Selbst für Waschmaschinen gibt es ständig neue Programmversionen
In einer Befragung der RWTH gaben 18 Prozent der Autobesitzer an, ihr Fahrzeug nach dem Kauf verändert zu haben – vom Austausch des Radios bis hin zur Umprogrammierung der Motorelektronik. In einer anderen Studie zeigte sich, dass auch jeder zehnte Käufer von Outdoor-Produkten das neue Zelt, Sport- oder Gartengerät wesentlich verändert oder weiterentwickelt. Piller spricht von »Co-Creation« durch mündige Konsumenten: »Aus dem Consumer wird ein Prosumer.«
Klaus Backhaus nennt das etwas nüchterner die »Integration des Kunden in den Leistungserstellungsprozess« und gerät dann doch ins Schwärmen: »Die Produktentwicklung wird demokratisiert.« Schon arbeiten Auto- und Elektronikhersteller an geeigneten Schnittstellen, die das Herumbasteln ermöglichen, gleichzeitig aber verhindern, dass die Grundfunktionen der Technik dabei Schaden nehmen. Denn für manche Macke sorgt der »Prosumer« selbst – indem er mit der neuen Software aus dem Internetforum auch einen Virus auf den Receiver überträgt oder beim Umverkabeln einen Schleichstrom erzeugt.
Bei der »weißen Ware«, also Waschmaschinen, Trocknern oder Geschirrspülern, übernimmt deshalb der Kundendienst das Softwareupdate. Der Servicetechniker spielt dann von seinem Laptop zum Beispiel ein vorher nicht vorhandenes Programm für die Woll-Handwäsche auf ältere Gerätemodelle oder passt sie an neu entwickelte Waschmittel und Textilien an. Voraussetzung ist eine optische Schnittstelle, bei Miele-Geräten an einem Symbol auf der Schalterblende mit der Abkürzung »PC« zu erkennen. Sie steht hier nicht für Personal Computer, sondern für program correction.
Wie sich grüne Bananen in ein äußerst lukratives Geschäftsmodell verwandeln lassen, hat Apple vorgemacht. Das iPhone aus der kalifornischen Technikschmiede kommt mit einer sehr bedienungsfreundlichen Oberfläche, aber nur dürftigen Grundfunktionen zum Kunden. Wofür der sein Gerät – neben Telefonieren, Fotografieren und Musikhören – dann nutzen will, entscheidet er selber: durch die Installation der berühmten Apps. Die meisten stammen aus kleinen Softwareschmieden in aller Welt. Apple prüft lediglich ihre Funktionsfähigkeit und Sicherheit und kassiert für die Weiterverbreitung eine Gebühr.
»Die Unternehmen lernen erst langsam, wie man die Kunden in die Entwicklungsaufgaben einbindet«, sagt Michael Schleusener, der gerade einen Studiengang für technisches Produktmanagement an der Hochschule Niederrhein einrichtet. »Softwarefirmen waren die Vorreiter, jetzt greift der Trend auf immer mehr Branchen über.« Zum Beispiel auf den Heimwerkermarkt. 1-2-do.com heißt das Internetforum, mit dem Bosch seine Kunden binden will. 2600 Nutzer haben sich seit der Freischaltung Anfang Dezember registriert und tauschen Tipps und Tricks für den Umgang mit Winkelschleifern, Bohrhämmern oder Kreissägen aus. Als Anreiz für besonders aktive User winken Testprodukte und Wettbewerbe wie die Bohrmeisterschaft, bei der 255 Männer und 132 Frauen gegeneinander angetreten sind. Der erhoffte Gewinn für das Unternehmen sind neben treuen Kunden Verbesserungsvorschläge und Anregungen für neue Werkzeuge.
