Privatbanken Vertrauen? Verbraucht!Seite 3/3

Für die institutionalisierte Vermögensberatung – für die großen und die kleinen Banken – hat das möglicherweise katastrophale Folgen. Sie könnten das potenziell größte Geschäft der Welt verpassen. Denn die Zahl der Reichen, der Schwerreichen, der Superreichen und der – aus Mangel an weiteren Superlativen – Ultra High Net Worth Individuals wächst trotz Finanzkrise. Deutschland ist der größte europäische Private-Banking-Markt in Europa. Es gibt etwa 800.000 Dollarmillionäre. 4900 Milliarden Euro privates Vermögen werden hier verwaltet. Wie es aussieht, immer weniger davon in traditionellen Geldinstituten – und immer mehr von sogenannten Family Offices. Das sind, grob gesagt, unabhängige Vermögensverwalter für die oberen Vier- oder Fünftausend. Wie rapide das Geschäft und die Zahl der Family Offices wächst, weiß man nicht genau. Felix Breuer vom Bayerischen Finanz Zentrum und Co-Autor der Studie Mythos Family Office spricht von einem »stark wachsenden Segment«, über das es, weil es nicht reguliert werde, kaum belastbares Zahlenmaterial gebe. Fest steht allein, dass bei einer Umfrage 2009 drei Viertel aller unabhängigen Vermögensverwalter angaben, neue Kunden hinzugewonnen zu haben. Schätzungen gehen von mittlerweile 3000 bis 4000 Family Offices in Europa aus.

Die Wohlhabenden beschäftigen ihre eigenen Geldverwalter

Anzeige

Die Branche ist so verschwiegen wie ihre Auftraggeber es gern haben. Und deren Wille ist Befehl. Wie altertümlich, geradezu feudal das Gewerbe ist, macht die Titulierung des Chefs deutlich. »Patron« oder »Prinzipal« nennen die hochkarätigen Berater das Oberhaupt der Familie, für die sie arbeiten.

Seit etwa zehn Jahren sind mehr und mehr Privatpersonen auch hierzulande so reich, dass sie sich ihre eigenen Vermögensverwalter halten können. Zugleich sind die Finanzinstrumente zur Vermehrung von Reichtum so kompliziert geworden, und das Geld der Superreichen ist in so vielen Ländern so raffiniert investiert, dass herkömmliche Privatbanken mit Hunderten von Kunden kaum mehr die nötige Handarbeit bieten können.

Es gibt Single Family Offices, die einem Herrn allein dienen. Das soll sich ab etwa einer halben Milliarde Privatvermögen lohnen. Multiple Family Offices, die für mehrere Familien arbeiten, sind etwas für kleinere Vermögen von nur ein paar Dutzend Millionen.

So hat auch jener Milliardär, der Privatbanken allein wegen ihrer undurchschaubaren Gebühren den Rücken gekehrt hat, sein eigenes Family Office. Er beschäftigt acht Mann, die er auf der ganzen Welt zusammengesucht hat: eine verschwiegene Mannschaft, abgeworben von internationalen Großkonzernen. Er braucht sie nicht zum Geldverdienen – das macht er mit seiner Private-Equity-Firma selbst –, sondern hauptsächlich zum Verwalten. Die meisten sind Wirtschaftsprüfer und Steuerexperten, die seinen global verteilten Reichtum steuereffizient bewirtschaften.

Über einen kleinen schwarzen Handcomputer ist er direkt mit dem Büro verbunden. Ein Klick, und er weiß zu jeder Tages- und Nachtzeit, wie es um seine Milliarden steht. Und zwar auf den Cent genau. »Das Ding macht süchtig«, sagt er.

Dafür, dass er seine Leute damit ständig unter Kontrolle hat, dass sie ihm allein ergeben sind, dass sie ausschließlich sein Geld mehren und keiner Bank dienen, die von Provisionen lebt, entlohnt er sie teuer. Das heißt, er hält sich nach Gutsherrenart vor, von Jahr zu Jahr aufs Neue zu bestimmen, wie viel sie ihm wert sind. Die Grundgehälter sind relativ gering. Das des Leiters seines Family Office beträgt bedeutend weniger als das von Partnern in Privatbanken. Entscheidend ist der Bonus, der frei im Ermessen des Patrons liegt. »Ich habe meine Leute noch nie enttäuscht«, sagt er und lächelt fürstlich.

Es sei jedoch nicht so, dass er nichts mit Privatbanken zu tun haben wolle. Nein, so kategorisch ist er nicht. Ab und zu lässt er sich durchaus von ihren Vertretern, den sogenannten Relationship Managern, zum Essen einladen. Er nennt sie »Grinsebacken«, weil sie immer lächeln. »Sie wollen sich ständig mit mir treffen, um von ihren neuesten Ideen zu erzählen. Also tue ich ihnen den Gefallen«, sagt er. »Es könnte ja mal ein interessanter Gedanke dabei sein.« Pause. »Doch auf diese Premiere warte ich, ehrlich gesagt, immer noch.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • M.M.
    • 01.03.2010 um 10:24 Uhr

    Tja, so isses eben.
    Ein wilder Sog macht eben keinen Halt. Gott sei Dank lassen sich ein paar verlorene "Milliönchen" bei den "Eliten" besser verschmerzen, bei den kleinen "Deppen" sieht' s schon finsterer aus.
    Aber, wie wir alles wissen (jedenfalls erzählt man es uns):
    DER MARKT REGELT ALLES !!!!!

