Bildungspolitik Mehr Ehre für die Lehre

Mit zwei Milliarden Euro will Bundesministerin Annette Schavan die Ausbildung an den Universitäten fördern. Dafür sind eigentlich die Länder verantwortlich. Die Politikerin will sich nicht abwimmeln lassen

Bundesbildungsministerin Annette Schavan

Bundesbildungsministerin Annette Schavan

DIE ZEIT: Wieso ist die Lehre an deutschen Hochschulen so schlecht?

Annette Schavan: Dieses Urteil ist zu pauschal und deshalb nicht gerecht – sicher gilt aber: Gute Lehre wird kaum anerkannt.

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ZEIT: Dazu hat die Politik doch beigetragen, indem sie in den vergangenen Jahren fast ausschließlich die Forschung gefördert hat.

Schavan: Die Dynamik, die etwa durch die Exzellenzinitiative entstanden ist, hat auch den Studenten genutzt. Allerdings haben wir in der Tat feststellen müssen, dass sich die Wertschätzung guter Lehre nicht automatisch ergibt. Darum ist jetzt eine konzertierte Aktion nötig.

ZEIT: Wie soll diese aussehen?

Jetzt stoßen wir die größte Qualitätsoffensive für die Lehre an, die es je gab

Schavan: Nach jahrzehntelangen Debatten über die Unterfinanzierung der Lehre ist es höchste Zeit, dafür zu sorgen, dass sie nicht länger als Stiefkind der Hochschulen gilt. Ich werde den Ländern deshalb ein neues Qualitätsprogramm für die Lehre vorschlagen. Der Bund ist bereit, dafür über einen Zeitraum von zehn Jahren jeweils 200 Millionen Euro pro Jahr zu investieren. Die erste Runde der Exzellenzinitiative war 1,9 Milliarden wert, jetzt stoßen wir die größte Qualitätsoffensive für die Lehre an, die es je gab, bei einer finanziell vergleichbaren Ausstattung von insgesamt zwei Milliarden Euro. Sie wird die Lehre zu dem aufwerten, was sie ist: der Schlüssel zu besseren akademischen Leistungen der Studierenden.

ZEIT: Noch ein Wettbewerb also?

Schavan: Mehr als das. Zum einen wollen wir zunächst zehn Zentren für Hochschuldidaktik einrichten, die jeweils einen Verbund exzellenter Hochschulen bedienen. Zum anderen werden wir die Hochschulen auffordern, sich mit Konzepten für gute Lehre zu bewerben. Dabei geht es darum, überzeugende Antworten auf die Bologna-Studienstrukturen zu präsentieren. Träger beider Programmlinien wird die Hochschulrektorenkonferenz sein. Etwa 80 Hochschulen werden zum Zug kommen. Wir brauchen die Breitenwirkung. Trotzdem werden wir nicht einfach Geld verteilen.

ZEIT: Exzellenz und Breite zugleich? Dafür sind die Mittel dann doch zu knapp bemessen.

Schavan: Wie stark der Betrag noch steigt, hängt von der Höhe der Länderzuschüsse ab, die zum Bundesanteil hinzukommen. Vergessen Sie zudem nicht die 15.000 Stellen, die dank Exzellenzinitiative und Forschungspakt entstanden sind. Es darf aber nicht nur ein Stellenprogramm auf das andere folgen. Vielmehr müssen wir das Lehrangebot weiterentwickeln, etwa indem wir neue Personalkategorien schaffen.

Leser-Kommentare
  1. Die korrupten Neoliberalen versuchen um jeden Preis, Bildung und Gesundheit zu privatisieren.

  2. Die Kompetenz der Frau Schavan besteht darin, alles nachzubeten, was ihr von der Bertelmann-Stiftung ( Centrum für Hochschulentwicklung) vorgelegt wird. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Die Ökonomisierung der Bildung ( Wettbewerb, Exzellenz-Initiative etc. etc,) führt in der Praxis zu einer chaotischen Vergabe von Studienplätzen, des unsinnigen Austausches der bewährten und anerkannten Diplom- und Staatsexamensstudiengängen gegen Bachelor und Master.

  3. Frau Schavans Plan, zukünftig zwischen Lehr- und Forschungsprofessuren zu unterscheiden, wird auf lange Sicht zu einer Zwei-Klassen-Professorenschaft führen, - eine Zweiteilung, bei der der eine forschende Teil Ansehen und Gelder zugesprochen bekommen wird, während der andere lehrende Teil mit Sicherheit die eigentliche, und leider meist gering geschätzte Arbeit machen wird. Das Ganze wäre vielleicht ja noch zu ertragen, wenn dadurch tatsächlich mehr Professuren eingerichtet würden. Fakt ist aber, das diese Zweiteilung bereits ihren Lauf nimmt in Gestalt der in jüngster Zeit immer wieder gerne mit Habilitierten besetzten Stellen der sog. "Lehrkräfte für besondere Aufgaben". In den Geisteswissenschaften lehren diese "LfbAs" 18 Semesterwochenstunden (die Profs. im Vergleich dazu bei deutlich besserer Bezahlung nur "offizielle" 8-9 Stunden). Nun mögen für Laien 18 Semesterwochenstunden nicht viel klingen, bedenkt man aber, dass die eingentliche Zeit nicht in die Lehre, sondern deren Vorbereitung geht, und dass eben auch Prüfungen, Beratungen etc. anstehen, dann sind diese Stellen geradezu skandalös, auf jeden Fall dienen sie - wie die Erfahrung mittlerweile zeigt - nicht der Verbesserung, sondern nur der Verschlechterung der Lehre. Aus studentischer Sicht sei eingedenk, dass die besten Seminare immer schon diejenigen waren, die (weitgehend vom Mittelbau ausgehend) die eigene Forschung in die Lehre einbringen.

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