Auch die Aktivisten des privaten Comag.tv-Forums geben ihre Software-Nachbesserungen an die Hersteller der Satellitenreceiver weiter – »kostenlos«, wie Mitgründer »Ostkind« betont. »Die Firmen sehen das als Support«, meint er. »Im Gegenzug lassen sie uns ihre neueste Software zum Testen zukommen – natürlich anonym.« Dass man die Ratschläge aus dem Internetforum als Support ansehe, wird beim Hersteller Comag energisch bestritten, man beobachte das Treiben dort lediglich mit gewissem Interesse. Offenbar ist der Firma die Nachhilfe aus der Community peinlich.
Spätestens wenn die Entscheidungsfunktionen in den Unternehmen von digital natives besetzt sein werden, also Angehörigen der Google-Generation, werde die Einbeziehung der Kunden in die Produktentwicklung zu »einer der wichtigsten Fähigkeiten von Unternehmen«, prophezeit Michael Schleusener. Im Fokus stehen dabei die early adopters, die Gruppe besonders technikaffiner Käufer. »Für ein neues Gerät nehmen die early adopters kleine Macken gerne in Kauf«, sagt Jürgen Ripperger vom VDE. »Sie tragen so auch zur Finanzierung der Produktinnovationen bei.«
Mit zu vielen Beta-Versionen und Kinderkrankheiten sollten die Unternehmen allerdings diese Zielgruppe nicht beglücken. Denn so gierig sie sich auf Neuheiten stürzt, so erbarmungslos kann sie deren Schwächen offenbaren. Kaum war das »spezialgehärtete Motorradschloss mit Kraftzellentechnologie« – Sicherheitsstufe 15 von 15 – auf dem Markt, war auf YouTube schon der Videobeweis zu sehen, dass es mit einem Bolzenschneider in 17 Sekunden geknackt werden kann. »Mundpropaganda gab es schon immer«, sagt Schleusener, »doch im Internet erlebt sie eine enorme Dimension.« Das übrigens verhindert womöglich auch manche Innovation, deren Sinn sich erst auf den zweiten Blick erschließt. »Hätte man damals nur die Kunden gefragt, wäre der Walkman nie erfunden worden.«
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- Datum 26.02.2010 - 16:19 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.02.2010 Nr. 09
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Ist die euphemistische Umschreibung, dass in vielen Unternehmen Mitarbeitern gekündigt wurde, um den Gewinn zu steigern. Diese Leute haben vorher nämlich nicht nur in der Kantine gesessen und Karten gespielt.
Einen Bereich, der besonders schlimm und das seit etlichen Jahren von dieser Bananen-Software-Mentalität betroffen ist, haben Sie vergessen. Nämlich die Computerspiel-Industrie. Kaum ein Spiel kommt heute, mit Ausnahme von Blizzard-Spielen, reif beim Kunden an. Dafür darf man 50€ bezahlen und der Support durch Updates wird trotzdem nach ca. 1 Jahr eingestellt, da sich dann das Entwicklerstudio mit seinem neuen Titel beschäftigt und keine Zeit mehr für Nachbesserungen an alten Titeln hat.
Zur Google-Generation:
Ich würde mich freuen wenn sie endlich die Hebel in der Hand hätten, da sehr viele Produkte so wirken als könnten die Entscheidungsträger, die das Produkt auf den Markt gebracht haben, selbst nichts mit der Technologie anfangen. Gutes Beispiel dafür sind Autos, sie werden für eine Käuferschicht die um die 60 Jahre alt ist entwickelt (wegen ihrer hohen Kaufkraft).
...wenn alle beim gleichen No-Name-Hersteller und nur mit unterschiedlichen Firmenlogo billig produzieren lassen.
Übrigens:
Im Automobilbau ist es das Gleiche.
Da werden die Leiterzüge auch von ein und denselben Zeitarbeitern gefertigt - egal ob für den teuren Daimler oder den billigeren Opel.
