»So haben Sie die Ozeane noch nie erlebt.« Mit gewaltigem Anspruch startet an diesem Donnerstag der Film Unsere Ozeane in den deutschen Kinos. Seine Regisseure Jacques Perrin und Jacques Cluzaud haben schon mehrere Kassenschlager produziert (darunter Nomaden der Lüfte) und fanden für ihren aktuellen Film zahlreiche Sponsoren: Ölmulti Total, Electricité de France, Suzuki, die Weltraumagentur Esa, Edeka. Aber auch Forschungsorganisationen wie der Census of Marine Life, der eine riesige »Volkszählung« im Meer veranstaltet, unterstützten das Leinwandepos.

»Erleben Sie das blaue Wunder«, versprach Bild am Sonntag 3000 Lesern zur kostenlosen Vorabaufführung. Regisseur Perrin verspricht keinen Dokumentarfilm, sondern eine »Kino-Symphonie«. Die »evokative Kraft des Kinos« könne es mit der Kraft des Meeres aufnehmen. Tatsächlich erlebt der Zuschauer eine kräftige Seelenmassage: wird fast seekrank von tosenden Wellen, entspannt mit tanzenden Walen, erschrickt ob der Brutalität, mit der Schwertwale Robben meucheln oder Seeleoparden Pinguine. Großes Kino!

Wer jedoch nicht nur erlebnis-, sondern auch erkenntnishungrig vor der Leinwand sitzt, wird enttäuscht. Trotz vieler wissenschaftlicher Berater bringt der Film nichts Neues. Naturfreunde kennen die Hauptmotive, Wale, Robben, Pinguine, Rochen, Bedrohung durch Umweltverschmutzung und Fischerei. Eine der dynamischsten Passagen, in der Raubvögel, Delfine und Haie synchron Jagd auf glitzernde Fischschwärme machen, zeigte vor Jahren der BBC-Film Unser blauer Planet eindrücklicher. Wer die Weltmeere – zu Recht – besser schützen will, sollte nicht nur an Bauchgefühle, sondern auch an die Köpfe appellieren.

Sponsor Edeka »setzt auf nachhaltigen Fisch« – und lockt in Anzeigen mit einem großen Gewinnspiel Zuschauer für Unsere Ozeane. Sie sollen herausfinden, welche Tiere der Film zeigt: a) Meerestiere, b) Wüstentiere, c) Dschungeltiere. Für die Einsendung der richtigen Antwort winken 1000 Freikarten und als erster Preis eine Waschmaschine von Bauknecht. Der glückliche Gewinner muss nur noch Wäsche und Waschmittel einfüllen. Dann kann er durch das extragroße Bullauge die Fortsetzung genießen: Seifenoper, Teil II.