Studieren auf Kredit Vorsicht, Schuldenfalle!
Kein Geld fürs Studium? Kredite sollen helfen. Aber nicht jedes Darlehensmodell ist seriös

Wer einen Studienkredit in Anspruch nehmen will, der sollte die Angebote sorgfältig prüfen
In den ersten Semestern bekamen Aneta J. und ihre Kommilitonen häufiger Besuch von Mitarbeitern aus der Pharmaindustrie. Die erzählten von ihren Einstiegsgehältern, ihren Firmenwagen, von ihrem Arbeitsalltag in einer Branche, die keine finanziellen Nöte und keine Wirtschaftskrise zu kennen schien. »Als Pharmazeutin muss ich mir später um Geld keine Sorgen machen«, sagte sich J. damals. Heute macht sie es sich doch: Sie muss ihren Bildungskredit bei der staatlichen KfW-Bank zurückzahlen. Dass ihr die 120 Euro Rückzahlung im Monat eines Tages Probleme bereiten würden, hätte sie sich am Anfang ihres Studiums nicht vorstellen können. »Da dachte ich, das mach ich nebenbei.« Zurzeit promoviert Aneta J., und ihr Gehalt von der Halbtagsstelle an der Uni reicht zum Leben und für die Bafög-Rate. Für die Rückzahlung des Studienkredits bleibt ihr nichts mehr übrig.
Studiengebühren und das straffe Bachelor-Master-Studium, in dem wenig Zeit für einen Nebenjob bleibt, lassen manchen Studenten mit Studienkrediten liebäugeln. Insgesamt 60.000 Studenten haben im Jahr 2008 einen Studienkredit, Studienfonds oder Darlehensvertrag abgeschlossen. Das größte Vertrauen bringen die Studenten der KfW-Bank entgegen. Sie verzeichnet mit 15.000 Verträgen die stärkste Nachfrage. Häufig entlastet das Darlehen die Studenten nur mit ein paar Hundert Euro in der Prüfungsphase, bei manchen finanziert es aber auch das komplette Studium. Und gelegentlich geht es vielleicht auch nur darum, den studentischen Lebensstandard aufzuwerten. Der Preis sind Schulden.
Wie viele Studenten nach Ende ihres Studiums tatsächlich Probleme mit der Rückzahlung haben, ist unbekannt. Da es den KfW-Kredit erst seit 2006 gibt und seine maximale Laufzeit sich auf 14 Semester beläuft, liegen noch keine aussagekräftigen Zahlen vor. Auch die Deutsche Bank möchte keine Statistiken veröffentlichen, gibt aber an, dass sie im vergangenen Jahr keine Verschlechterung beim Rückzahlungsverhalten der Studenten habe feststellen können. Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes, Achim Meyer auf der Heyde, warnt trotzdem davor, einen Kredit zu voreilig aufzunehmen: »Das sollte man nur machen, wenn alle anderen Finanzierungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind.« Aneta J. glaubte vor ihrer Kreditentscheidung, sie habe das bereits getan. Trotzdem sagt sie heute: »Ich hätte mir gewünscht, dass man mir damals stärker ins Gewissen geredet hätte, um mir deutlich vor Augen zu führen, was diese Belastung später bedeutet.« Zurzeit hofft sie, dass ihr Antrag auf Aussetzung der Rückzahlung bewilligt wird.
Auch Nicole Böttner von der Schuldnerberatung in Potsdam kennt eine Reihe ähnlicher Fälle: Studenten, die keinen Bilderbuchlebenslauf vorzuweisen haben, die nicht direkt im Anschluss an ihr Studium einen Job finden, von dem der Kredit ganz locker bezahlt werden kann. »Problematisch wird es erst, wenn nicht alles glatt läuft«, sagt sie. Doch selbst wenn alles nach Plan läuft, genau berechnen kann man die Höhe der Schulden oft nicht, da viele Zinssätze an den Marktzins gekoppelt sind – und der schwankt. Fest steht: Das, was man als Darlehen von der Bank bekommt, ist deutlich weniger als das, was man letztendlich zurückzahlen muss. Eine Binsenweisheit, und dennoch: »Viele Studenten vergessen das, wenn sie so einen Vertrag abschließen.«
Es gibt Kreditmodelle, die die unkalkulierbare Größe Zinssatz von vornherein ausschließen. Beim Bildungsfonds des CareerConcepts ist das zum Beispiel so: Hier zahlt man nach Abschluss des Studiums einen festgelegten Prozentsatz des Einkommens zurück. »Die Studenten haben keinen festen Schuldenberg und zahlen nur so viel zurück, wie sie können«, wirbt Rolf Zipf, Vorstandsvorsitzender des CareerConcepts. Finanziert wird der Fonds von Investoren, Privatleuten, aber auch von Unternehmen. Damit die Anleger auf ihre Rendite kommen, im Jahr 2009 immerhin acht Prozent, wählt der Fonds seine Studenten sehr sorgfältig mit Aufnahmetests und Vorstellungsgesprächen aus: »Wir suchen junge Menschen, die ihr Talent auch in Beschäftigung umwandeln können«, so drückt Zipf es aus.