Jedenfalls war das vor Jahren so bei DELPHI, die ja nun pleite sind, wenn ich mich recht erinnere.
existiert da nicht ein betriebssystem, was ständig abstürzt und weiterentwickelt werden muss? hier spielt der kunde auch das testkaninchen, und das schon seit den 1980ern.
@captainmic: Das System heisst Windows. Bei jeder Version wird versprochen, dass es noch einfach und noch besser ist. Das Schlimmste darin ist die Monopolstellung und dass sich wenige nach einem alternativen System umschauen, das einfacher zu handhaben ist.
Ach, jetzt geht das schon wieder los mit dem Windows-Bashing. Wer glaubt, dass OSX grundsätzlich zuverlässiger arbeitet, der irrt.
Ach, jetzt geht das schon wieder los mit dem Windows-Bashing. Wer glaubt, dass OSX grundsätzlich zuverlässiger arbeitet, der irrt.
Besonders mit teuren Handys habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht.
Mir sind allerdings die Ausfälle zu teuer. Warten reduziert die Kosten auf einen Bruchteil der Erstkosten.
Das Problem liegt eigentlich daran, dass zu viele Kunden auf die Werbung hereinfallen, statt sich wirklich kundig zu machen. Die Masse kauft halt, ohne das eigene Verhalten zu hinterfragen, auch Schrott. solange diese strukturelle Dummheit weiter zunimmt wird sich nichts ändern.
Das Ergebnis sehen wir bei amerikanischen Produkten, die auf Dauer nicht mehr wettbewerbsfähig sind, denn irgendwann wird eine Akzeptanzgrenze überschritten, die Stimmung im Markt kippt um, und alles wird erst mißtrauisch beäugt, das Vertrauen den Firmen entzogen.
Die aktuelle Wirtschaftskrise kann Folge und Auslöser einer solchen Korrektur sein. Die Indizien für einen solchen Umschwung nehmen auch bei uns zu, kaum noch irgendwo zufriedene Käufer, dafür immer mehr dass Gefühl betrogen zu werden.
Letztlich hat das Problem auch ganz viel mit mangelndem Verbraucherschutz, unzureichenden technischen Prüfungen und mangelnden Haftungsregeln zu tun. Eine deutliche Verschärfung auf diesem Gebiet würde der nachhaltigen Wertschöpfung eher gut tun und Masse durch Klasse wieder ersetzen.
Die technische Presse mit diversen Testergebnissen ist da auch kein Ruhmesblatt.
Die einzige richtige Methode ist die von Apple beim I Phone, weil sie nur das garantieren und zur Verfügung stellen, was sie auch garantieren können.
H.
"Die Masse kauft halt, ohne das eigene Verhalten zu hinterfragen, auch Schrott."
Eben, Hauptsache billig, weil "Geiz ist geil." Und genau da liegt doch das Problem: Wer z. B. für einen neuen Laptop nicht mehr als 300 Euro bezahlen will, braucht sich über Bananenprodukte nicht wundern. Natürlich ist ein Schnäppchen ab und an etwas Feines, aber die Mehrheit der Konsumenten scheint vergessen zu haben, dass Qualität eben auch was kostet. Außer Linux ;-)
"Die Masse kauft halt, ohne das eigene Verhalten zu hinterfragen, auch Schrott."
Eben, Hauptsache billig, weil "Geiz ist geil." Und genau da liegt doch das Problem: Wer z. B. für einen neuen Laptop nicht mehr als 300 Euro bezahlen will, braucht sich über Bananenprodukte nicht wundern. Natürlich ist ein Schnäppchen ab und an etwas Feines, aber die Mehrheit der Konsumenten scheint vergessen zu haben, dass Qualität eben auch was kostet. Außer Linux ;-)
Sozialismus würde nicht funktionieren!
kallewestrich: Schnell produzieren und raus mit, neuste Firmsoftware im Netz, vielleicht geht's, vielleicht auch nicht....Oft steckt Schwindel dahinter.
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