Privatbanken Vertrauen? Verbraucht!

Der Fall Sal. Oppenheim beschleunigt den Niedergang der Privatbanken. Gespräche mit einem adeligen Bankier, einem Vermögensberater und einem Milliardär

Dass in der Welt der Superreichen alles so bleibt, wie es ist, glauben nicht mehr viele. Aber ein paar glauben es noch. Zum Beispiel Stephanie, genannt Kiki, Schneider. Sie ist Organisatorin des Poloturniers um den Sal. Oppenheim Gold Cup auf der Insel Sylt und gerade in Buenos Aires. Dort verhandelt sie mit argentinischen Poloprofis, die auf dem Kunden-Event der Privatbank wieder die Hauptattraktion sein sollen. »Wir bieten schließlich kein Waschlappenpolo, sondern Weltklasse«, sagt sie mit einer Spur von Trotz in der Stimme. Ihr Sponsor, die abgewirtschaftete Sal. Oppenheim, hat zwar gerade ihre zweihundertzwanzig Jahre währende Unabhängigkeit, ihre gesamte adelige Führungsriege und ihren guten Namen verloren. Doch Kiki Schneider findet, dass das alles halb so schlimm ist mit der Übernahme durch die Deutsche Bank. »Ich sage nur: Jetzt erst recht!«, ruft sie in ihr Handy in Argentinien. »Wir machen auch in diesem Jahr ein superschönes Event.« Etwas leiser sagt sie dann den entscheidenden Satz: »Wir müssen nur zusammenhalten, dann kommen wir da durch. Hauptsache, wir halten alle ganz, ganz fest zusammen!«

Tja. Darin liegt genau das Problem. Denn es sieht nicht so aus, als hielten die Reichen und ihre Bankiers derzeit zusammen. Ganz im Gegenteil. Noch nie waren vermögende Privatkunden so willig, ihrer Bank zu kündigen, wie heute. Mehr als ein Viertel aller deutschen Millionäre hat auf dem Höhepunkt der Finanzkrise den Vermögensverwalter gewechselt oder Geld von ihrer Bank abgezogen, schreiben die Investmentbank Merrill Lynch und die Unternehmensberatung Cap Gemini in ihrem World Wealth Report. Und das war erst der Anfang. Nach einer Umfrage des Branchendiensts Private Banker International haben 42 Prozent der Reichen vor, ihren Portfoliomanager zu wechseln, wenn die Krise erst einmal ganz ausgestanden ist. Dann dürften sich Kiki Schneiders Zuschauerränge dramatisch lichten.

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Der Vertrauensvorschuss, den Privatbanken in der High Society lange Jahre besaßen, der Glaube, dass altes Geld am sichersten in alten Traditionshäusern liegt, das Vertrauen, das reiche Kunden ihren reichen Privatbankiers entgegenbrachten, weil man das angenehme Gefühl hatte, unter sich zu sein – diese Geschäftsgrundlagen entgleiten der Branche zusehends. Mit jedem weiteren Skandal, mit jeder weiteren Übernahme durch einen Großkonzern schwindet der Mythos der Privatbanken.

Harald Jossé, Herausgeber des German Wealth Monitors und Chef des auf Markenpflege spezialisierten Unternehmens Brandcontrol, hat Ende vergangenen Jahres 1000 vermögende Anleger gefragt, wie viel Vertrauen sie den übrig gebliebenen eigentümergeführten Privatbanken noch schenken. Das Ergebnis ist deutlich. »Krass abgestürzt« seien die Reputationswerte, sagt Jossé, und zwar proportional zum Einkommen der Befragten: Je reicher, desto misstrauischer seien sie gegenüber den alten Häusern. »Die große Frage ist, welche Leichen die Vons und Zus der anderen Privatbanken noch im Keller haben«, sagt er.

Die Zeitenwende in der Branche, die bislang verschwiegen war wie ein höfischer Ritterorden, wird vielleicht dadurch am deutlichsten, dass die Vons und Zus nun selbst zu reden beginnen. Sie tun es freilich noch anonym. Die drei Kronzeugen für diesen Artikel – ein adeliger Bankier, ein ehemaliger Vermögensberater von Sal. Oppenheim und ein kritischer Milliardär – bestehen darauf, inkognito zu bleiben. Nur so sind sie bereit, über Privatbanken und ihr Milieu zu reden.

Selbst unter dieser Bedingung fällt es dem alten Herrn schwer, den Stab über der ehemals feinsten Art der Vermögensverwaltung zu brechen. Er ist ehrlich erschüttert. »Es ist beschämend. Als ehemaligen Privatbankier hat mich das alles sehr getroffen«, sagt er über Sal. Oppenheim. Er hadert. »Was da passiert ist, widerspricht so gänzlich dem Ehrenkodex, der in diesen Häusern herrscht.« Dann erklärt er: Privatbanken, das waren einst für den Zeitgeist uneinnehmbare Festungen. Egal, welcher Krieg draußen tobte, welchen Moden man frönte und welche hohen Renditen andere Banken mit neuartigen Diensten einfuhren – inhabergeführte Bankhäuser machten nicht mit. Sie widerstanden der Versuchung, sagt der Alte, weil sie anderen Werten verpflichtet waren: »Langfristigkeit, Solidität, Diskretion.« Er seufzt. »Und Anstand.«

Leser-Kommentare
    • M.M.
    • 01.03.2010 um 10:24 Uhr

    Tja, so isses eben.
    Ein wilder Sog macht eben keinen Halt. Gott sei Dank lassen sich ein paar verlorene "Milliönchen" bei den "Eliten" besser verschmerzen, bei den kleinen "Deppen" sieht' s schon finsterer aus.
    Aber, wie wir alles wissen (jedenfalls erzählt man es uns):
    DER MARKT REGELT ALLES !!!!!

