Bildbände Caravaggio lesen

Welch ein Mann, welch ein Werk: Drei neue Bücher breiten die Bilder des großen Italieners in ihrer ganzen Opulenz und Doppeldeutigkeit aus

Natürlich gibt es keinen Ersatz für die Überwältigung, die einem widerfährt, wenn man im Dämmer einer römischen oder süditalienischen Kirche hinter einer dicken Säule plötzlich ein Originalgemälde Caravaggios hervortreten sieht, dessen Figuren lebendig zu sein scheinen. Diese den Atem nehmende Unmittelbarkeit seiner Kunst verlor in gedruckter Form schon oft deshalb an Wirkung, weil das veröffentliche Bildmaterial den Restaurierungen hinterherhinkte, manche Bilder sogar nur in Schwarz-Weiß-Aufnahmen bekannt waren. Der Taschen Verlag in Köln, dieser seltsame, großspurige, wunderbare Kraftprotz von Verlag, hat nun das Mammutprojekt gestemmt und das Gesamtwerk Caravaggios in neuen Fotografien zu einem 100 Euro teuren Prachtband vereint.

Man kommt den Gemälden dank unzähliger Details und Großaufnahmen sogar näher als in jeder italienischen Kirche. Die barock überbordende Ausstattung erscheint einem schon beim ersten Blick in dieses kiloschwere Buch als eine kongeniale Form der Würdigung. Kombiniert wird diese bombastische Präsentation mit einem weit ausholenden, in die Tiefe gehenden Text von Sebastian Schütze und einem umfangreichen Werkverzeichnis, samt Zu- und Abschreibungen. Angenehmerweise geht es hier nicht darum, die Legende vom homosexuellen Outlaw weiterzuspinnen, dem Schläger und Mörder, immer auf der Flucht und auf geheimnisvolle Weise ums Leben gekommen. Stattdessen der Versuch, Caravaggio aus seinen Werken zu begreifen, ihren kühnen Regelverstößen, ihren ästhetischen Sensationen.

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Caravaggios Licht erleben. Zur Fotostrecke

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Schütze hatte zuvor eine große Studie über die Formen der Künstlernobilitierung im päpstlichen Rom rund um Kardinal Baberini vorgelegt, weshalb er Caravaggios Karriere sehr präzise im Spannungsfeld zwischen »Patrons und Painters« (Francis Haskell) verortet: Die aufstrebende Schicht der reichen Privatsammler ist eine der Bedingungen für den raschen künstlerischen Ruhm.

Auch im Verlag C. H. Beck ist rechtzeitig zum 400. Todestag des italienischen Barockmalers ein Prachtband erschienen, in dem Sybille Ebert-Schifferer, die Direktorin der Bibliotheca Hertziana in Rom, besonders genau das Leben und Werk Caravaggios von den Legenden zu trennen versteht. Aus tiefer Kenntnis der Kunst- und Diskurskontexte Italiens um 1600 erschafft Ebert-Schifferer unter Hinzuziehung reichen Archivmaterials ein präzises Bild des zeitgenössischen Hintergrundes, auf dessen Folie sich der Aufstieg Caravaggios vollzieht. Selbst wenn Caravaggio sich, wie häufig, in seinen Bildern selbst porträtiert, dann nie als aktiver Teilnehmer. »Seine Bilder leben ohne ihn, er ist nur als Beobachter präsent, der eine Aussage über die Malerei gibt und sie damit in jenes diskursive System integriert, innerhalb dessen Kunst rezipiert wurde«, schreibt Ebert-Schifferer. Und sie kann in ihrem klugen Buch nachzeichnen, wie gerade dieser Integrationsleistung Caravaggio seine bis heute ungebrochene Wirkungsmacht zu verdanken hat.

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