Promotion im Ausland Mit 29 schon Respektsperson

Die Frankfurter Doktorandin Charlotte Wagner lehrt an einer Universität in Kongo

DIE ZEIT: Was machen Sie an einer Universität in der Demokratischen Republik Kongo?

Charlotte Wagner: Ich bin wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Frankfurt School of Finance & Management und schreibe meine Doktorarbeit über Mikrofinanzierung. Statistiken und Daten kann ich am Schreibtisch auswerten. Ich möchte aber auch mit Menschen sprechen, die Mikrokredite vergeben oder bekommen. Das mache ich im Kongo.

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ZEIT: Sie haben an der Université Protestante au Congo sogar einen Lehrauftrag.

Wagner: Ja, wir bauen dort ein Fachzentrum für Mikrofinanz auf: eine Kooperation der Université Protestante und meiner deutschen Uni. Gefördert wird das Zentrum vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Im Vordergrund steht hier ein neuer Masterstudiengang. Gut ausgebildete Fachkräfte sind im Kongo ein essenzieller Mangel, und dem wollen wir entgegenwirken. Drei bis vier Monate im Jahr arbeite ich dort, in Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo. Die restliche Zeit bin ich in Frankfurt. Das Kriegszentrum ist weiter weg, im Osten des Landes.

Charlotte Wagner

Charlotte Wagner, 29, studierte Betriebswirtschaftslehre und Geografie. Drei bis vier Monate pro Jahr verbringt sie im Kongo. In der Hauptstadt Kinshasa forscht sie für ihre Promotion und unterrichtet am  kongolesisch-deutschen Fachzentrum für Mikrofinanz der Université Protestante au Congo

ZEIT: Was hat Sie überrascht im Kongo?

Wagner: Die Preise. Transport, Wohnung, Lebensmittel: Das ist alles sehr viel teurer als in Deutschland. Mein WG-Zimmer kostet 800 Dollar, eine Packung Cornflakes habe ich mal für 22 Dollar gesehen. Es gibt so vier, fünf Supermärkte, in denen ich einkaufe. Fleisch wegen der Hitze nur dort, Obst und Gemüse gerne auf einheimischen Märkten. Da ist es billig, und die Produkte werden nicht über den Luftweg importiert, die Märkte sind aber schwieriger zu erreichen.

ZEIT: Gibt es noch weitere Deutsche an Ihrem Institut?

Wagner: Unsere Programmdirektorin wird im Frühjahr für einige Wochen nach Kinshasa reisen und dort unterrichten. Weitere deutsche Lehrkräfte gibt es nicht, die stammen aus dem Kongo. Und auch deutsche Studenten, die ein Auslandssemester machen, haben wir nicht.

ZEIT: Könnten Sie das denn empfehlen?

Wagner: Das Institut ist gut. Und weltweit gibt es nicht so wahnsinnig viele Studiengänge, die sich mit Mikrofinanz beschäftigen. Aber die Lebensumstände sind prekär: Es gibt keine Bürgersteige, fortbewegen kann man sich nur mit dem Auto. Trifft man auf Polizisten oder Militärs, verlangen die oft Geld. Meistens zwar nur wenig, einen Doller oder so, und manchmal weigere ich mich auch, ihnen was zu geben, das klappt sogar. Ein mulmiges Gefühl aber bleibt. Und dann kommt man nur schwer raus aus der Stadt, das kostet extrem viel Vorbereitung und ist nicht ungefährlich.

Leser-Kommentare
  1. Also irgendwie hätte ich ja schon gerne etwas über Mikrokredite erfahren ... das Interview kommt mir irgendwie so vor, als habe man es mittendrin abgebrochen.

  2. 2. Mbote!

    Hallo Frau Wagner

    Freue mich, dass Sie etwas für den Kongo wagen. War selbst knapp 3 Jahre mit einer Hilfsorganisation im "Wilden Osten" und fand den Kongo trotz (oder wegen?) der zT katastrophalen Lage super spannend. Wünsche Ihnen weiterhin alles gute und viel Erfolg bei Ihrer Arbeit am großen Fluß.

    Gruß

    BL

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