ZEIT-Elternknigge ZEIT-ElternkniggeSeite 8/8
48. Darf ich mein Kind aus dem Club abholen?
Bloß nicht. Aus drei Gründen. Der Satz »Meine Tochter ist da drin« wird keinen Türsteher beeindrucken, weil er wie ein dummer Trick klingt. Selbst wenn Sie drin sind, würden Sie Ihr Kind nie finden, sondern in den zuckenden Lichtblitzen herumtappen wie ein Maulwurf. Und sollten Sie – wider alle Wahrscheinlichkeit – Ihr Kind doch aufspüren, wäre die Stimmung für mindestens drei Wochen katastrophal. Zu Recht. Sie hätten Ihren Sohn oder Ihre Tochter übel blamiert und sich selbst lächerlich gemacht. Das heißt nicht, dass es für minderjährige Szenegänger nicht ein paar Regeln geben sollte, was Alkohol und Heimkehrzeit betrifft. Ist Verhandlungssache. Die Aussicht auf Beachtung der Regeln ist höher, wenn sie mit den Eltern der Freunde abgestimmt werden. Selbst wenn das einigermaßen klappt, sollten Sie damit rechnen, ab und an nachts mit klopfendem Herzen wach zu liegen und sich grässliche Dinge auszumalen. Das geht vorbei. Anna von Münchhausen
49. Was tue ich, wenn mein 16-Jähriger Sohn Behindertenwitze erzählt?
Ist der Witz gut? Ich glaube, dass man, im Grundsatz, über fast alles Witze machen darf, der Witz ist ein Überlaufventil für unsere Seele, wie das Weinen, wie das Schreien. Es gibt natürlich solche und solche Witze. Das Verhalten meines Sohnes gegenüber Behinderten wäre mir, in jedem Fall, tausendmal wichtiger als die Witze, die er erzählt. Sechzehn, das ist ein grausames Alter, ein Alter der Frustrationen und des halben Erwachsenseins, der Ohnmacht und der Wut. Es ist schwierig, einem 16-Jährigen zu zeigen, dass man ihn liebt. Und wenn man über einen schlechten Witz lacht? Harald Martenstein
50. Darf ich der Facebook-Freund meines Kindes sein?
Gegen eine Facebook-Freundschaft von Eltern und Kindern ist grundsätzlich wenig einzuwenden – heikel ist eher die Frage, wie sie angebahnt wird. Ergreife ich als Mutter die Initiative, provoziere ich einen Gewissenskonflikt – das Kind muss abwägen, was ihm wichtiger ist: mein Wohlwollen oder die Intimität seines sozialen Netzwerkes. Denn Freundschaftsanfragen von Eltern lassen sich nicht so einfach wegklicken wie jene von unliebsamen Bekannten. Statt also mein Kind durch eine Anfrage in Verlegenheit zu bringen, warte ich lieber, ob es von sich aus den Kontakt sucht. Tut es das, dann habe ich mich als Mutter bewährt: Offenbar bin ich meinem Kind nicht peinlich. Und offenbar muss es das, was sich auf seiner Facebook-Seite abspielt, nicht vor mir verbergen. Die Facebook-Freundschaft ist ein Vertrauensbeweis. Ilka Piepgras
51. Soll man Kindern von eigenen Drogenerfahrungen erzählen?
Ja und nein. Es geht nicht darum, ob man vom eigenen Drogenkonsum erzählt, sondern wie, in welchem Moment und mit welcher Intention. Angeberei ist ebenso zu vermeiden wie Horrifizierung. Sinnvoll hingegen, dem Kind zu veranschaulichen, dass es nicht von einem Marsmenschen erzogen wird, sondern von einer Person, die etwas Ahnung hat vom Leben, von Schulhöfen und Discos. Ursula März
52. Darf ich meiner Tochter verbieten, in der Schule zu viel Dekolleté zu zeigen?
Die Dekolleté-Frage ist natürlich mit äußerster Delikatesse zu behandeln. In meiner Zeit wurden Schülerinnen ja noch zum Umziehen nach Hause geschickt, wenn die Bluse zu durchsichtig war. Das fanden wir spießig. Wir waren damals ja auch der Ansicht, dass Büstenhalter kleinbürgerlich sind, und dachten uns nichts dabei, nach Schulschluss im Wannsee vor den Augen der Ausflugdampfergäste nackt baden zu gehen. Und nun sitzen wir am Frühstückstisch und fragen die Tochter, ob sie sich über diesen megatiefen Ausschnitt nicht mal einen schönen Schal machen könnte, und schämen uns ein bisschen dabei. So weit ist es mit uns gekommen.
