Stimmt's? Freie Sicht

"Verhindert ein Carport das Vereisen der Windschutzscheibe?", fragt Harald Krauss aus Dortmund.

Ein Carportdach verhindert die Wärmeabstrahlung des Autos - so muss man im Winter weniger Eis kratzen.

Ein Carportdach verhindert die Wärmeabstrahlung des Autos - so muss man im Winter weniger Eis kratzen.

Der Carport, die Garage des kleinen Mannes, besteht praktisch nur aus einem Dach mit Pfosten. Trotzdem kann er im Winter die Eisbildung auf der Windschutzscheibe verhindern. Warum? Naiv denkt man: Das Dach fängt schließlich Feuchtigkeit auf, Wasser oder Eis kann nicht auf dem Auto landen. Aber auch nach niederschlagsfreien, klaren Winternächten ist ein Auto unterm Carport weniger vereist als ein Wagen, der im Freien gestanden hat, obwohl es unter dem Dach nicht wärmer ist als in der Umgebung. Wie funktioniert das?

Jeder Körper strahlt Wärme ab in Form infraroter Strahlung, auch bei Kälte. Steht das Auto unter freiem Himmel, dann geht diese Strahlung raus ins Weltall, ähnlich wie das Licht einer Taschenlampe, mit der man in den Himmel leuchtet. Da feste Körper mehr abstrahlen als gasförmige, wird das Auto kälter als die umgebende Luft. Deren Feuchtigkeit schlägt sich ab einer bestimmten Temperatur auf dem Wagen und seiner Scheibe nieder – ähnlich wie auf einem Glas, das mit einem kalten Getränk gefüllt ist.

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Ein Carport-Dach verhindert die freie Abstrahlung, so wie es ja auch das Licht einer Taschenlampe zurückwirft. Und das führt dazu, dass der Wagen nicht so stark abkühlt. Der Unterschied beträgt nur wenige Grad – aber die können entscheidend dafür sein, dass die Temperatur der Scheibe nicht unter den Taupunkt fällt und sich kein Wasser bildet, das dann gefriert und die unangenehme Eisschicht bildet.

Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de . Das »Stimmt’s?«-Archiv: www.zeit.de/stimmts

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Leser-Kommentare
  1. "Da feste Körper mehr abstrahlen als gasförmige, wird das Auto kälter als die umgebende Luft."

    Wie soll denn das gehen? Wenn zwei Medien unterschiedlicher Wärme sich berühren, gibt es in jedem Fall als Ergebnis eine Zwischentemperatur.

    Also: Hirn einschalten, Danke!

  2. 1. Möglicherweise ist ein ähnlicher Mechanismus auch dafür verantwortlich, dass das Erdreich unter einer geschlossenen Schneedecke wärmer ist als das Erdreich ohne Schneedecke.

    2. @Quatsch: Ich nehme an, dass das Auto zwar ständig Wärme aus der Luft aufnimmt, aber trotzdem mehr abstrahlt als die Luft, so dass sich ein Gleichgewicht ergibt. Die Temperatur des Autos im Gleichgewicht sollte niedriger trotzdem niedriger sein als die der umgebenden Luft.

    3. Dynamische Gleichgewichte oder Fließgleichgewichte spielen beim Klima eine wichtige Rolle. Leider werden sie von Klimaskeptikern meist nicht verstanden...

    4. Autos ohne Carport tragen zur Abkühlung der Erde bei. Die bewohnten Gegenden, in denen sie stehen, meist nicht.

  3. Mein Töfftöff steht immer im Freien, und im Winter sorgt eine schaltuhrgesteuerte norwegische Elektrostandheizung morgens für eisfreie Scheiben, gemütliche Innenraumatmosphäre und vorgeheiztes Kühlwasser für schadstoffarmen, motorschonenden Warmstart. Kostet mit Einbau deutlich weniger als ein Carport ;-))

  4. Bei einer Gartenparty am Abend sollte immer ein Zelt oder Pavillon bereitstehen, da es überdacht doch etwas wärmer bleibt. Ich vermute aber, das hat weniger mit verhindertem Strahlungsabfluß als mit Tau zu tun.

  5. Eine mindestens ebenso schöne Erläuterung - insbesondere zum unterschiedlichen Abstrahlungsverhalten verschiedenartiger Stoffe - gab es am 7. Februar 2010 unter "Thema des Tages" von den 'Profis' des DWD.
    Noch bis Anfang März unter www.dwd.de auf der rechten Seite bei "Thema des Tages" auf "mehr" gehen und dann im 30-Tage-Archiv nachschauen.
    Rettungsdecken aus Folie (im Verbandskasten) sind übrigens zu diesem Zweck mit Aluminium beschichtet, da hierdurch die Abstrahlung des Körpers im infraroten Bereich (also der Wärmeverlust) besonders gut unterbunden werden kann.

  6. a) Jeder Körper strahlt Energie ab, die er aus der eigenen Wärmeenergie entnimmt, er kühlt also ab. Gleichzeitig nimmt er aber auch Energie von der Umgebung durch die Wärmestrahlung auf.
    b) Die Wärmestrahlung kann nur dann abgegeben werden, wenn was strahlt. Ein durchsichtiges Gas oder ein durchsichtiges Glas hat hat nicht viel "Bandbreite", auf dem es strahlen kann ( deshalb bleibt der Tee im Glas länger warm als in der Tasse, obwohl die Keramik weiß ist, strahlt sie mit großer Bandbreite ). Aber es strahlt doch ab.
    c) Die übertragene Energie richtet sich nach der Temperaturdifferenz entsprechend dem Strahlungsgesetz:
    T(Auto)=(1 273)K = 274K, der Himmel bei ungefähr -50C T(Himmel)=(-50 273)K = 223K. Der Carport auf der Innenseite hat die gleiche ( Luft)-Temperatur und ungefahr die gleiche Strahlungsrate wie das Auto.
    In freien Fall gilt dann für die übertragene Energie Q~274^4 - 223^4, das ist schon was. Unterm Carport gilt dann E~274^4 - 274^4 = 0. Der Carport guckt also mit der gleichen Strahlung auf das Auto wie das Auto auf den Carport. Beim Blick in den Himmel kommt weniger zurück als man gibt. Ähem, hüstel, gilt das auch für den Glauben?

  7. KLeider hat die Textverarbeitung die Plus-Zeichen gefressen, aber ich wollte noch etwas hinzufügen: Der Carport guckt nur auf der Innenseite mit der gleichen Temperatur auf das Auto. Die Dachfläche guckt nach außen in den Himmel ( 274^4 - 223^4 ). Der Rest heißt "Isolierung" und "Wärmeübergang" ( vom Gas=Luft auf den Feststoff ).

  8. Hallo zusammen,

    also ein Carport kann da schon gute Dienste leisten. Am besten ist es, wenn man einen Anbau-Carport baut. Da strahlt das Haus dann zusätzlich Wärme ab und so sollte das weitestgehend eisfrei bleiben. Hier:

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