Abwege Schottland

Als ich bei Maria Stuart im Bett landete.

Ein Haus über dem Loch Scavaig auf der schottischen Isle of Skye

Ein Haus über dem Loch Scavaig auf der schottischen Isle of Skye

Der Schotte kämpft, für Land und Weib. Die schottische Erde ist getränkt von Heldenblut – fast auch von meinem. Vor einem Dutzend Jahren gelangte ich mit meiner Frau nach Portree auf der Hebriden-Insel Skye. Wir bezogen ein Bed and Breakfast. Am Abend ging ich trinken. Ich schluckte nicht mit den regulars am Tresen. Begleitet von meinem Guinness-Pint, nachtwandelte ich am Pier des Fischerhafens und bedachte die Dinge des Lebens. Ein Spalt Licht lugte übers schwarze Dach der Berge, ein zarter Bogen Silbergold, der bald wie ein Diadem die Gipfel überkrönte.

Ich holte ein neues Pint. Yes, boy, sprach der väterliche Wirt, one follows the other. Glas für Glas enträtselte ich das Geheimnis der menschlichen Seele. Der Mond stieg, er fiel ins Hafenbecken und wiegte sich inmitten der Boote. Boy, fragte der Wirt, geht es dir gut da draußen? – Der Mond, sagte ich, er macht glücklich. – No, boy, sagte der Wirt, the moon is a lady of sorrows.

Anzeige

Dann schlingerte ich heim. Ich brauchte keinen Schlüssel; man sperrte hier nicht zu. Unser Zimmer lag im ersten Stock. Im Bad wurde geduscht. Seltsam, dachte ich, Mei-Huey duscht um diese Zeit? Ich ging ins dunkle Zimmer, zog mich aus und legte mich ins Bett. Schlaftrunken maunzend, kroch etwas Warmes an mich heran. Es schien mir in meinem fortgeschrittenen Zustand keineswegs unmöglich, dass meine Frau gleichzeitig unter der Dusche und in unserem Bett weilen könnte. Allerdings war sie in den Stunden unserer Trennung recht korpulent geworden. Dies ernüchterte mich. Ich knipste die Nachttischlampe an. Neben mir lag ein gewaltiges Schottenweib. Nein, sie saß. Und schrie. Ich stürzte aus dem Bett, raste in meine Jeans, griff die Schuhe und meinen Fotoapparat und tobte die Treppe hinunter, hinaus in die Nacht.

Reise meines Lebens
Weitere Artikel zur Serie "Reise meines Lebens". Bitte klicken Sie auf das Bild.

Weitere Artikel zur Serie "Reise meines Lebens". Bitte klicken Sie auf das Bild.

Mein Weg war kurz. Ich musste nur ein Haus weiter. Meine Frau duschte nicht, sondern schlief. Ich rüttelte sie: Wach auf, ich muss dir was erzählen. – Ich schlafe, murmelte sie, lass mich schlafen. – Aber ich war im Bett von Maria Stuart! – Warum?, fragte sie schläfrig. Warum machst du das immer wieder?

 
Leser-Kommentare
  1. Gefällt mir der Artikel. Als ich in Portree war, bin ich den Einheimischen nicht so nah gekommen :-D

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service