  1. . . . aber in Deutschland gibt es seit 1919 keinen Adel mehr, auch wenn dieser Eindruck durch Regenbogenpresse und Interessengruppen aufrecht erhalten wird. Aber von der ZEIT erhoffe ich mir eigentlich eine etwas bessere Recherche.
    Hierzu vielleicht ein erhellender Artikel aus dem Spiegel:

    http://www.spiegel.de/spi...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    legten grossen Wert darauf, korrekt angeredet und bezeichnet zu werden, also mitnichten den Titel vor dem Vornamen.

    Der Spiegel verwechselt Adelige, mit Prominenz, die zufällig einen Adelstitel trägt. Diese Leute verhalten sich eben wie alle eitlen Prominenten von Paris Hilton angefangen, die von Geld und Eigen-Marketing leben. Wahrscheinlich ist auch die unsachgemäße Titulierung in vielen Fällen einer eher ahnungslosen bis inkompetenten Journaille zuzuschreiben.
    Boulevard ist ja auch nicht unbedingt von Kompetenz geprägt.

    H.

    legten grossen Wert darauf, korrekt angeredet und bezeichnet zu werden, also mitnichten den Titel vor dem Vornamen.

    Der Spiegel verwechselt Adelige, mit Prominenz, die zufällig einen Adelstitel trägt. Diese Leute verhalten sich eben wie alle eitlen Prominenten von Paris Hilton angefangen, die von Geld und Eigen-Marketing leben. Wahrscheinlich ist auch die unsachgemäße Titulierung in vielen Fällen einer eher ahnungslosen bis inkompetenten Journaille zuzuschreiben.
    Boulevard ist ja auch nicht unbedingt von Kompetenz geprägt.

    H.

  2. Für mich sind das Geschichten aus einer fernen Welt, die ich niemals verstehen, in die ich niemals eintauchen und zu der ich niemals gehören werde - auch nicht möchte.

    Geld is´ ´ne praktische Sache; kann man sich doch mit ´nem erklecklichen Sümmchen über so manches irdische Ungemach hinweghelfen. Es allerdings unmäßig zu horten, zu verschieben, mit ihm unablässig zu spekulieren, es permanent wie zwanghaft vermehren zu müssen, ist ein Charakterzug des Menschen, der gewiss nicht zu den edelsten zählt.

    Ich werde nimmer begreifen, was einen Menschen, der, wenn´s gut geht, eine Lebenserwartung von achtzig Jahren hat, antreibt, Abermillionen oder Milliarden anzuhäufen, die doch leicht für Dutzende von irdischen Lebensspannen ausreichen würden. Was könnten solche DagobertDucks für Wohltaten bewirken, wenn sie sich eines Besseren besännen?!

    Die Crux ist: Wer meine Mentalität besitzt, wird kaum je wohlhabend werden und wer vermögend ist oder partout danach strebt, wird meine Einstellung sicherlich absonderlich finden.

  3. Ich arbeite seit fast 20 Jahren in diesem Umfeld und kann eigentlich keine Veränderungen feststellen.
    Oppenheim hat schon vor 15 Jahren Kunden ignoriert, nur weil Sie nicht im Anzug in der Niederlassung erschienen. Derartige Arroganz lebt von Substanz und kommt früher oder später immer unter die Räder.
    Es gibt nach wie vor gute Privatbanken, auch welche denen die Kunden nicht davonlaufen, allerdings sind kaum noch Institute der Größenordnung Oppenheim und größer dabei.
    Viele haben wegen zu teurer Strukturen ein Ertragsproblem.
    Bei einer so gigantischen Blase ist es einfach unmöglich als größeres Institut nicht infiziert zu sein.
    In dem mir bekannten Bereich haben wir einen Kunden verloren. Er hat sein Geld abgezogen, weil der Bankberater sich weigerte auf höhere Zockerrenditen zu setzen.
    Auch bei diesem Berater hätte er Geld verloren, allerdings nur die Hälfte dessen, was ihm nach dem Wechsel verloren ging.

    Die Welt ist nicht so einseitig, wie die Empörung unterstellt.

    H.

  4. legten grossen Wert darauf, korrekt angeredet und bezeichnet zu werden, also mitnichten den Titel vor dem Vornamen.

    Der Spiegel verwechselt Adelige, mit Prominenz, die zufällig einen Adelstitel trägt. Diese Leute verhalten sich eben wie alle eitlen Prominenten von Paris Hilton angefangen, die von Geld und Eigen-Marketing leben. Wahrscheinlich ist auch die unsachgemäße Titulierung in vielen Fällen einer eher ahnungslosen bis inkompetenten Journaille zuzuschreiben.
    Boulevard ist ja auch nicht unbedingt von Kompetenz geprägt.

    H.

  5. Wenn auch das Vermögen nicht mehr schneller wächst als die Prostata: für ein standesgemäßes Begräbnis wirds schon noch reichen!

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