Andererseits: Soll denn jeder Kerl der Tochter auf den Busen starren? Das Kind ist damit womöglich überfordert und der Busen größer als der Verstand? Also doch lieber der Brustverhüllungsvorschlag. Was bei den einen das Kopftuch, ist bei uns inzwischen das Brusttuch. Ganz ohne Tuch geht in der Töchtererziehung offenbar nichts. Was ganz zwanglos zur nächsten Frage führt. Iris Radisch
53. Darf man nackt vor seinem Kind aus dem Bad kommen?
Hier gehen Eltern- und Kinderinteressen weit auseinander. Grundsätzlich möchte man sich doch in seiner eigenen Wohnung so tuchlos wie nur möglich aufhalten dürfen. Zumal man ja diese Nacktbadevergangenheit im Wannsee hat. Im heutigen Familienleben ist es jedoch so, dass die Töchter sich zwar tief dekolletiert, aber niemals hüllenlos ins Bad begeben und überhaupt bei den jungen Leuten alles wieder ein bisschen so zugeht wie in der Zeit, als die Frau dem Mann erst bei der Totenwäsche zum ersten Mal die Hosen runterzog. Ein neuer Generationenkonflikt zeichnet sich ab. Den Töchtern ist die Badetuchlosigkeit der Mutter ein Dorn im Auge. Die Mutter fürchtet um ihre freikörperkulturellen Veteranenfreuden. Hier ist guter Rat gefragt. Meiner wäre: hart, also nackt bleiben. Tuch und Tuchlosigkeit müssen sich in der Töchtererziehung abwechseln. Iris Radisch
54. Muss ich mein Kind ins Ausland treiben?
Im Zweifelsfall: ja! Denn bei einem Kind, das nicht freiwillig ins Ausland gehen will, wenn seine Eltern ihm das ermöglichen, muss man annehmen, dass etwas mit der Erziehung zu Selbstständigkeit und Neugierde nicht funktioniert hat. Dann ist es höchste Zeit für einen Schubs in aller Liebe.
Für die ganz Zögerlichen, für die »Mal schaun«- und die »Weiß nicht«-Typen übrigens empfehle ich Afrika: Freiwilligenarbeit in einem kenianischen Waisenhaus zum Beispiel oder in einem Aids-Projekt in Swasiland.
Da reifen Jugendliche blitzschnell nach. Und wissen plötzlich genau, was sie vom Leben wollen und dass sie selbst etwas dafür tun müssen. Wolfgang Lechner
55. Darf ich mich in die Studienfachwahl meines Kindes einmischen?
Ehemals studierten die Kinder (die Söhne) das, was die Väter für sie vorgesehen hatten. Später studierten die Kinder (jetzt waren auch schon Töchter dabei) das, was den Vorstellungen ihrer Väter am schärfsten widersprach. Heute studieren die Kinder (und in der Mehrzahl sind es Töchter) das, was ihnen der Numerus clausus erlaubt. Und wenn sie eine Wahl haben und wenn elterlicher Rat überhaupt noch gefragt ist, dann sollte man ihnen auf jeden Fall raten, ihren Neigungen zu folgen und nicht den Irrlichtern des Arbeitsmarktes. Ulrich Greiner
- Datum 09.03.2010 - 14:47 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 25.02.2010 Nr. 09
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... an die versammelte Autorenschaft.
Ich weiß zwar kein bisschen mehr als vorher über Erziehung, habe mich aber köstlich amüsiert :-)
Werde fleißig für die Weiterverbreitung des Knigge sorgen ...
Ihre Fragen sind schön und gut, aber einige Fragen vermisse ich, die mir aktueller und am Allerwichtigsten erscheinen, vermisse ich sehr.
1. Wie soll ich meinem Kind erklären, dass ein katholischer Pfarrer, der Kinder (sexuell) missbraucht hat, die Beichten abnimmt, die Absolution erteilt, und im Namen Gottes handelt?
2. Wie soll ich meinem Kind erklären, dass es Pfarrer gibt, die sich in ihrem Reich wie Götter verhalten, und wenn sie wegen Kindesmissbrauch zur Rede gestellt werden, sagen: "Wir sind nur Menschen".
3. Wie soll ich meinem Kind erklären, dass es in Sachen Kindesmissbrauch "Menschen" gibt, die weder einschreiten, noch die Sache verhindern?
4. Wie soll ich meinem Kind erklären, dass die menschliche Justiz für solche Verbrechen eine Verjährungsfrist (in der Regel 10 Jahre) vorgesehen hat?
5. Wie soll ich meinem Kind erklären, dass es doch noch an das Gute in den Menschen glauben soll?
Mich interessieren diese Fragen viel mehr als die Frage, ob mein Kind DSDS gucken darf.
