Vielflieger Kampf um die Armlehne

Beim Fliegen werden Menschen wunderlich, findet der Komiker Thomas Hermanns – und hat ein Buch darüber geschrieben. Ein Gespräch über Stretchübungen und Champagnerneid.

Über den Wolken ist die Freiheit laut Thomas Hermanns zuweilen recht eingeschränkt

Über den Wolken ist die Freiheit laut Thomas Hermanns zuweilen recht eingeschränkt

DIE ZEIT: Herr Hermanns, wie kommt ein Comedian auf die Idee, ein Buch übers Fliegen zu schreiben?

THOMAS HERMANNS: Ich sitze ständig im Flugzeug: 50 bis 70 Mal im Jahr. Dabei fiel mir auf, dass es viele Abstrusitäten gibt, die humoristisch bearbeitet werden sollten.

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ZEIT: Was raten Sie als Vielflieger dem gewöhnlichen Reisenden?

Hermanns: Als Erstes: bloß nicht im Internet buchen! Sechzehnjährige mögen das können. Mir stürzt zwischendrin dreimal der Computer ab, und die Kreditkarte wird nicht genommen. Ich gehe lieber ins Reisebüro. Da sitzen Menschen vor Plakaten von Orten, wo sie nie waren, von Mauritius und Rio, und Grünpflanzen kitzeln sie im Nacken. Ein schönes Biotop.

ZEIT: Und welche Regeln gilt es am Flughafen zu beachten?

Hermanns: Gar nicht erst versuchen, beim Gewicht zu schummeln. Mein liebster Satz ist "Das ist noch Handgepäck". Die Leute wissen genau, dass sie zu viel dabeihaben. Und dann tun sie überrascht, dass der kleine Kaminofen nicht ins Handgepäck darf. Sie schimpfen, weil sie am Boden kauern und umpacken und wir alle sehen, wie im Koffer die Unterwäsche neben dem Deo liegt. Dabei hätten sie ja diese Aufsteller benutzen können, "Wenn Ihr Handgepäck hier reinpasst, ist es Handgepäck", die in der Halle stehen. Aber da habe ich noch nie jemand hingehen sehen, die Leute tun, als wären das Blumenständer.

ZEIT: Ärgern Sie sich auch über gründliche Sicherheitskontrollen, oder denken Sie: Gut so?

Hermanns: Ich bin dafür, auch mal eine Ausnahme zu machen. Da steht die Omi und umklammert ihr Tosca-Fläschchen, und dann sagt der Sicherheitsmann: "200 Milliliter, ab in den Müll." Aber ganz ehrlich, deren Job möchte ich nicht machen. Frauen betasten, weil ihr Bügel-BH gepiept hat, oder unter die Achseln von Männern greifen, die den ganzen Tag ihr Jackett vollgeschwitzt haben, uaaah. Leid tut mir auch die Frau, die am Boardingschalter steht, wenn der noch geschlossen ist. Alle starren sie an, und sie muss so tun, als lese sie Passagierlisten oder telefoniere. Und vor ihr reihen sich diese Menschen, die ich nicht verstehe: Warum steht man am Gate an, obwohl noch nicht "Boarding" angezeigt ist? 

Leser-Kommentare
  1. kallewestrich: Ob die jetzt im Internet gebucht haben, turnen, Champagner trinken (ich möchte nicht betüttelt in die See stürzen), ist mir egal, ich möchte nur heil ankommen!

    • dapeda
    • 08.03.2010 um 11:15 Uhr

    bin ich auch nicht auf die Idee gekommen, mir das privat anzutun. Wenn man vorbereitungen, Wartezeiten etc. mitrechnet ist es die unangenehmste Art zu reisen. Und ich reise soweiso schon ungern.

    Ich warte lieber aufs Beamen.
    "Ach, ich würd gern einen MaiTai in San diego trinken."
    zzziiingggg!
    *schluck Strandspaziergang Schluck*
    zzzzzonnggg! - ah, zurecht zu den Abendnachrichten daheim.

    Da ich sicher noch 300-400 Jahre lebe, wird das schon :-/

  2. Das ist in der Economy nicht aushaltbar. Da müssen Sie ja ganz furchtbar belastbar sein.

    Sitz 1A ist sicher nicht der Beste. 3A ist deutlich besser in der vorderen Kabine. 1A hat Kontakt zur Galley und zu den WCs; auf 1A sitzen Möchtegerns.

    Und die Sache mit dem Vorhang vor der Economy mag ich auch nicht; ich bevorzuge Flugzeuge mit schalldichter und sichtdichter Abtrennung zur Economy, um diesen grauenhaften Lärm beim beladen der overhead bins nicht ertragen zu müssen.

    Übrigens, 4 unterschiedliche Kaviarsorten? Wo lassen Sie denn fliegen? Und warum buchen Sie selbst? Ich lasse buchen, da ist mir dann das Biotop im Reisebüro oder der abstürzende PC eins...

    • eras
    • 08.03.2010 um 15:16 Uhr

    "auf 1A sitzen Möchtegerns ... Und warum buchen Sie selbst? Ich lasse buchen, da ist mir dann das Biotop im Reisebüro oder der abstürzende PC eins..."

    "Ich lasse buchen" - derlei Kommentare hab ich von einem Möchtegern ja noch nie gehört. So spricht nur die Elite, nicht wahr...?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Buchen Sie etwa selbst?

    Buchen Sie etwa selbst?

  3. 5. @eras

    Buchen Sie etwa selbst?

