Staatskrise in Griechenland Operation QuittungsblockSeite 3/3
Man verlässt mit gut gefülltem Magen und wachsenden Zweifeln an den Aussagen griechischer Dockarbeiter den Hafen und macht sich auf den Weg zur viel gescholtenen Regierung. Ein seelenloser Kasten in der Zalokosta-Straße. Es geht hinauf in den sechsten Stock. Kein Empfang, nur ein Nummerncode-Kasten und eine Klingel. Die Sekretärin öffnet, schon steht man im Büro von Vizepremierminister Theodoros Pangalos. Der 71-Jährige hat eine Statur wie Helmut Kohl und hat als alter Haudegen der Pasok-Partei schon manche Krise durchgestanden. Die EU hat den Griechen Zeit bis zum 16. März für ein eisernes Sparprogramm gewährt. »Wir haben noch nie unter solchen Fristen gearbeitet«, seufzt Pangalos. »Wir wollen kein Geld von der EU, wir wollen Solidarität.« Was gibt Griechenland dafür? Gehaltskürzung bei allen Staatsangestellten, Zusammenlegung von Behörden, weitgehender Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst, Erhöhung und besseres Eintreiben der Steuern. Der Vizepremier zeigt auf einen Ebenholztisch, um ihn herum acht gelbe Lederstühle. »Das ist unser Metzgertisch, an dem wird gekürzt.«
Aber haben nicht gerade streikende Beamte im Finanzministerium den Minister tagelang aus seinem Büro ausgesperrt. »Diese Streiks scheitern«, sagt Pangalos ganz ruhig. »Nur die wenigsten beteiligen sich daran.« Die Umfragewerte für die Pasok lägen bei fast 50 Prozent, das sei Rekord für eine Sparregierung. »Die Menschen fühlen unsere Hand in ihren Taschen und unterstützen uns trotzdem.«
Durch das Gewühl der Gewerkschaftsdemos geht es zurück zum Schriftsteller Petros Markaris. Das Café ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Krise wirkt hier wie ein tiefschwarzes Unwetter am Horizont, während gerade noch mal ausgiebig die Sonne scheint. Markaris ruft nach einer Rosskur für sein Land. Griechenland müsse sich neu erfinden. Es werde seine einfache Schönheit, die anmutige Kargheit neu entdecken müssen. »Wenn die Griechen in der Katastrophe stecken, werden sie agil, erfinderisch, beweglich.« So waren sie in den fünfziger Jahren nach dem Bürgerkrieg, in den siebziger Jahren nach der Diktatur. Markaris erinnert sich noch gut daran.
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- Datum 25.02.2010 - 17:37 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.02.2010 Nr. 09
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Allein die ordnungsgemäße Erfassung und Abführung der Umsatzsteuer würde ausreichen, dass Griechenland binnen einer Dekade fast schuldenfrei wäre. Eine entsprechende Herangehensweise bei der Einkommenssteuer täte ihr Übriges. Aber das werden sie nicht tun.
Gewählt werden Politiker von Wählern und nicht von schuldenfreien Staaten. Also wird Griechenland formal ein armes, hochverschuldetes Land bleiben, in dem die Bürger recht gute Einkommen beziehen. Weiterhin sorgt ein Verweilen im unteren Einkommenssektor innerhalb der EU dafür, dass weiterhin Transferzahlungen aus den Regional- und Strukturhilfefonds ihren Weg zu den Hellenen finden werden. Die Yachthäfen werden auch im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung mitfinanziert – gibt es auch in Deutschland, dort nennt man sie Wasserwanderwege.
Unter den jetzigen Umständen: Auf nach Griechenland!
Die dummen Deutschen springen ja bereitwillig ein.
kallewestrich: Statt Steuern zu zahlen wird betrogen und gemauschelt, und zwar enorm: Der Geschäftsführer bezieht Sozialhilfe!!! In solch einem Milieu bleibt nur noch die Einstellung von Alexis Sorbas übrig... einstürzen lassen und weitermachen. Aber mit unserem Geld?
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