Ich habe einen Traum "Ich möchte meine Songs mit Chor und Orchester spielen"

Frank Schätzing ist Deutschlands erfolgreichster Thriller-Autor. In "Limit" erfüllte er sich einen musikalischen Traum: David Bowie singt mit 78 "Space Oddity" im All.

Es war in den frühen siebziger Jahren, ich war 15 Jahre alt, saß vor dem Radio, der junge Frank Elstner moderierte auf RTL – da hörte ich zum ersten Mal Suzi Quatro. Das Lied hieß 48 Crash, die Musik krachte, die Sängerin schrie sich die Seele aus dem Leib. Am nächsten Tag ging ich in einen Plattenladen und sah mir das Cover ihrer Platte an. Suzi Quatro trug darauf einen Leder-Overall, der Ausschnitt war sehr tief – in dem Moment habe ich mich in sie verknallt. Und ich wusste, ich komme nur an sie heran, wenn ich ihr auf Augenhöhe begegne. Ich musste also Popstar werden.

Frank Schätzing

52, ist Deutschlands erfolgreichster Thriller-Autor. Der Kölner arbeitete lange in der Werbebranche, bevor ihm 2004 mit »Der Schwarm« der Durchbruch gelang. Diese Woche startet seine bundesweite Lesereise mit dem aktuellen Bestseller »Limit«.

Ich kaufte mir eine Wandergitarre, nahm Unterricht und begann Musik zu machen. Mein Gitarrenlehrer sah aus wie ein gemäßigter Hells Angel, lange Haare, dichter Bart. Als ich ihm von meinem Traum erzählte, quittierte er das mit einem Augenbrauenzucken. Ich ließ mich aber nicht beirren, und so wurde aus meiner Schwärmerei für Suzi Quatro eine tiefe Musikleidenschaft. Ich spielte in unzähligen Bands, die selten den Weg aus den feuchten Probekellern fanden. Das Wasser tropfte dort von der Decke, Ratten liefen herum, die Türen ließen sich nicht richtig schließen, Instrumente wurden gestohlen, Anwohner klagten wegen Lärmbelästigung.

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Dieses Leben hörte erst auf, als ich mit 30 in die Werbung ging. Jetzt, mit Anfang 50, setzt sich der Wunsch durch, mich wieder auf die Musik zu konzentrieren. So schnell die Leidenschaft für Frau Quatro damals abklang, Musik ist meine erste Passion geblieben, noch vor dem Schreiben. Was mir andere Musiker bestätigen, wenn ich ihnen etwas vorspiele. Sie finden, ich sei eher ein schreibender Musiker als andersherum. Also nehme ich seit einigen Monaten wieder Gesangsunterricht, baue mir mein eigenes Tonstudio in den Keller, komponiere für meine Limit Live- Tour, arrangiere meine Songs, um sie mit professionellen Musikern aufzunehmen, vielleicht auch mal mit Orchester oder Chor.

Stilistisch kenne ich keine Türsteher. Ich mag Crossover, Indie, alles, was genreübergreifend ist, bin beeinflusst von David Bowie, Peter Gabriel, Björk, von jungen Bands aus England und Skandinavien und von Avantgardisten wie Philip Glass und Steve Reich. Traditioneller Rock oder Blues langweilen mich eher. Deutsche Bands klingen oft so, als hätten sie gerade entdeckt, dass Bob Dylan ein zweites Album herausgebracht hat. Mit der Musik von Westernhagen oder Klaus Lage konnte ich nie etwas anfangen – das klang mir zu sehr nach Rock unter Sozialarbeitern. Junge Bands wie Silbermond machen sicher einen guten Job, aber mit 52 hat man das tausendmal gehört, die immer gleichen Harmonien, Riffs und Rhythmen. Mich interessiert Musik, die man nicht gleich beim ersten Hören mitsingen kann. Zu den herausragenden deutschen Musikern gehören für mich Jan Delay und Peter Fox: Sein Stadtaffe ist für mich das beste deutsche Album der nuller Jahre, traditionelle Basis, extrem spannend und modern aufgearbeitet. Und von David Bowie bin ich nach wie vor kolossal beeindruckt. Ich bewundere, wie sehr er sich immer wieder verändert hat. Mir war schon lange klar: Der Mann, der Major Tom gesungen hat, muss in einem Buch über das Weltall auftauchen. Diesen Traum habe ich mir in Limit erfüllt.

Aufgezeichnet von Ulf Lippitz

 
Leser-Kommentare
    • dapeda
    • 28.02.2010 um 13:26 Uhr

    Auf meinem mp3-player ist gerade die Vollversion des Hörbuchs. 27,5 Stunden. So lang haben nichtmal Iron Butterfly durchgehalten.

  1. kallewestrich: Der zweite Künstler, der mir persönlich stark auffällt und nach Musikerjahren zu vollem Erfolg kam. Eine ganz bewundernswerte Spezies. Der SCHWARM ist schon spannend und detailreich ...

    • Noyce
    • 28.02.2010 um 15:01 Uhr

    Das sind Sie für mich, Herr Schätzing. Ich habe fast alle Bücher von Ihnen gelesen und liebe vor allem Ihren göttlichen Humor. 'Lmit' habe ich gleich nach Erscheinen verschlungen und auch das Hörbuch höre ich gerne im Auto und sogar zum Einschlafen. Nur kann man nicht gut einschlafen, wenn die Geschichte so spannend ist.
    Die musikalische Untermalung der Hörspielfassung des 'Schwarms' ist eine Ohrenweide.

    Ich wünsche mir noch viel von Ihnen, Herr Schätzing, viel Romane, Musik und multimediale Gesamtkonzepte (als mehr oder weniger neue Kunstgattung).
    Meine Hochachtung, Herr Schätzing!

    • Petka
    • 01.03.2010 um 5:32 Uhr

    ... der Schwarm war mir etwas zu hoch gelobt.

    Wenn man "Tuf Voyaging" (1986, George RR Martin) und "Blood Music" (1985, Greg Bear) gelesen hat, war der Schwarm nach der Hälfte des Buches leider recht vorhersehbar und wenig kreativ.
    Überraschend war dann aber das hollywoodreife und zügige Ende ...

    • Pracht
    • 02.03.2010 um 12:08 Uhr

    Er bringt es tatsächlich fertig auch hier als Werber zu funktionieren. Schamlos, einfallslos. Meine ZEIT ist mir zu schade für dieses Produkt.

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