Lufthansa Nur kein Neid
Die Lufthansa und ihre Piloten verhandeln wieder. Doch die Gespräche werden sich wohl nur um Gehälter drehen – und nicht um die Konzernstrategie
Alexander Gerhard-Madjidi sollte am Montag dieser Woche in einer A340 sitzen und den Airbus mit 850 Stundenkilometern von Frankfurt nach Dallas steuern. So stand es im Dienstplan. Doch der Pilot der Deutschen Lufthansa blieb am Montagmorgen um 10.20 Uhr am Boden. Er flog nicht in die Sonne von Texas, sondern stapfte durch den Regen von Frankfurt Rhein-Main. Alexander Gerhard-Madjidi legte die Arbeit nieder. Zugleich ist das Vorstandsmitglied der Vereinigung Cockpit Antreiber in einem der ungewöhnlichsten Arbeitskämpfe der vergangenen Jahre. Die Pilotengewerkschaft streitet mit der Deutschen Lufthansa um die Macht im Konzern.
100 Millionen Euro Schaden wären nach Angaben der Lufthansa entstanden, hätten die Piloten tatsächlich bis Donnerstag ihre Arbeit verweigert. Erst das Arbeitsgericht Frankfurt konnte am Montagabend Gerhard-Madjidi und seine Kollegen davon abbringen, den teuersten Streik der Konzerngeschichte durchzuziehen. Seit Dienstag früh sitzen seine Kollegen wieder im Cockpit. Freitag sollen alle Kranichflieger pünktlich starten und landen. Die gute Nachricht für die Passagiere ist auch eine gute für die Deutsche Lufthansa. Das Unternehmen fühlt sich bestärkt darin, dass nun bis zum 8. März um Tarifgehälter und nicht um die Strategie der Lufthansa verhandelt wird. Dann endet die zweiwöchige Friedenspflicht der Gewerkschaft.
Den scharfen Disput mit den Piloten konnte die Richterin aber nicht entschärfen. »Das Konfliktpotenzial bleibt«, sagt Gerhard-Madjidi. Wer ihn am Montag begleitete, bekam ein Gefühl dafür, warum es für Unternehmen wie die Lufthansa gefährlich werden kann, wenn einzelne Berufsgruppen über ihre speziellen Interessen verhandeln. Im schlimmsten Fall laufen deren Ziele denen des gesamten Konzerns zuwider – und denen der anderen Beschäftigten. Gerhard-Madjidi gibt diesem Konflikt ein Gesicht. Eines, das so gar nicht nach Rebell aussieht.
Das Kinn glatt rasiert, der Teint blass, die Wangen ohne Kanten. Auch die kurz geschorenen Haare wirken bei diesem 32-jährigen Mann eher brav als frech. Sein schmaler Körper steckt in der typischen blauen Uniform mit drei goldenen Streifen am Jackett, einer davon ist etwas dicker. Seine Kollegen erkennen daran sofort, dass er ein Senior First Officer ist und damit den zweithöchsten Rang der Lufthansapiloten besitzt. Seit neun Jahren sitzt Gerhard-Madjidi im Cockpit, zunächst in einer A320, heute im Langstreckenflugzeug A340. Fliegen ist sein Lebenstraum. Direkt nach dem Zivildienst bewarb er sich bei der Lufthansa. »Ich wollte schon immer Pilot werden«, sagt er.
An diesem Montag hat sich Gerhard-Madjidi die Uniform nur angezogen, weil er für die Pilotenvereinigung Cockpit Flagge zeigen will. Die Splittergewerkschaft setzt sich für die Interessen der Piloten innerhalb des Lufthansa-Konzerns ein. Ein Großteil der 4500 Lufthansa-Piloten ist dort organisiert. Allein in Frankfurt begleiten Gerhard-Madjidi am Montagmorgen Hunderte Kollegen zu einem riesigen Glaskasten, der auch Lufthansa Aviation Center genannt wird. Das ist die Konzernzentrale.
Der Cockpit-Vorstand ist begeistert, als er in die Menge blickt. »Wunderbar«, sagt er. Einige Piloten halten bedruckte Schilder in die Luft. »Stoppt den Ausverkauf«, kann Gerhard-Madjidi darauf lesen oder: »Wo Lufthansa draufsteht, muss Lufthansa drin sein.«
- Datum 24.02.2010 - 18:21 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25.02.2010 Nr. 09
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Der VC-Sprecher sieht nicht aus wie ein Rebell - ach was. Es gibt noch Gewerkschaften, die sich dem Prinzip Schlecker entgegenstellen (können) und auf die Einhaltung alter, aber gültiger Verträge bestehen - wie ärgerlich.
Nichts findet man dagegen in all den Worten darüber, wie diese Verträge zustande kamen und was seitdem unter den Schwingen des Kranichs so alles ausgebrütet wurde. "Das ist sein Job - alte Verträge hin oder her" - ich fasse es immer noch nicht, was für ein Rechtsverständnis...
Auch (Ex-)Kunden könnten berichten, wie weit das "befürchtete" Szenario in der Realität schon fortgeschritten ist und was sie als Zielgruppe davon halten - da hätte Herr Tatje sich manchen Konjunktiv ersparen können.
Woher er schließlich wissen will, was die Arbeitsrichterin gesagt bzw. gedacht hat und worüber nun verhandelt wird, bleibt auch ein Rätsel. Zumindest zum Ersteren gibt es ein Interview mit ihr, das ein deutlich anderes Bild ergibt.
Gerade habe ich (endlich) Spiegel online wegen des stetig fallenden Niveaus als Startseite gegen Zeit.de ausgetauscht, da springert mir schon wieder ein Artikel aus den eher unteren Schubladen des Journalismus entgegen.
Herr Tatje mag zwar relativ neu im Geschäft sein, aber ein kurzer Scan seiner anderen bisherigen Produkte zeigte keine auffällige Neigung zu Polemik oder Parteinahme.
Da bleibt ein schaler Nachgeschmack - und die alte Frage, wieviel man anderen Artikeln glauben kann, bei denen man kein Hintergrundwissen über das Thema hat.
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