Schöne, neue Arbeitswelt
Manche im Unternehmen halten die Ideen für Hokuspokus
Dass über so etwas viele lächeln, weiß auch Neuwirths Chef, Ulrich Frenzel. Einigen waren seine Ideen zu radikal, als er das Innovation Center aufzubauen begann. Die Papierberge auf dem Schreibtisch wollte er abschaffen, »damit man sich nur noch auf das konzentriert, was man gerade tut«. Mannshohe Türme hätten einige Kollegen aufgebaut, erzählt er. »Wir haben sie gebeten, alles zu markieren, was sie in den letzten vier Wochen noch nicht benutzt hatten.« All das, so das Argument, brauche man wohl nicht wirklich dringend, und es lenke nur ab. Dann führte er für jeden seiner Mitarbeiter einen Caddy ein, in den die wenigen wichtigen Papiere passen – denn das meiste liegt sowieso auf der Festplatte des Laptops. Den Container fährt Frenzel so wie jeder andere Mitarbeiter morgens an den gewünschten Arbeitsplatz. Ein rollendes Arbeitszimmer, sozusagen. Und dann gibt es da eben noch das, was Frenzel »systemische Anregung« nennt: wechselnde Fotografien oder Malereien an den Wänden. Leuchtröhren, die im Kreativraum mal blau, mal rosa strahlen, je nachdem, ob angeregt oder beruhigt werden soll. Hintergrundmusik je nach Bedarf. Die Bilder dienen laut Frenzel dem Perspektivwechsel, das rege die Fantasie an. Farbiges Licht und Musik stimulierten den Organismus. Für manche in der Firma ist das zu viel Hokuspokus. Auch der Vorstand sieht das teilweise kritisch. »Für den zählt nur harte Arbeit«, aber letztlich stehe unterm Strich das Ergebnis, sagt Frenzel.
Seine Mitarbeiter seien nach eigenen Angaben seit dem Einzug in das Innovation Center kreativer – und auch zufriedener. Dabei arbeitet im Innovation Center jeder, wie er will, jedoch nicht bedingungslos wann er will. Das aber wünschen sich die Befürworter der Easy Economy. Wohin solch ein vollkommen flexibles Arbeiten führen kann, untersucht die Studie Zukunft der Arbeitswelt 2030 der Universität Darmstadt. »Die Wahrscheinlichkeit, von der Arbeit zerrieben zu werden, wird drastisch steigen«, schreiben die Autoren. »Das Wort ›Vertrauensarbeit‹ klingt erst mal gut«, sagt Rudi Schmiede, Professor für Soziologie an der Darmstädter Uni. Wer auf Vertrauensarbeit setzt, kontrolliert nicht mehr, wer wann da ist – und setzt damit die Ideale des Fraunhofer-Instituts um. Für den Chef zählen nur noch Ergebnisse. »Wie die Leute das zustande bringen, ist ihre Sache«, sagt Schmiede. Druck und Überarbeitung seien oft die Folge. Freizeit und Arbeitszeit vermischten sich immer stärker. Im Übrigen glaubt der Professor nicht, dass sich das Konzept »Arbeiten, wann man will« für die Masse der Angestellten durchsetzt: »Selbst Freiberufler sind auf Kernarbeitszeiten angewiesen, in denen sie andere erreichen können.« Aber sicherlich könnten Lücken für Privatzeit entstehen – in denen man einen Arzttermin wahrnehmen oder das Kind vom Kindergarten abholen könne.
Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mehr Zeit für die Kinder – das waren einmal typische Frauenfragen. Heute sind flexible Arbeitsformen ein gesamtgesellschaftliches Thema – einfach weil sich gar nicht mehr anders arbeiten lässt, wenn ein Teil der Belegschaft in China sitzt und der Kunde Dienstleistungen vor Ort fordert. Auf die vielen Fragen, die diese schöne neue Arbeitswelt aufwirft, muss laut Expertin Hofmann jede Firma ganz individuelle und maßgeschneiderte Antworten finden. Denn auch wenn sich die Arbeitswelt vielleicht nicht ganz so radikal verändern mag, wie es manche prophezeien: Sie ändert sich. Manchmal auch nur im Kleinen. »Früher«, sagt Ilse Neuwirth, »war Freitag immer mein Ablagetag. Jetzt ist alles digital, selbst die Post scanne ich ein.« Sie lächelt. »Es gibt einfach nichts mehr abzulegen.«
- Datum 03.03.2010 - 16:46 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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Ich habe an einem Projekt so gearbeitet für 7 Monate und es war super!
Für mich als angestellter war es sehr angenehm die meiste Arbeit von meinem Balkon aus in der Sonne oder wenn ich mal Input brauche vom Kaffee aus zu erledigen.
Für meinen Chef war es auch sehr angenehm, da ich wesentlich effizienter war als meine Kollegen, welche den ganzen Tag im Büro an den Schreibtsichen saßen.
Natürlich mussten wir erst unsere Erfahrungen und damit Schlüsse fassen. So ist z.B. ein wöchentliches Treffen mit den wichtigsten Kollegen wichtig um sich auszutuschen.
Aber alles in allem hat der Author recht. Eine Generation, die im Studium genau nach den Vorgaben arbeitet (kreativ auf Kommando, keine festen Teams oder gruppen, keine festen Arbeitsplätze, nutzung aller digitalen Möglichkeiten) ist das der Traum und die Zukunft!
