Lehrerstudium im Netz Christen in Mekka
Wie die virtuelle Welt »Second Life« das Studium zum Religionslehrer verändert
© photocase/scavenger

Lehrer-Ausbildung in Second Life - Gewinn für den Schulunterricht?
DIE ZEIT: Sie bieten ein Uni-Seminar in »Second Life« an, einer virtuellen Computerwelt, in der sich die Spieler mit sogenannten Avataren bewegen, grafischen Stellvertretern. Wie sieht Ihr Avatar aus?
Thomas Meurer: Schwarzer Pulli, Jeans, Glatze. Extras kosten Geld, ich habe mich für die Standardversion entschieden, wie die meisten Studierenden.
ZEIT: Ihre Studenten sind angehende Religionslehrer. Wie sind Sie denn auf die Idee gekommen, mit denen Second Life unsicher zu machen?
Meurer: Das Seminar ist ein Gemeinschaftsprojekt. Mein Frankfurter Kollege Bernd Trocholepczy forscht zu Kirche im Web 2.0, ich bin Religionspädagoge. Beim Wein haben wir beschlossen, unsere Studenten zusammenzubringen. Und unsere Forschung. Bernd interessiert: Wie präsentiert sich Kirche in Second Life? Ich will wissen: Kann eine virtuelle Welt ein Unterrichtsraum der Zukunft sein?
ZEIT: Und, kann sie?
Meurer: Ja. Vor allem aber können sie in andere Welten eintauchen: Wir waren mit unseren Studenten in der Grabeskirche in Jerusalem und in der Basilika des Franz von Assisi. Die Fresken, die Krypta, das entspricht wirklich dem Original.
ZEIT: Aber es ist nicht die Wirklichkeit.
Meurer: Und kann sie nicht ersetzen. Aber wir zeigen im Unterricht doch auch Filme. Second Life ist eine gute Ergänzung. In Mekka zum Beispiel…
ZEIT: Sie waren in Mekka?
Meurer: Wir haben dort eine Moschee besucht. Und natürlich unsere Schuhe ausgezogen, wie sich das gehört. Eine Muslimin hat uns freundlich begrüßt. Als wir sagten, dass einige von uns aus Karlsruhe kommen, hat sie ins Deutsche gewechselt: Ihre Mutter stammt aus einem Nachbarort. Das passiert Ihnen in einem normalen Klassenzimmer nicht.
Die Fragen stellte Madlen Ottenschläger
- Datum 05.03.2010 - 09:24 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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