  1. . . . aber in Deutschland gibt es seit 1919 keinen Adel mehr, auch wenn dieser Eindruck durch Regenbogenpresse und Interessengruppen aufrecht erhalten wird. Aber von der ZEIT erhoffe ich mir eigentlich eine etwas bessere Recherche.
    Hierzu vielleicht ein erhellender Artikel aus dem Spiegel:

    http://www.spiegel.de/spi...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    legten grossen Wert darauf, korrekt angeredet und bezeichnet zu werden, also mitnichten den Titel vor dem Vornamen.

    Der Spiegel verwechselt Adelige, mit Prominenz, die zufällig einen Adelstitel trägt. Diese Leute verhalten sich eben wie alle eitlen Prominenten von Paris Hilton angefangen, die von Geld und Eigen-Marketing leben. Wahrscheinlich ist auch die unsachgemäße Titulierung in vielen Fällen einer eher ahnungslosen bis inkompetenten Journaille zuzuschreiben.
    Boulevard ist ja auch nicht unbedingt von Kompetenz geprägt.

    H.

    legten grossen Wert darauf, korrekt angeredet und bezeichnet zu werden, also mitnichten den Titel vor dem Vornamen.

    Der Spiegel verwechselt Adelige, mit Prominenz, die zufällig einen Adelstitel trägt. Diese Leute verhalten sich eben wie alle eitlen Prominenten von Paris Hilton angefangen, die von Geld und Eigen-Marketing leben. Wahrscheinlich ist auch die unsachgemäße Titulierung in vielen Fällen einer eher ahnungslosen bis inkompetenten Journaille zuzuschreiben.
    Boulevard ist ja auch nicht unbedingt von Kompetenz geprägt.

    H.

  2. Für mich sind das Geschichten aus einer fernen Welt, die ich niemals verstehen, in die ich niemals eintauchen und zu der ich niemals gehören werde - auch nicht möchte.

    Geld is´ ´ne praktische Sache; kann man sich doch mit ´nem erklecklichen Sümmchen über so manches irdische Ungemach hinweghelfen. Es allerdings unmäßig zu horten, zu verschieben, mit ihm unablässig zu spekulieren, es permanent wie zwanghaft vermehren zu müssen, ist ein Charakterzug des Menschen, der gewiss nicht zu den edelsten zählt.

    Ich werde nimmer begreifen, was einen Menschen, der, wenn´s gut geht, eine Lebenserwartung von achtzig Jahren hat, antreibt, Abermillionen oder Milliarden anzuhäufen, die doch leicht für Dutzende von irdischen Lebensspannen ausreichen würden. Was könnten solche DagobertDucks für Wohltaten bewirken, wenn sie sich eines Besseren besännen?!

    Die Crux ist: Wer meine Mentalität besitzt, wird kaum je wohlhabend werden und wer vermögend ist oder partout danach strebt, wird meine Einstellung sicherlich absonderlich finden.

  3. Ich arbeite seit fast 20 Jahren in diesem Umfeld und kann eigentlich keine Veränderungen feststellen.
    Oppenheim hat schon vor 15 Jahren Kunden ignoriert, nur weil Sie nicht im Anzug in der Niederlassung erschienen. Derartige Arroganz lebt von Substanz und kommt früher oder später immer unter die Räder.
    Es gibt nach wie vor gute Privatbanken, auch welche denen die Kunden nicht davonlaufen, allerdings sind kaum noch Institute der Größenordnung Oppenheim und größer dabei.
    Viele haben wegen zu teurer Strukturen ein Ertragsproblem.
    Bei einer so gigantischen Blase ist es einfach unmöglich als größeres Institut nicht infiziert zu sein.
    In dem mir bekannten Bereich haben wir einen Kunden verloren. Er hat sein Geld abgezogen, weil der Bankberater sich weigerte auf höhere Zockerrenditen zu setzen.
    Auch bei diesem Berater hätte er Geld verloren, allerdings nur die Hälfte dessen, was ihm nach dem Wechsel verloren ging.

    Die Welt ist nicht so einseitig, wie die Empörung unterstellt.

    H.

  4. legten grossen Wert darauf, korrekt angeredet und bezeichnet zu werden, also mitnichten den Titel vor dem Vornamen.

    Der Spiegel verwechselt Adelige, mit Prominenz, die zufällig einen Adelstitel trägt. Diese Leute verhalten sich eben wie alle eitlen Prominenten von Paris Hilton angefangen, die von Geld und Eigen-Marketing leben. Wahrscheinlich ist auch die unsachgemäße Titulierung in vielen Fällen einer eher ahnungslosen bis inkompetenten Journaille zuzuschreiben.
    Boulevard ist ja auch nicht unbedingt von Kompetenz geprägt.

    H.

  5. Wenn auch das Vermögen nicht mehr schneller wächst als die Prostata: für ein standesgemäßes Begräbnis wirds schon noch reichen!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service