch, die Glocknerwand nebenan misst 3722 Meter. Irgendjemand hat sich einmal die Mühe gemacht und nachgezählt: Vom Restaurant der Adlerlounge aus kann man an klaren Tagen 63 Dreitausender sehen. Jetzt ist man dem Architekten ziemlich dankbar, dass er hier oben keine heimelige Hütte mit kleinen Sprossenfensterchen geplant hat.

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Und bei aller Sachlichkeit und Modernität ist die Adlerlounge nicht einmal ungemütlich. Obwohl ihr alles Folkloristische fehlt. Der einzige Wandschmuck in den Gängen und im Treppenhaus sind riesige Reproduktionen alter Schwarz-Weiß-Fotos. Sie thematisieren das Leben in den Bergen und nehmen dem Inneren des Gebäudes seine Nüchternheit, genauso wie die Holzdecke des Restaurants und die Riesenskulptur aus rötlichen Holzbalken, ein Adler, dessen Flügel quer durch den Raum schwingen.

Es ist Mittagessenszeit. Skifahrer beugen sich über große Schalen mit Gulaschsuppe oder über Wiener Schnitzel. Eine Kellnerin balanciert eine Portion Spinatknödel vorbei. Schon klar, dass das Restaurant der Adlerlounge auch als Raststation für Skifahrer fungiert. Allerdings wird man hier nicht massenabgefertigt, auch wenn alle 150 Plätze besetzt sind. Walter Hartweger, der junge Hüttenwirt und Küchenchef, bereitet selbst die einfachsten Gerichte anspruchsvoll zu. Deshalb hat er die vier Spinatknödel auf dem rechteckigen Teller in einer Reihe arrangiert wie in einem Gourmetrestaurant, deshalb schöpft er auf die Spaghetti nicht einfach Sugo, sondern eine »Melanzani-Tomatensalsa«, deshalb serviert er hier, mitten in den Bergen, eine Spezialität aus Thailand, Tom Kha Gai, die scharfe Hühner-Kokos-Suppe. Und deshalb wird, wer doch lieber einen Kaiserschmarrn haben will, per Speisekarte auf eine "evtl. längere Wartezeit" eingestimmt: Denn Kaiserschmarrn kommt hier nicht aus der Packung, sondern wird noch frisch zubereitet.

Leser-Kommentare
  1. 1. Albern

    Lounge,Concierge,Roomservice.
    Das klingt einfach nur lächerlich und albern.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was ist albern an einem Concierge?

    Was ist albern an einem Concierge?

  2. 2. Wieso?

    Was ist albern an einem Concierge?

    Antwort auf "Albern"
  3. Ich vermute mal, dass damit ein Rezeptionist gemeint ist,
    aber so genau weiß man das ja nie.
    Albern ist diese Sprache weil sie nicht der Kommunikation
    dient, sondern dem Imponiergehabe des Sprechers (Schreibers).

  4. Die Wortwahl mag theatralisch gewählt sein, wer aber mal selbst den Ausblick genossen hat wird sicherlich auch staunen :)

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