Fernsehmoderator Johannes B. Kerner "Wer mich einmal veräppelt hat, der wird gestrichen"

Der Fernsehmoderator Johannes B. Kerner ging vom ZDF zu Sat.1 - Nun kämpft er erstmals mit schwachen Einschaltquoten. Hier stellt er sich der Kritik. Und spricht über eine kollegiale Enttäuschung

ZEITmagazin: Herr Kerner, wird der Bundestrainer der Fußballnationalmannschaft nach der WM im Sommer Jogi Löw heißen?

Johannes B. Kerner: Ja. Wenn Sie gefragt hätten, ob der Teammanager Oliver Bierhoff heißen wird, hätte ich vielleicht eine andere Antwort gegeben. Wie wär’s, wenn alle bleiben, wenn sie Erfolg haben?

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ZEITmagazin: Aus der Sicht des Fußballexperten: Worum geht es bei diesen Vertragsverhandlungen zwischen Bierhoff, Löw und dem Deutschen Fußballbund?

Kerner: Um Macht. Und um Einfluss, Gestaltungsmöglichkeiten und öffentlichkeitswirksame Präsentation.

ZEITmagazin: Kommen Ihnen diese Dinge bekannt vor?

Kerner: Wenn Sie jetzt smart zu meinen kürzlich geführten Vertragsverhandlungen hinmoderieren wollen, dann muss ich Sie teilweise enttäuschen. Bei meinem Wechsel vom ZDF zu Sat.1 haben andere Dinge eine Rolle gespielt.

Johannes B. Kerner

Der 45-Jährige wechselte im Oktober 2009 nach dreizehn Jahren vom ZDF zu Sat.1. Er begann als Sportreporter und wurde mit seiner Talkshow im ZDF zum Fernsehstar. Sein neues wöchentliches Magazinformat bei Sat.1 bleibt aber hinter den Erwartungen zurück. Kerner lässt sich nicht gerne fotografieren und setzte sich lieber für uns in den Passbild-Automaten

ZEITmagazin: Sie wollten weg vom ZDF?

Kerner: Das Verhältnis zwischen dem ZDF und mir war langjährig, großartig, erfolgreich – und letztlich verbraucht. Das zu erkennen ist übrigens ein interessanter Prozess, vielleicht kommen wir dazu noch. Und als ich das erkannt hatte, als mir klar war, dass ich das Verlängerungsangebot des ZDF nicht annehmen kann, gab es nur eine Option: Auszeit. Das Angebot von Sat.1 kam dann später.

ZEITmagazin: Manche verstehen nicht, warum Sie es überhaupt angenommen haben: Sat.1 hat keine Informationskompetenz und gilt als Unterschichtensender. Ihre ersten Sendungen wirkten konfus, die Quote erfüllte anfangs nicht die Erwartungen.

Kerner: Unterschichtensender ist eine zynische Formulierung. Und es stimmt nicht. Das nur vorneweg. Jetzt zu Ihrer Frage: Als das Angebot kam, hat mich dann der Ehrgeiz gepackt. Einerseits. Andererseits habe ich ja auch eine Verantwortung für meine Redaktion. Und da habe ich dann die Möglichkeit gesehen, uns in einen anderen Hafen zu schippern. 

ZEITmagazin: Eine Einschätzung, die man in der Branche immer wieder mal hört: Der Kerner kümmert sich um seine Leute.

Kerner: Es war Teil der Bedingungen, dass ich mich von niemanden trennen muss, das stimmt. Ich arbeite nun mal gern mit diesen Leuten zusammen.

ZEITmagazin: Jetzt produzieren Sie mit dem Team, mit dem Sie eine tägliche Talkshow im ZDF gemacht haben, ein wöchentliches Infotainment-Magazin bei Sat.1.

Kerner: Und natürlich fragen sich da manche: Können die das? Eine Frage, die uns vor dem Start beschäftigt hat und die wir mit Ja beantwortet haben. Der Sender wollte mich verpflichten – ich war und bin Teil dieses Teams.

ZEITmagazin: Haben Sie Sat.1 zum Zeitpunkt Ihres Wechsels falsch eingeschätzt?

Kerner: Ich habe mich damals gefragt, welchen Kontakt ich eigentlich als Zuschauer zu Sat.1 habe, also was Sat.1 für mich ist. Das konnte ich nicht beantworten, denn ich hatte fast keinen Kontakt zu Sat.1. Höchstens wenn ich da mal ein Fußballspiel geguckt habe. Ich schaue weder Filme noch amerikanische Serien. Ich hatte also kein Gefühl für den Sender, deshalb war ich am Anfang auch sehr vorsichtig und habe gesagt, dass es eine Sendung, wie wir sie vorhaben, sehr schwer haben wird. Ich habe gesagt, dass es ein langer Weg werden wird, harte Arbeit.

ZEITmagazin: Wie muss man sich diese Arbeit vorstellen?

Kerner: Wir müssen die Zuschauer, die wir bei Sat.1 antreffen, breit umarmen. Breiter, als wir das bisher getan haben. Das ist ein mühsamer Prozess. Ich gebe zu: Ganz so mühsam habe ich es mir nicht vorgestellt. Ich bin froh, dass wir es mittlerweile einmal geschafft haben, über dem Senderschnitt zu liegen.

ZEITmagazin: Ihre Quote bei Sat.1 hat sich im Vergleich zur ZDF-Quote halbiert.

Kerner: Falsch. Sie hat sich verschoben. Das ZDF rechnet Zuschauer ab 3 Jahre. Und da hatten wir im ZDF 2009 einen durchschnittlichen Marktanteil von 14 Prozent. In der sogenannten Zielgruppe, bei den 14- bis 49-Jährigen, hatten wir 7 Prozent. Das ist deutlich über dem Schnitt des ZDF. Bei Sat.1 reicht das aber nicht. Hier wird anders gerechnet, Sat.1 interessiert sich in der Hauptsache für die 14- bis 49-Jährigen. Und da liegen wir im Moment über dem ZDF, und jetzt zuletzt auch mal über dem Schnitt von Sat.1. 

Leser-Kommentare
    • Lutz2
    • 10.09.2011 um 12:49 Uhr

    Kerner kann man sich doch nicht mehr antun.
    Für mich war er schon unten durch als er damals die Hermann aus dem Studio geworfen hat. Ein Skandal und ein Beweis das es in Deutschland eben keine Meinungs- und Redefreiheit gibt.

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