    Antwort auf "Jaja..."
  4. Am Gangplatz sitzen die, die wenigstens auf einer Seite etwas Ellenbogenfreiheit haben wollen. Oder die, die einen schnellen Zugriff zur Toilette haben wollen.
    Am schönsten ist es, wenn der Mittenplatz frei bleibt.

  5. Redaktion

    Liebe User,

    danke für Ihre gutgelaunten Beiträge. Es gab eine Zeit, da war Fliegen wirklich noch schön. Erinnern Sie sich? Was hat sich seitdem geändert? Ich freue mich über Ihre Kommentare zum Thema.

    Viele Grüße

    Jessica Braun
    Reiseredaktion Zeit Online

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    niemals von nichtseßhaften Rentnerhorden frenetisch geklatscht, wenn das Flugzeug sicher in, sagen wir, Malaga aufgesetzt hatte. Früher trugen Stewardessen keine lustigen Papphütchen zu Silvester. Früher waren Flugzeuge kleiner, damit der Service freundlicher und persönlicher. Es durfte früher in Flugzeugen geraucht werden - bevor die Nichtraucherfront nun über mich herfällt, ja, ich tu's gerne. Es ist mir aber auch bei sehr langen Flügen nicht unbedingt nötig - nur das Nichtraucherzeichen nervt mich sehr, da es ständig daran erinnert, daß ich's nicht darf.

    Und das gab's früher auch nicht, aus dem Bericht einer Mitarbeiterin einer renommierten deutschen Fluglinie in München: die Szene - frühmorgens am Check-in der First/Business Class. An den Schalter tritt ein graumelierter Herr im dreiteiligen Anzug, wirft ihr die Ultravielflieger-Karte auf den Tresen und verlangt einen Flug nach - München. Auf ihre Auskunft, er befände sich bereits in München, gibt es nach ihrer Aussage genau zwei mögliche Reaktionen:
    1. Erröten/Erblassen und sich entfernen mit den gemurmelten Worten 'Ich geh wohl besser erstmal Kaffee trinken'.
    Oder 2. Erröten, aber vor Wut, das Mobiltelefon zücken und morgens um halb fünf die Privatsekretärin zur Schnecke machen, sie lauthals brüllend für den Fehler verantwortlich machen, davon sichtlich entschlackt zurück an den Tresen treten, Karte werfen und einen Flug nach, sagen wir, Mailand verlangen. Schrecklich, oder? In so austauschbaren Welten zu leben...

    1. Die Stewardessen haben den Gang noch als Laufsteg benutzt
    2. Man flog nicht so oft und wenn dann meistens in den Urlaub
    3. Keiner wußte, dass Fliegen die Organe zerquetscht und die Luft im Flugzeug schädlich ist

    niemals von nichtseßhaften Rentnerhorden frenetisch geklatscht, wenn das Flugzeug sicher in, sagen wir, Malaga aufgesetzt hatte. Früher trugen Stewardessen keine lustigen Papphütchen zu Silvester. Früher waren Flugzeuge kleiner, damit der Service freundlicher und persönlicher. Es durfte früher in Flugzeugen geraucht werden - bevor die Nichtraucherfront nun über mich herfällt, ja, ich tu's gerne. Es ist mir aber auch bei sehr langen Flügen nicht unbedingt nötig - nur das Nichtraucherzeichen nervt mich sehr, da es ständig daran erinnert, daß ich's nicht darf.

    Und das gab's früher auch nicht, aus dem Bericht einer Mitarbeiterin einer renommierten deutschen Fluglinie in München: die Szene - frühmorgens am Check-in der First/Business Class. An den Schalter tritt ein graumelierter Herr im dreiteiligen Anzug, wirft ihr die Ultravielflieger-Karte auf den Tresen und verlangt einen Flug nach - München. Auf ihre Auskunft, er befände sich bereits in München, gibt es nach ihrer Aussage genau zwei mögliche Reaktionen:
    1. Erröten/Erblassen und sich entfernen mit den gemurmelten Worten 'Ich geh wohl besser erstmal Kaffee trinken'.
    Oder 2. Erröten, aber vor Wut, das Mobiltelefon zücken und morgens um halb fünf die Privatsekretärin zur Schnecke machen, sie lauthals brüllend für den Fehler verantwortlich machen, davon sichtlich entschlackt zurück an den Tresen treten, Karte werfen und einen Flug nach, sagen wir, Mailand verlangen. Schrecklich, oder? In so austauschbaren Welten zu leben...

    1. Die Stewardessen haben den Gang noch als Laufsteg benutzt
    2. Man flog nicht so oft und wenn dann meistens in den Urlaub
    3. Keiner wußte, dass Fliegen die Organe zerquetscht und die Luft im Flugzeug schädlich ist

  6. Hallo, ich muss einem der Kommentatoren unbedingt zustimmen: Fliegen ist die unangenehmste Art zu reisen, alles über zwei Stunden ist ätzend, aber man muss ja wenn man weiter weg will !
    Die besten Plätze auf Kurz und Mittelstrecke sind 3C/D : man steigt zuletzt ein hat ein Ablagefach über sich (bei Reihe 1 und 2sind die mit board-utensilien belegt)und ist schnell wieder raus aus der Büchse.
    Erste Reihe ist bei den meisten Maschinen Mist, weil die Wand vor einem ist und der Tisch umständlich rausgeklappt werden muss. AmFenster sitzen nur die Träumer....
    P.S. : gehe bald in Ruhestand und freue mich auf die Reisen mit meinem Wohmobil !

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  • Quelle DIE ZEIT, 25.02.2010 Nr. 09
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