Eine, die diesen Kriterien entsprach, war Franziska Graupner. Als sie mit ihrem Diplom-Studiengang Physik an der TU München anfing, bekam sie kein Bafög, ihre Eltern verdienten zu viel. Bei der Immatrikulation fiel ihr der Flyer des CareerConcepts in die Hand. »Studieren ohne Studienkredit. Ohne Risiko« stand dort. Auch dass der Fonds nicht jeden fördert und ihm das »akademische Bildungswesen am Herzen liege«, klang in ihren Ohren sympathisch. 300 Euro erhielt sie jeden Monat, rund 13 Prozent ihres Bruttogehaltes würde sie später knapp fünf Jahre lang zurückzahlen, so lautete die Vereinbarung. Als sich Graupner entschied, an eine Universität in Schottland zu wechseln, um dort in ihrem Spezialgebiet einen Master abzuschließen, glaubte sie, auch im Sinne des Fonds zu handeln: »Schließlich möchte ich genau in diesem Gebiet auch promovieren.«
Doch der Fonds kündigte ihr den Vertrag, wertete den Wechsel in das Masterprogramm nach Schottland als »Studienabbruch«. Grundlage des Vertrages sei der Diplom-Studiengang Physik an der TU München gewesen. Plötzlich musste die Absolventin auf einen Schlag gut 18.000 Euro zurückzahlen, der komplette Förderungsbetrag plus 8,9 Prozent Zinsen. »Das war der totale Schock. Ich dachte immer, es geht ihnen um meine Bildung.«
Vorstandsvorsitzender Rolf Zipf kann zwar nicht im konkreten Fall nachvollziehen, ob der Hochschulwechsel der Hauptgrund für die Kündigung war, aber er bestätigt: »Wenn ein Student von einer sehr guten an eine schlechte Universität wechselt, kann dies auch zu einer Kündigung führen.« Achim Meyer auf der Heyde vom Studentenwerk kritisiert, es fehle vielen Anbietern an Transparenz. Gerade bei einem Fonds, der auf Investoren angewiesen sei, gehe es vor allem um Profit. Der Kreditgeber wolle schließlich etwas verkaufen. »Natürlich wollen wir das Risiko unserer Anleger möglichst minimieren«, sagt Zipf. Mangelnde Transparenz? Diesen Vorwurf weist er von sich. Alle Konditionen seien schließlich im Vertrag festgehalten. »Der Student weiß, worauf er sich eingelassen hat.«
- Datum 06.03.2010 - 14:50 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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Schön das DIE ZEIT auf die Probleme eines Studiensystems hinweist, das zwar schön eifrig Gebühren eingeführt hat, aber bei weitem noch nicht die Möglichkeiten bietet diese über ausreichend verfügbare Stipendien wieder auszugleichen. Vielen Leuten die eben gerade an der Fördergrenze des BaföGs liegen haben dann zumeist keine Wahl als sich an eine der oben genannten Institutionen zu wenden.(Ja klar jeder kann auch mal jobben, aber das das dann mit dem Studium schneller klappt glaubt doch auch keiner mehr.)
Leider kann ich auch aus eigener Erfahrung berichten, das insbesondere die Privatbanken (namentlich die Deutsche Bank) gerne die Studenten hinters Licht führen. In meinem Fall äußerte sich dies bei der fällig werdenden Rückzahlung des Studienkredites nach dem erfolgreichen Abschluss. Die Bank war entgegen der beim Abschluss getroffenen Vereinbarung der Meinung das ihr das GESAMTE Darlehensguthaben AUF EINMAL zustehen würde. Man stelle sich das mal vor, man soll einen bereits auf Raten erhaltenen Kredit als Berufseinsteiger mit einem Mal zurückzahlen. Trotz vehementem Protest wurde immer wieder auf einen Pasus der AGBs verwiesen.
Daher rate ich allen Studenten die vor dieser Entscheidung stehen sich die Zeit zu nehmen GENAU zu studieren was sie da unterschreiben, denn mehrfache mündliche Zusagen zu den Rückzahlungsmodalitäten sind nichts mehr Wert, wenn die Bank Ihr Geschäft durchziehen möchte...
