ZEITmagazin Autotest Ein Luxusgefährt – Öko-Ablass inbegriffen

Die ZEIT-Autorin Christine Brinck und der ZEIT-Herausgeber Josef Joffe fahren den Lexus RX 450h

Hybridantrieb, aber deutlich mehr Verbrauch als der Hersteller verspricht: der Lexus RX 450h

Hybridantrieb, aber deutlich mehr Verbrauch als der Hersteller verspricht: der Lexus RX 450h

Ob der Hybrid auf dem Holzweg fährt? Wir haben ein prächtiges Exemplar dieser Gattung erprobt, von der Münchner Theresienhöhe bis zu den steirischen Bergen. Dabei haben wir, hauptsächlich auf der Autobahn, 10,5 Liter verbraucht. Das ist ganz nett für einen Zweitonner mit 299 PS Systemleistung (Benzin- plus zwei Elektromotoren). Aber auch nicht berauschend – weit über dem angegebenen Normwert von 6,3 Litern.

Und der CO₂-Ausstoß? Die lieben Kollegen von der deutschen Konkurrenz verweisen süffisant auf ihre Diesel, die weniger herausblasen. Der VW Passat Variant Blue TDI, der gar ein etwas höheres Drehmoment hat, pustet bloß 144 Gramm pro Kilometer in die Umwelt; der Wert für den Lexus RX 450h liegt bei 148. Was kein Wunder ist. Dies ist ein Hochleistungs-SUV, das in knapp acht Sekunden auf 100 km/h ist und erst bei 200 schlappmacht. Sein Herz muss nicht nur vier Räder, sondern auch allerlei Schnickschnack antreiben, den wir von einem Luxusgefährt erwarten: Klimaanlage, Servo-Sitze, motorisierte Ladeklappe. Legt man all die Extras drauf, werden aus 60.000 Euro Grundpreis 74.000.

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Dafür gibt’s wunderbaren Komfort. Etwa ein Head-up-Display wie in einem Jagdbomber, das auch bei sturem Geradeausblicken das Tempo anzeigt. Eine radargesteuerte Geschwindigkeitsregelung, die praktisch ein Nickerchen beim Kolonnenfahren erlaubt: Das Ding hält hübsch den Abstand, bremst und beschleunigt wie von Geisterhand. Und eine Rückfahrkamera, die man wirklich braucht, weil man sich sonst arg verrenken müsste. Doch hat all das nichts mit dem Hybridantrieb zu tun, sondern mit einer Konstruktion vom Feinsten. Der Wagen liegt gut auf der Piste und im Gelände und lässt in der Aufpreisversion keinen Wunsch offen. Aber die beiden Elektromotoren sind nicht Ersatz für den Benziner, sondern seine Helfer, die dessen 245 PS auf 299 hochjagen. Leider nur ein Traum ist die Idee vom »anstatt«: Der Sechszylinder springt gleich nach dem Start an. Ausnahme: Auf Knopfdruck geht es rein elektrisch, aber nur drei Kilometer lang und bis 45 km/h. Dann fließt wieder Benzin.

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Hybride von diesem Luxusformat sind keine Spar-, auch keine Ökosparschweine. Sie produzieren neben dem guten Gewissen ein Narrativ: Seht her, ich fahre zwar ein politisch unkorrektes SUV, aber in umweltbesorgter Absicht. Ich kann mir den Luxus gönnen, weil in den 74.000 Euro auch ein Stück Ablass steckt. Und ein Mark-Levinson-Premium-Surround-System mit 15 Lautsprechern.

Christine Brinck ist ZEIT-Autoren, Josef Joffe ist ZEIT-Herausgeber

 
Leser-Kommentare
    • 2eco
    • 26.02.2010 um 7:30 Uhr

    Mit Ihrem Artikel bestätigen Sie wieder mal das Klischee, dass SUVs nur als Stadtcowboys unterwegs sind. Wieso testen Sie den Wagen nur auf der Autobahn?
    Das ist wohl der denkbar schlechteste Ort für so ein Auto. Der Wagen fährt zwar 200, aber wenn Sie das auf der Autobahn ausnutzen ist der erhöhte Verbrauch kein Wunder. Dort wo der Hybrid seine Vorteile ausspielt testen Sie ihn nicht.

    Wenn Sie das nächste mal einen Suv testen, dann bitte nicht nur auf der Autobahn. Und vielleicht können Sie ja sogar einen kleinen Ausflug aufs Land machen. Der Wagen wird es Ihnen danken.

    Übrigens fährt der Lexus bis 50 km/h rein elektrisch, das wäre Ihnen vielleicht aufgefallen, wenn sie abseits der Autobahn unterwegs gewesen wären.

  1. 2. @2eco

    Ohne Ihrem Bedürfnis nach urbaner mobiler Freiheit zu nahe treten zu wollen sind in Deutschland mehr als 99% der für die Allgemeinheit zugelassenen Straßen, Wege oder sonstige mit einem Fahrzeug erreichbare Untergründe bequem mit einer viertürigen Limusine zu befahren. Für das verbleibende Prozent bzw. nur mit Sondergenehmigung benutzbaren Pfade entscheiden sich begünstigte Fahrzeughalter meistens für spezielle, geländegängige Mittelklassefahrzeuge und nicht für eingeschränkt geländetaugliche Luxusfahrzeuge mit dem Gewicht eines Kleinlasters.

  2. Im Vergleich zum Q7 oder Cayenne hat der RX450H doch ein eher gelassenes, zurückgenommenes Design und wirkt nicht ganz so klingonisch. Wenn man bedenkt, dass die mesiten SUV in der Stadt von Madame zum shoppen in Biomarkt genützt werden oder um den lieben Kleinen zum Violinuterricht abzuliefern, dann sind alle diese Autos übertrieben. Aber in der Stadt fährt der RX450H eindeutig CO²Vorteile heraus. Der Hybrid bewährt sich vor allem im Stadtbetrieb.

    Übrigens hat das Auto ein unerhörtes Drehmoment, dass schon bei 0km/h beginnt. Das ist einfach sehr schön.

  3. Ich erspare mit die Lektüre.

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