Kolumne Wörterbericht
Passt scho
Hieße es »Passt schon«, würde vermutlich gar nichts passen. Dem Adverb musste erst ein Konsonant entzogen werden, damit die Phrase ihre Wirkung entfaltet. Für den besten Effekt sollte man sie in Ottfried-Fischer-Manier aussprechen: phonetisch nahe am Dumpfen. Wirft einem jemand ein »Passt scho« vor die Füße, so heißt das eigentlich: Mach, was du willst, und lass mich in Ruhe! Früher gab es dafür den passableren Ausdruck, etwas sei Jacke wie Hose. »Passt scho« ist aber auch die vollendet geheuchelte Zustimmung, gepaart mit Gleichgültigkeit und unberechenbarer später Rache. Nicht selten zieht der Empfänger dieser Floskel kratzfüßig und mit dem Gefühl einer plötzlichen Begnadigung von dannen. Wer diese zeitgemäße Floskel ernst nimmt, liebäugelt mit dem Verstand eines Hühnervogels. Er darf sich nicht wundern, wenn er, anstatt durch das Salatbeet zu schreiten, im ewigen Dreck der Erkenntnis scharren muss.
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- Datum 11.03.2010 - 07:43 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 25.02.2010 Nr. 09
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