Bildungspolitik Mehr Ehre für die Lehre
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Zwei Milliarden Euro mehr für die Lehre

ZEIT: Sollen die aus dem Ausland besetzt werden?

Schavan: Woher denn sonst? Führende muslimische Religionsgelehrte gibt es in Deutschland nur sehr wenige. Die Einrichtung ganzer Fachbereiche kann deshalb nur gelingen, wenn wir uns bei der Suche nach Wissenschaftlern international ausrichten.

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ZEIT: Sie stoßen mit Ihren Initiativen wiederholt in die Grauzonen der Bund-Länder-Zuständigkeiten vor. Kann das gut gehen?

Schavan: Vier Jahre nach der Föderalismusreform sind wir in einer politischen Situation, die damals nicht absehbar war. Die Finanzlage der Kommunen und Länder ist durch die Wirtschaftskrise schwierig und wird nach Einführung der Schuldenbremse noch schwieriger. Ich bestreite nicht im Geringsten die Hauptverantwortung der Länder im Bereich Bildung und Hochschulen. Ich zweifle aber, dass das Kooperationsverbot zwingend ist. In föderalen Systemen gibt es Bereiche, die von nationaler Bedeutung sind. Wir müssen einen Weg finden, wie der Bund auf diesen Feldern tätig werden kann, ohne in besagte Grauzone zu kommen.

ZEIT: Also eine erneute Grundgesetzänderung?

Schavan: Wenn eine Grundgesetzänderung nötig ist, sollten wir sie nicht scheuen. Alles andere schadet der Glaubwürdigkeit der Politik. Allerdings zeigen Exzellenzinitiative und Hochschulpakt, dass wir auch jetzt wichtige Initiativen gemeinsam schaffen können.

ZEIT: Was genau wollen Sie mit einer Änderung erreichen?

Schavan: Eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Nehmen wir kommunale Bildungsprojekte. Die darf der Bund zum Beispiel bislang nicht fördern. Dabei etablieren sich die Kommunen zunehmend als Bildungsstandort und vernetzen Schulen mit der Jugendhilfe und der Familienhilfe. Es muss möglich sein, dass der Bund diese Netzwerke finanziell unterstützt, etwa indem er Nachhilfe anbietet oder Sprachkurse für Jugendliche aus Migrantenfamilien.

ZEIT: Zwei Milliarden Euro mehr für die Lehre: Ist das der größte Erfolg des Bildungsstreiks?

Schavan: Es ist die verspätete Antwort auf die Einführung von Bologna. Es war falsch, die Umstellung der Studiengänge nicht von Anfang an mit zusätzlichen Ausgaben für die Verbesserung der Lehre zu flankieren. Ich will nicht auf Fehlern der Vergangenheit herumreiten. Aber für die Zukunft sollten wir lernen: Wer eine so große Reform angeht, muss die Finanzierung sicherstellen und mit den Betroffenen eine konzeptionelle Grundlage erarbeiten. Beides ist damals ausgeblieben. Übrigens: Als ich 2006, ein halbes Jahr nach der Föderalismusreform, den Hochschulpakt vorgeschlagen habe, wurde meine Forderung nach der Einrichtung von Lehrprofessuren energisch abgelehnt. Die Bologna-Krise und der Bildungsstreik haben gezeigt: Immer nur zu sagen, was nicht geht, führt nicht weiter. Deshalb lasse ich mich kein zweites Mal abwimmeln.

Die Fragen stellten Jan-Martin Wiarda und Martin Spiewak

 
Leser-Kommentare
  1. Die korrupten Neoliberalen versuchen um jeden Preis, Bildung und Gesundheit zu privatisieren.

  2. Die Kompetenz der Frau Schavan besteht darin, alles nachzubeten, was ihr von der Bertelmann-Stiftung ( Centrum für Hochschulentwicklung) vorgelegt wird. Das Ergebnis ist niederschmetternd. Die Ökonomisierung der Bildung ( Wettbewerb, Exzellenz-Initiative etc. etc,) führt in der Praxis zu einer chaotischen Vergabe von Studienplätzen, des unsinnigen Austausches der bewährten und anerkannten Diplom- und Staatsexamensstudiengängen gegen Bachelor und Master.

  3. Frau Schavans Plan, zukünftig zwischen Lehr- und Forschungsprofessuren zu unterscheiden, wird auf lange Sicht zu einer Zwei-Klassen-Professorenschaft führen, - eine Zweiteilung, bei der der eine forschende Teil Ansehen und Gelder zugesprochen bekommen wird, während der andere lehrende Teil mit Sicherheit die eigentliche, und leider meist gering geschätzte Arbeit machen wird. Das Ganze wäre vielleicht ja noch zu ertragen, wenn dadurch tatsächlich mehr Professuren eingerichtet würden. Fakt ist aber, das diese Zweiteilung bereits ihren Lauf nimmt in Gestalt der in jüngster Zeit immer wieder gerne mit Habilitierten besetzten Stellen der sog. "Lehrkräfte für besondere Aufgaben". In den Geisteswissenschaften lehren diese "LfbAs" 18 Semesterwochenstunden (die Profs. im Vergleich dazu bei deutlich besserer Bezahlung nur "offizielle" 8-9 Stunden). Nun mögen für Laien 18 Semesterwochenstunden nicht viel klingen, bedenkt man aber, dass die eingentliche Zeit nicht in die Lehre, sondern deren Vorbereitung geht, und dass eben auch Prüfungen, Beratungen etc. anstehen, dann sind diese Stellen geradezu skandalös, auf jeden Fall dienen sie - wie die Erfahrung mittlerweile zeigt - nicht der Verbesserung, sondern nur der Verschlechterung der Lehre. Aus studentischer Sicht sei eingedenk, dass die besten Seminare immer schon diejenigen waren, die (weitgehend vom Mittelbau ausgehend) die eigene Forschung in die Lehre einbringen.

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