Personenrätsel Lebensgeschichte

Aus einer glücklichen Kindheit riss ihn der frühe Tod des Vaters. Im Jahr darauf machte sich der schmächtige Junge auf den Weg in die nicht allzu weit entfernte Universitätsstadt, um dort Philosophie und alte Sprachen zu studieren. Da ihm wegen seiner Jugend ein Abschluss verwehrt wurde, wechselte er die Hochschule. Sein Großonkel, ein ebenso berühmter wie streitbarer Gelehrter, hatte dabei wohl die Hand im Spiel. Ihm verdankte er den Namen, unter dem er berühmt wurde, und nach glanzvollem Examen die Empfehlung an eine ferne, aufstrebende Universität.

Dort wurde er mit Spannung erwartet, hatte er doch schon mit einem Lehrwerk für Aufsehen gesorgt. Über 40 Auflagen machten es zum Bestseller in seinem Jahrhundert. Seine Antrittsvorlesung war ein Paukenschlag. Der hagere junge Mann, der leicht stotterte und beim Reden heftig gestikulierte, forderte eine radikale Reform des Unterrichts: Fort mit den Bleigewichten des Überkommenen, her mit neuen Erkenntnissen aus alten Quellen des Wissens. Und der leidenschaftliche Lehrer, für den Bildung und Glaube eins waren, krempelte seine Universität erfolgreich um, engagierte sich bei der Neugestaltung städtischer Oberschulen und konzipierte Lehrmaterialien.

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Sollte er sich ein geruhsames Gelehrtendasein erhofft haben, hatte er sich getäuscht: An der Seite seines berserkerhaften Freundes wurde er tief in einen Prinzipienstreit hineingezogen. In einer ersten größeren Abhandlung, für ihn sein Hauptwerk, formulierte er Grundsätze, die er zwar immer wieder überarbeitete, aber niemals widerrief. Uneins mit seinem oft dogmatischen Freund, betonte er die Rolle des freien Willens und versuchte Brücken zu einer liberalen philosophischen Schule zu schlagen.

In seinem streitbaren und zu radikalen Lösungen neigenden Freundeskreis war er derjenige, der auf den Dialog setzte, denn »wir sind zum wechselseitigen Gespräch geboren«. Auf vielen Reisen versuchte er, zwischen gegensätzlichen Positionen zu vermitteln, selbst dann noch, als der oberste Landesherr die Lehre, der er mit Leib und Seele anhing, verbieten ließ. Die Zeit der Diplomatie war vorbei, das Wort in den immer schrilleren Auseinandersetzungen führten die Streithähne, dann klirrten die Waffen. Gegen seinen Willen war seine grundlegende Bekenntnisschrift nun zum Dokument der Spaltung geworden.

Als sein Weggefährte, mit dem er trotz aller Differenzen 26 Jahre lang eng verbunden war, plötzlich starb, stand er allein. Noch immer versuchte er, Kompromisse zu erwirken und Ausgleich zu schaffen, aber keine der verfeindeten Parteien dankte es ihm. Er galt als nachgiebig und machte sich je nachdem als Abweichler oder doppelzüngiger Verhandlungspartner verdächtig . Müde geworden, zog er sich zurück. Seine letzten Lebensjahre waren einsam. Kurz vor seinem Tod fragte ihn sein Schwiegersohn, ob er noch einen Wunsch habe. »Nur den Himmel«, antwortete er. Wer war's?

Lösung aus Nr. 8:
Dietmar Schönherr, geboren als Edler von Schönleiten am 26. Mai 1926 in Innsbruck, ist Schauspieler, Moderator, Regisseur, Übersetzer und Schriftsteller. Bekannt wurde er Mitte der sechziger Jahre als Commander McLane in der Science-Fiction-TV-Serie »Raumpatrouille«, danach moderierte er gemeinsam mit seiner Frau Vivi Bach die Familienshow »Wünsch dir was« und 1973 die erste Talkshow im deutschen Fernsehen, »Je später der Abend«. Seit 25 Jahren engagiert sich Dietmar Schönherr in Nicaragua, seine Kulturstiftung Casa de los Tres Mundos unterhält dort unter anderem eine Musik- und Kunstschule

 
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