Stilkolumne Der Freund an meinem Bett

Tillmann Prüfer über Reisewecker

Für Leute, denen es nicht egal ist, wie es morgens in der Fremde tönt. Reisewecker Réveil Tambour von Louis Vuitton, 1600 Euro

Für Leute, denen es nicht egal ist, wie es morgens in der Fremde tönt. Reisewecker Réveil Tambour von Louis Vuitton, 1600 Euro

Vielleicht begann sein Abstieg schon früher, als wir alle dachten. Im Februar 1988 urteilte das Hamburger Finanzgericht, ein Reisewecker sei mitnichten steuerlich absetzbar. Selbst wenn er nur auf Dienstreisen verwendet würde, müsse man ihn den nicht abzugsfähigen Kosten der Lebensführung" zurechnen. Ein Reisewecker lasse sich schließlich auch privat nutzen. Transportable Wecker haben es schon immer etwas schwer gehabt. Sie zählten nie zu den liebsten Reisebegleitern. Schließlich erinnern sie den Reisenden auch noch in der Ferne an seine Pflicht. Wer einen Reisewecker mit sich führen musste, durfte nicht ausschlafen, er war nicht im Urlaub.

Ein Reisewecker war ein kleiner Disziplinator, ein tickender Spielverderber, den man im Koffer mit sich herumtragen musste. Er barg auch ein Potenzial peinlicher Situationen. Etwa wenn im Flugzeug das kleine Gerät im Handgepäck anfing zu piepsen und den Fluggast mit rotem Kopf dazu nötigte, das Gepäck vor aller Augen zu durchwühlen, um den Quälgeist zum Schweigen zu bringen. Vielleicht gab es deshalb schon immer nur wenige schöne Modelle. Sie folgten der Maxime der Zweckmäßigkeit, und der zweckmäßigste von allen war der schwarze quadratische Braun-Reisewecker AB1, den Dieter Rams designt hatte. 

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Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

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Noch immer müssen wir uns auf Reisen disziplinieren lassen – in aller Regel übernimmt diese Funktion inzwischen das Handy. Mit gruseligen Tönen tanzt und vibriert es morgens wütend auf dem Nachttisch im Hotel. Da sehnt man sich nach einem kleinen Freund aus der Heimat, der in die weltweit gleichen Hotelinterieurs etwas Heimisches streut. Einen, der nach der Reise durch die Nacht läutend empfängt – und kein Handy ist.

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Doch jetzt, wo man ihn so gerne wieder hätte, gibt es den guten alten Reisewecker kaum noch. Die Firma Braun hat vom ästhetischen Wecken Abstand genommen und bietet statt des kleinen schwarzen Weckers nur noch alufarbene Scheußlichkeiten an. Also kommt es heute Herstellern wie Louis Vuitton zu, für stilvolles Aufwachen zu sorgen. Zum Beispiel mit dem Modell Réveil Tambour, das mit einer viertönigen Melodie weckt.

Es ist heute eben ein Luxus, selbst zu bestimmen, auf welche Weise man erwacht. Leider noch immer nicht steuerlich absetzbar.

 
Leser-Kommentare
  1. Ist das Stil? 1600 Euro für einen Reisewecker? Können Sie sich so einen Wecker leisten, Tillmann Prüfer? Was soll dieses hinterherhecheln hinter dem Lebens"stil" der dekadenten Haute-Volée? Versuchen Sie doch mal abwechslungshalber, echten Stil abseits des Luxuskonsums zu entdecken. Vielleicht springt dabei dann der ein oder andere konstruktive Gedanke heraus.

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    Was solldas meinen? Ein Hahn in der Altbauwohnung halten, den man mit auf Reisennimmt?

    Immer wieder dieses Gemaule an Luxus. Man muss ihn doch nicht übernehmen, kann aber zur Kenntnis nehmen, dass es wunderschöne, mit viel Liebe angefertigte Dinge gibt, die aus dem Alltag häufig zu Gunsten des Massengeschmacks verschwunden sind.

    Ich finde es wundervoll!

    Was solldas meinen? Ein Hahn in der Altbauwohnung halten, den man mit auf Reisennimmt?

    Immer wieder dieses Gemaule an Luxus. Man muss ihn doch nicht übernehmen, kann aber zur Kenntnis nehmen, dass es wunderschöne, mit viel Liebe angefertigte Dinge gibt, die aus dem Alltag häufig zu Gunsten des Massengeschmacks verschwunden sind.

    Ich finde es wundervoll!

  2. Was solldas meinen? Ein Hahn in der Altbauwohnung halten, den man mit auf Reisennimmt?

    Immer wieder dieses Gemaule an Luxus. Man muss ihn doch nicht übernehmen, kann aber zur Kenntnis nehmen, dass es wunderschöne, mit viel Liebe angefertigte Dinge gibt, die aus dem Alltag häufig zu Gunsten des Massengeschmacks verschwunden sind.

    Ich finde es wundervoll!

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