Denn Sie würden ja auch nicht vor Mördern und Räubern warnen, wenn ihr Kind mal allein unter andere Menschen geht. Ich würde mir allerdings den Pfarrer mal ansehen und das Thema ansprechen, wenn es für mich wichtig wäre, ohne meiner Tochter oder meinem Sohn was davon zu sagen.
Genauso wie ich Klassenpflegschaftssitzungen und ähnliches besuche. Würden mein Sohn oder meine Tochter in eine bestimmte Schule in meiner Region gehen, hätte ich auch, ohne ihm/ihr was davon zu sagen, bereits ein Netzwerk widerstandsbereiter Eltern gegründet, mit denen ich im Fall von Raub und Erpressung einschreiten würde.
Denn Sie würden ja auch nicht vor Mördern und Räubern warnen, wenn ihr Kind mal allein unter andere Menschen geht. Ich würde mir allerdings den Pfarrer mal ansehen und das Thema ansprechen, wenn es für mich wichtig wäre, ohne meiner Tochter oder meinem Sohn was davon zu sagen.
Genauso wie ich Klassenpflegschaftssitzungen und ähnliches besuche. Würden mein Sohn oder meine Tochter in eine bestimmte Schule in meiner Region gehen, hätte ich auch, ohne ihm/ihr was davon zu sagen, bereits ein Netzwerk widerstandsbereiter Eltern gegründet, mit denen ich im Fall von Raub und Erpressung einschreiten würde.
... also unsere tochter hat immer gut geschlafen auf festen, die wir besuchten - erst bei zwei kindern haben wir das aufgegeben.
Ich hab's schon oft verprügelt, doch auch davon wurd's nicht besser.
Nachdem ich in den vergangenen Wochen und Monaten unüblich viele Menschen getroffen habe für die Kinder lästig sind, möchte ich zu der Sammlung noch folgende Frage hinzufügen:
Sollte man Menschen für die Kinder nicht selbstverständlich sind einen Behindertenausweis ausstellen?
Ich sehe gar nicht ein mich für Kinder rechtfertigen zu müssen, auch nicht auf Partys. Ich verlange eine Umkehr der Beweislast: Leute die keine Lust auf Kinder haben sollen sich doch bitteschön dafür rechtfertigen, dass Sie mit den Ansprüchen des Lebens nicht zurechtkommen.
Nur neigen Menschen mit (kleinen) Kindern meiner Beobachtung nach deutlich dazu, sich selbst ein solches Dokument auszustellen. Inschrift: "Die InhaberIn dieses Ausweises hat sich nachweislich in den Dienst der Fortpflanzung gestellt und ist somit auf unabsehbare Zeit von jeglicher Pflicht zur Umsicht und Rücksichtnahme in Alltagssituationen jeder Art befreit. Sollten die eigenen Kinder sich selbst und/oder andere durch ihr Verhalten gefährden, hat die TrägerIn mit betonter Gleichgültigkeit, ersatzweise verstärktem Handy-Einsatz, zu reagieren. Etwaige Kritik durch Dritte ist durch sofortigen Hinweis auf die durch die eigenen selbstlosen Einsatz gesicherten Renten des Sprechers abzuwehren. Achtung: dieser Ausweis verfällt, sollten Sie nicht sofort mit Strafanzeige drohen, sofern jemand anders mäßigend auf Ihre lieben Kleinen einzuwirken versucht! - Die Genderministerin oder der Genderminister der ehemals Freien und Hansestadt Hamburg"
Ich habe dieses Land und vor allem mein berufliches und privates Umfeld als sehr kinderfreundlich kennen lernen dürfen, bin allerdings wie die meisten Menschen nicht tolerant, wenn man mir ein Restaurantessen mit Rumtoben, Schreien und ähnlichem zu "versüßen" meint. Für mich habe ich es als Maxime gelebt und auch von anderen als gut gangbaren Weg erlebt, wenn von beiden Seiten Toleranz und Rücksichtnahme erfolgt und Kinder nicht per se einen Terrorfreischein bekamen.
Partys mit Kindern nennt man gemeinhin Kindergeburtstag und sie haben einen gänzlich anderen Charakter als familienorientierte Feste oder Feiern, die ich mit meinen erwachsenen Freunden als Spass für Erwachsene feiere und auf denen Kinder keinen Raum haben.
Alles dort, wo es hin paßt und Kinder bitte nicht überall und nicht in jeder Form sich grenzenlos ausagierend. Dann kommt für alle ein guter Alltag raus.
