Brettspiel Schach
Natürlich ist der 58-jährige russische Exweltmeister Anatolij Karpow nicht mehr »der Alte«. Kein Wunder, muss doch selbst sein Rivale von drei WM-Duellen, der nach wie vor unablässig Turniere spielende »Wundergreis« Wiktor Kortschnoj (78), inzwischen dem Alter Tribut zollen. Das Schachspiel verlernt haben beide nicht, aber immer häufiger verlieren sie durch Zeitüberschreitung, oft in guter oder ausgeglichener Stellung. Das Durchrechnen der Varianten wird langsamer und mühseliger, die geistige Spannkraft lässt nach etlichen Stunden harten Kampfes nach.
Paradoxerweise gilt dies nur eingeschränkt ausgerechnet für die schnellste Form des Schachspiels, die »Blitzpartien«, bei denen jeder nur fünf Minuten Zeit für die ganze Partie hat – dann heißt es entweder Matt oder Zeitüberschreitung. Je schneller, desto besser! Bei Blitzpartien fehlt fürs aufwendige Kalkulieren schlichtweg die Zeit, man spielt weitgehend nach dem Gefühl. Kortschnoj: »Intuition! Das ist das Einzige, was ich noch habe. Ich habe kein Wissen, kein Gedächtnis, aber ich habe meine Intuition.«
Bei der Blitz-WM Ende letzten Jahres in Moskau, bei dem die Weltelite an drei Tagen insgesamt 42 Partien gegeneinander spielte (der 18-jährige Norweger Magnus Carlsen gewann vor dem indischen Weltmeister Viswanathan Anand), lag ein (noch) frischer Karpow nach dem ersten Tag noch auf dem dritten Platz hinter den beiden.
Europameister Wladimir Tkatchiew hatte gerade einen Bauern in eine neue Dame verwandelt und erwartete wohl die Aufgabe seines berühmten Gegners, stattdessen setzte ihn Karpow als Schwarzer kurzerhand matt. Wie kam's?
Lösung aus Nr. 8:
- Datum 22.02.2010 - 17:10 Uhr
- Quelle ZEITmagazin, 25.02.2010 Nr. 09
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