Es stimmt, dem Studenten ohne reiche Eltern bleibt häufig nichts anderes übrig, als sich in einen solchen Knebelvertrag zu begeben, und zwar sehenden Auges...
Wenn man bedenkt, mit dem gesetzlichen Bafög liegt man unterhalb des ALG2 Satzes, denn von dem Bafög gehen jeden Monat noch Geld für Lehrmaterial, Krankenkasse (immerhin 66,-€, das bezahlt die Arge für den Arbeitslosen)und Studiengebühren ab. Selbst wenn man sich ca. 200,-€ dazu verdient im Monat, ist das nicht zu stemmen, denn das alltägliche Leben kostet auch einiges.
Es ist schlimm, wie die Studenten in die Schuldenfalle gelockt werden, aber was sollen sie machen. Das Geld fällt nicht vom Himmel.....
"Wenn man bedenkt, mit dem gesetzlichen Bafög liegt man unterhalb des ALG2 Satzes, denn von dem Bafög gehen jeden Monat noch Geld für Lehrmaterial, Krankenkasse (immerhin 66,-€, das bezahlt die Arge für den Arbeitslosen)und Studiengebühren ab."
Da ist was dran.
Da drängt sich einem doch der Verdacht auf,dass Studieren mancherorts in der BRD evtl.den Privilegierten vorbehalten sein soll...nach dem Motto: Der Pöbel soll doch bitteschön eine Ausbildung machen. (sonst würde man doch das Stipendiensystem ausbauen...wobei auch Stipendien relativ häufig an Akademikernachwuchs gehen).
Hm, klingt ja alles nicht besonders rosig. Kann denn jemand eine Bank, oder ein bestimmtes Darlehen empfehlen?
Was direkt empfehlen kann ich nicht, aber im Saarland ist es so, dass das Land die Zinsen für das Darlehen voll übernimmt.
Was direkt empfehlen kann ich nicht, aber im Saarland ist es so, dass das Land die Zinsen für das Darlehen voll übernimmt.
Was direkt empfehlen kann ich nicht, aber im Saarland ist es so, dass das Land die Zinsen für das Darlehen voll übernimmt.
Das Stipendiensystem ist meiner Ansicht nach auch net das Gelbe vom Ei....
Aus eigener Erfahrung kann ich berichten,dass die Stipendien sehr hohe Anforderungen stellen, die Auswahlverfahren sind hart, man muss neben sehr guten Leistungen auch noch gesellschaftliches Engagement zeigen, was sich gegenseitig meiner Ansicht nach ausschließt....Entweder man investiert Zeit ins Studium, um sehr gute Leistungen zu erreichen, oder man verbringt viel Zeit mit ehrenamtlichen Engagement, wobei dann aber die Zeit zum Lernen fehlt. Man darf nicht vergessen, so ein Stipendium ist höher als das Bafög, aber soviel nun auch wieder nicht, so dass manche nebenbei arbeiten müssen.Das zusammen habe ich nicht geschafft, ich finde, dazu muss man schon außergewöhnlich belastbar sein.
Warum ist es denn nicht möglich, ein Bafög in ordentlicher Höhe zu zahlen, von dem alle Kosten gedeckt werden können, und man nicht leben muss wie ein Arbeitsloser? Dann bräuchten wir auch das ganze Stipendiensystem und die Studienkreditabzocke nicht, sondern ein besseres, bedingungsloses Bafög (ausgenommen natürlich das Einkommen der Eltern) wäre ein Schritt zu mehr sozialer Gerechtigkeit.....
Die Studiendarlehen müssen sofort nach Beendigung des Studiums zurückgezahlt werden, dabei spielt es keine Rolle, ob die Schuldner bereits einen Job gefunden haben oder nicht!
Wer also nach dem Studium erst mal wenig verdient oder arbeitslos ist, dem bleibt häufig nichts anderes übrig, als Privatinsolvenz anzumelden - eine persönliche Katastrophe. Diese Art von Krediten sind deshalb riskant und sollten äusserst sorgfältig überlegt werden.
...sollte man aber nicht verschweigen,dass es auch "kleine" Stipendien auf lokaler/regionaler Ebene gibt. Nicht alle Stiftungen stellen die gleichen Anforderungen;regionale Stipendien sind jedoch manchmal mit weniger Geld verbunden.
Die Frage ist natürlich auch,welche Ansprüche der Einzelne hat.
Geht es um die Deckung der Lebenshaltungskosten oder um "Luxus" (Iphone etc.)?
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