Nur neigen Menschen mit (kleinen) Kindern meiner Beobachtung nach deutlich dazu, sich selbst ein solches Dokument auszustellen. Inschrift: "Die InhaberIn dieses Ausweises hat sich nachweislich in den Dienst der Fortpflanzung gestellt und ist somit auf unabsehbare Zeit von jeglicher Pflicht zur Umsicht und Rücksichtnahme in Alltagssituationen jeder Art befreit. Sollten die eigenen Kinder sich selbst und/oder andere durch ihr Verhalten gefährden, hat die TrägerIn mit betonter Gleichgültigkeit, ersatzweise verstärktem Handy-Einsatz, zu reagieren. Etwaige Kritik durch Dritte ist durch sofortigen Hinweis auf die durch die eigenen selbstlosen Einsatz gesicherten Renten des Sprechers abzuwehren. Achtung: dieser Ausweis verfällt, sollten Sie nicht sofort mit Strafanzeige drohen, sofern jemand anders mäßigend auf Ihre lieben Kleinen einzuwirken versucht! - Die Genderministerin oder der Genderminister der ehemals Freien und Hansestadt Hamburg"
Ich habe dieses Land und vor allem mein berufliches und privates Umfeld als sehr kinderfreundlich kennen lernen dürfen, bin allerdings wie die meisten Menschen nicht tolerant, wenn man mir ein Restaurantessen mit Rumtoben, Schreien und ähnlichem zu "versüßen" meint. Für mich habe ich es als Maxime gelebt und auch von anderen als gut gangbaren Weg erlebt, wenn von beiden Seiten Toleranz und Rücksichtnahme erfolgt und Kinder nicht per se einen Terrorfreischein bekamen.
Partys mit Kindern nennt man gemeinhin Kindergeburtstag und sie haben einen gänzlich anderen Charakter als familienorientierte Feste oder Feiern, die ich mit meinen erwachsenen Freunden als Spass für Erwachsene feiere und auf denen Kinder keinen Raum haben.
Alles dort, wo es hin paßt und Kinder bitte nicht überall und nicht in jeder Form sich grenzenlos ausagierend. Dann kommt für alle ein guter Alltag raus.
...mir sehnlichst, es gäbe viel, viel auf diese angenehme Art weiser Eltern, wie ie obigen Verfasser des Artikels. Wer es schafft ein Kind mit der mich dort anlächelnden Weitsicht und Großmut zu erziehen hat schon eine ganze Menge grundlegend richtig gemacht. Danke für diese schönen Tips.
Nur neigen Menschen mit (kleinen) Kindern meiner Beobachtung nach deutlich dazu, sich selbst ein solches Dokument auszustellen. Inschrift: "Die InhaberIn dieses Ausweises hat sich nachweislich in den Dienst der Fortpflanzung gestellt und ist somit auf unabsehbare Zeit von jeglicher Pflicht zur Umsicht und Rücksichtnahme in Alltagssituationen jeder Art befreit. Sollten die eigenen Kinder sich selbst und/oder andere durch ihr Verhalten gefährden, hat die TrägerIn mit betonter Gleichgültigkeit, ersatzweise verstärktem Handy-Einsatz, zu reagieren. Etwaige Kritik durch Dritte ist durch sofortigen Hinweis auf die durch die eigenen selbstlosen Einsatz gesicherten Renten des Sprechers abzuwehren. Achtung: dieser Ausweis verfällt, sollten Sie nicht sofort mit Strafanzeige drohen, sofern jemand anders mäßigend auf Ihre lieben Kleinen einzuwirken versucht! - Die Genderministerin oder der Genderminister der ehemals Freien und Hansestadt Hamburg"
Ich habe dieses Land und vor allem mein berufliches und privates Umfeld als sehr kinderfreundlich kennen lernen dürfen, bin allerdings wie die meisten Menschen nicht tolerant, wenn man mir ein Restaurantessen mit Rumtoben, Schreien und ähnlichem zu "versüßen" meint. Für mich habe ich es als Maxime gelebt und auch von anderen als gut gangbaren Weg erlebt, wenn von beiden Seiten Toleranz und Rücksichtnahme erfolgt und Kinder nicht per se einen Terrorfreischein bekamen.
Partys mit Kindern nennt man gemeinhin Kindergeburtstag und sie haben einen gänzlich anderen Charakter als familienorientierte Feste oder Feiern, die ich mit meinen erwachsenen Freunden als Spass für Erwachsene feiere und auf denen Kinder keinen Raum haben.
Alles dort, wo es hin paßt und Kinder bitte nicht überall und nicht in jeder Form sich grenzenlos ausagierend. Dann kommt für alle ein guter Alltag raus.
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