ZEITmagazin Autotest Ein Kleiner mit traurigen Augen
Der ZEIT-Autor Justus Bender fährt den Hyundai i20 1.2 Comfort
© Joel Saget/AFP/Getty Images

Der Hyundai i20 bei seiner Präsentation auf der Paris Motor Show im Oktober 2008
Das Deutsche ist reich an Verben der automobilen Fortbewegung. Manche Autos fahren, andere düsen, wieder andere hacken, pesen oder brettern, und dann gibt es Autos, die gurken so rum. Der Hyundai i20 ist, so gesehen, eine Gurke. Allein schon wie sein Blinker klingt, wie Stäbchen aus dem Chinaimbiss, die hysterisch aneinanderschlagen: Klack! Klack! Klack! Und wie diese überdimensionierten Bremsen das Auto bei der kleinsten Berührung des Pedals in die Knie zwingen. Und dann dieser dünnbrüstige Sound, wenn man das Gaspedal zu Boden tritt – als würde der Marlboro-Mann mit seinem Kehlkopf-Sprechgerät um Hilfe rufen.
Aber okay. Ich will mal fair sein. Das Gurkenhafte an ihm ist nichts, wofür der Hyundai etwas könnte. Autos dieses Typs sollen a) billig sein und b) ihre Besitzer zuverlässig von einem Ort zum anderen fahren. Dieses sprang selbst bei Minusgraden problemlos an und beförderte mich unfallfrei 900 Kilometer weit über die mit Gletschermoränen überzogenen Autobahnen A7 und A5, und das alles mit nur dreimal tanken. Gäbe es solche Autos nicht, hätten arme Nachwuchsjournalisten nichts, worauf sie im Sommer ihre Surfbretter schnallen können, um an die Atlantikküste zu fahren. Dieses Auto ist so etwas wie der R4 unserer Zeit, und es gibt wahrscheinlich nichts, was einen Wagen sympathischer macht als große Scheinwerferaugen, die einen treu anschauen wie ein Hund, der getreten und beschimpft wurde und trotzdem jeden Morgen wieder vor der Tür steht. Die Filmgeschichte kennt viele Fahrzeuge, die es mit dieser Mitleidsmasche zu Weltruhm brachten: Herbie, der lustige VW Käfer, und Luigi, der Fiat Nuova 500 aus Cars. K.I.T.T. hingegen, das schnöselige Superauto von David Hasselhoff in Knight Rider, haben die Zuschauer immer nur respektiert, aber nie geliebt.
Dieser Hyundai ist sympathisch. Es gibt im Leben eines jungen Mannes aber Situationen, in denen das nicht viel bringt. Als ich die Kollegin M. abhole, streicht sie mit der Hand über das Armaturenbrett und sagt, noch bevor sie sich in den Sitz fallen lässt: »Ist das Plastik?« Ich drehe schweigend den Zündschlüssel. »Na ja, Hauptsache, Auto, oder?«, sagt sie. »Dafür sind diese Japaner auch sehr günstig.« Ich erläutere M., dass es sich bei Hyundai um eine koreanische Marke handelt, und beginne eine Verteidigungsrede. Und während ich doziere, wird mir klar: Der Hyundai ist nicht nur ein billiges, zuverlässiges Transportmittel – er ist mein Freund geworden.
Justus Bender ist ZEIT-Autor
- Datum 03.03.2010 - 11:58 Uhr
- Serie Autotest
- Quelle ZEITmagazin, 04.03.2010 Nr. 10
- Kommentare 7
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Warum erinnern mich alle diese neuen kleinen Autos an den Corsa oder auch den Fiesta?
900 km und nur 3 mal tanken?
Stimmt das? Ist das ein Spritschlucker? Oder isses ein Minitank?
... hat einen Normverbrauch (gemischt) von 5,2 l/100 km. Lassen wir's realistische 6 l/100 km sein, so komme ich mit einem (45-Liter-) Tank doch immer noch deutlich über 700 km weit. dreimal tanken auf 900 km zeugt von eher unreifer, der Größe und dem Zweck des Autos völlig unangepasster Bleifuß-Fahrweise. Auf Landstraßen müßte das Höppelmötzchen durchaus auch unter 6 l/100 km zu bringen sein, wenn man vorausschauend fährt.
Ich habe nach dem ersten Absatz bereits aufgehört den Artikel zu lesen. Das ist so ziemlich das schlechteste was jemals im Autoressort zu lesen war. Bekommen Sie von anderen Herstellern dafür Geld oder eine schöne Einladung zu einem Event?
Es ist wirklich das Letzte in den ersten 3 Sätzen all seinen subjektiven Hass auf das Auto los zulassen. Vor allem wirken Ihre Argumente einfach nur hilflos aus der Luft gegriffen.
Kaufen Sie ein Auto nur weil es einen schönen Blinksound hat? Muss ein Kompaktwagen sich anhören wie ein Porsche? Und was bitte ist an fest zupackenden Bremsen schlecht?
... entlarvend, bestätigt er doch indirekt den "digitalen" Fahrstil des Autors (es gibt nur 0 und 1, also Vollbremsung und Vollgas). Kein Wunder, daß der mehr an der Tanke steht als er fährt.
... entlarvend, bestätigt er doch indirekt den "digitalen" Fahrstil des Autors (es gibt nur 0 und 1, also Vollbremsung und Vollgas). Kein Wunder, daß der mehr an der Tanke steht als er fährt.
... entlarvend, bestätigt er doch indirekt den "digitalen" Fahrstil des Autors (es gibt nur 0 und 1, also Vollbremsung und Vollgas). Kein Wunder, daß der mehr an der Tanke steht als er fährt.
lesen sie einfach nochmal zu Ende.
Man muss den Artikel nicht mögen, aber ihre Vorwürfe sind haltlos. Für diese Feststellung würde sogar der letzte Satz reichen.
@barbican: manchen so hier im Kommentatoren-Bereich würde ich die Auto-Bild ans Herz legen-oder direkt die BILD oder EXPRESS-kann auch nicht nachvollziehen, wie die sich in das ZEIT-MAGAZIN verirren können, gell "2eco"?
Es ist doch mittlerweile allseits bekannt, dass der Auto-Test hier im MAGAZIN eine persönlich, satirisch, humorvolle kleine Erlebnisstory ist-und auch hoffentlich so bleibt.
Trotz alledem finden sich Woche für Woche Leser ein, die nichts anderes als "erbärmlich, schlecht, unobjektiv, nichtsaussagend usw." über diesen Bericht schreiben.
Das allerdings finde ich auch irgendwie wieder amüsant.
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