11-Freunde-Jubiläum Für die anderen FansSeite 2/2

Tatsächlich erzählt 11 Freunde von Freunden und Freundschaften im Oberhausener Team, verliert aber nicht aus dem Auge, dass es sich hier um Berufssportler handelt, die bei aller Freundschaft immer auch Konkurrenten sind und morgen schon weiterziehen (müssen). Nächster Klub, nächstes Land, nächster Kontinent. Die besten Artikel verbinden die ewig naive (Jungs-)Freude am Spiel mit dem analytischen Blick auf die so gar nicht spielerischen Rahmenbedingungen.

Wenn Philipp Köster zum Fußballtalk Sky 90 ins Fernsehen eingeladen wird, um mit Stefan Effenberg und Oliver Bierhoff DFB-Querelen zu diskutieren, dann wird er vom Moderator als »Fußballromantiker« vorgestellt. Ein vergiftetes Lob. Komm du erst mal in der Realität des Geschäfts an, Kleiner. Dabei sind das keine Nostalgiker, sie spielen nur mit der Nostalgie. Ihre Sehnsucht nach einer Zeit, von der sie wissen, dass sie gar nicht existiert hat, der Zeit, als elf Freunde spielten, um zu gewinnen, diese utopische Nostalgie lassen 11 Freunde auf die Gewissheit prallen, dass es so einen Quatsch wie unschuldigen Fußball nicht gibt. Dass man den verdammten Fußball aber trotzdem liebt. Aus dieser Spannung entsteht das Magazin für den kulturellen Bastard: den reflektierten Fan. Eigentlich ein Unding.

Tatsächlich kommen die 11 Freunde aus der Fankurve. In den Neunzigern verkaufen Köster und Coddou vor dem Bielefelder Stadion ihr selbst gemachtes Fanzine. Das Stadion heißt Alm, das Fanzine: Um halb vier war die Welt noch in Ordnung . Vorbilder sind Millerntor Roar und Übersteiger, Poesiealben von Fans des FC St. Pauli. Das Leitmotiv stiftet Nick Hornby. »Fußball hat nicht die Literatur, die er verdient«, hat der englische Schriftsteller und Arsenal-Fan festgestellt. Dann hat er den Roman geschrieben, den der Fußball verdient: Fever Pitch .

Fünfzehn Jahre später spielt Philipp Kösters Lieblingsverein Arminia Bielefeld in der Schüco-Arena, und Um halb vier war die Welt noch in Ordnung heißt 11 Freunde . Auflage 60.000, Tendenz steigend.

Nur mit Romantik geht das nicht. Der Zauber maroder Pissoirs, verbrannter Bratwürste und die Trauer um die schönen alten Stadionnamen haben sich überlebt. Aus dem Protest gegen die Commerzbank-Arenen dieser Welt lasse sich kein Monatsheft machen, meint Philipp Köster. »Mir hat neulich ein junges Mädchen gesagt: ›Auch wenn das HSV-Stadion jetzt HSH Nordbank Arena heißt, für mich bleibt es immer die AOL Arena.‹« Zu jung, um dem Volksparkstadion nachzuweinen.

Das Fußballland gratuliert.

 
Leser-Kommentare
    • ddk
    • 26.02.2010 um 14:47 Uhr

    ...gibt es keine bessere Klolektüre. Ein größeres Lob gibt es nicht! Weiter so 11 Freunde!!!

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