Ich kenn das. Ich hab solche Szenarien schon zu Studienzeiten (Anfang der 90er) kennengelernt. Und Großraumbüros mit flexiblen Arbeitszeiten und ständigen Umzügen in der New Economy. So wie in dem Artikel beschrieben, treibt man Nervenverschleiß und Organisationskosten zwanglos exponential nach oben. Das geht so nicht.
Ich kenn das auch. Die Geschichte mit dem Rollcontainer war in den Neunzigern die große Managementmode.
Wenn ich mich recht entsinne, dann sollte sie in abgezählt einem Unternehmen sogar mal funktioniert haben: In jener Firma galt die Büroausstattung als Statussymbol, und die Angestellten waren mehr mit dem Kampf um Bürorippen und Schreibtischgrößen beschäftigt als mit produktiver Arbeit. Solche Mechanismen lassen sich mit variablen Arbeitsplätzen in der Tat aufbrechen.
Ansonsten wurde über die Rollcontainerwirtschaft vor ca. 15 Jahren in vielen Firmen geredet; eingeführt wurde sie damals allerdings m. W. nirgends. Da siegte dann doch meist die Kostenrechnung, wenn schon nicht der gesunde Menschenverstand.
Ich kenn das auch. Die Geschichte mit dem Rollcontainer war in den Neunzigern die große Managementmode.
Wenn ich mich recht entsinne, dann sollte sie in abgezählt einem Unternehmen sogar mal funktioniert haben: In jener Firma galt die Büroausstattung als Statussymbol, und die Angestellten waren mehr mit dem Kampf um Bürorippen und Schreibtischgrößen beschäftigt als mit produktiver Arbeit. Solche Mechanismen lassen sich mit variablen Arbeitsplätzen in der Tat aufbrechen.
Ansonsten wurde über die Rollcontainerwirtschaft vor ca. 15 Jahren in vielen Firmen geredet; eingeführt wurde sie damals allerdings m. W. nirgends. Da siegte dann doch meist die Kostenrechnung, wenn schon nicht der gesunde Menschenverstand.
Ich kenn das auch. Die Geschichte mit dem Rollcontainer war in den Neunzigern die große Managementmode.
Wenn ich mich recht entsinne, dann sollte sie in abgezählt einem Unternehmen sogar mal funktioniert haben: In jener Firma galt die Büroausstattung als Statussymbol, und die Angestellten waren mehr mit dem Kampf um Bürorippen und Schreibtischgrößen beschäftigt als mit produktiver Arbeit. Solche Mechanismen lassen sich mit variablen Arbeitsplätzen in der Tat aufbrechen.
Ansonsten wurde über die Rollcontainerwirtschaft vor ca. 15 Jahren in vielen Firmen geredet; eingeführt wurde sie damals allerdings m. W. nirgends. Da siegte dann doch meist die Kostenrechnung, wenn schon nicht der gesunde Menschenverstand.
Das interessante ist, dass generell zwei verschiedene Einflussfaktoren vermischt werden. Einmal die freie Wahl der Arbeitszeiten und dann die Arbeitsumgebung. Ich finde es sollte klare Arbeitszeiträume geben, wobei eine Art Zeitpolster, der frei wählbar ist, für Denkpausen eingerechnet werden sollte. Je nach Aufgaben benötigt man mehr Denk-bzw.Kreativpausen, die sollten einem frei gestattet sein, allerdings im Rahmen der geregelten Arbeitszeit. Denn wenn die Arbeitszeiten in den privaten Raum weiter vordringen, kann das zwischenmenschliche Probleme hervorrufen. Ich denke es sollte wichtiger werden, dass die Arbeitsräume für die unterschiedlichen Aufgaben zur Verfügung stehen sollten. Arbeit man z.B. nur an der Eingabe irgendwelcher Daten, reicht ein klarer Raum der kaum von der Arbeit ablenkt, so kann man sich auf die Eingabe voll konzentrieren. Bei Kreativ-Aufgaben kann zu intensive Konzentration hinderlich sein, eine Art Log-In-Denken kann entstehen, dass wenig andere Betrachtungen zu lässt, die aber wichtig sein könnten. Das zu intensive Nachdenken müsste verhindert werden, durch wohnliche Raumstrukturen in denen auch frei gemütliche Diskussionen geführt, könnten für die Entwicklung neuer Denkansätze förderlicher sein. Die Räume werden so zum beschreibenden Teil der Arbeitstätigkeit.
Autor und Kommentatoren (bis auf den ersten) zeigen wieder einmal, dass Sie das Thema und den damit verbundenen Wechsel der Paradigmen nicht verstanden haben.
Mit einem Arbeitsmodell, wie es Selbstständige kennen, verändert sich nicht nur Kreativität und Tagesplanung, der Begriff der Arbeit verändert sich maßgeblich. Als Angestellter bedeutet Arbeit in erste Linie Anwesenheit: Bin ich in der Firma, arbeite ich. Bin ich nicht in der Firma, arbeite ich nicht. Der Begriff der Arbeitszeit bezieht sich alleine auf Anwesenheit an einem Ort. Das diese Anwesenheit für die meisten Berufe weder notwendig und häufig auch nicht produktivitätssteigernd ist, spielt dabei keine Rolle.
Bei flexiblen Modellen, wo die zu erwartet Arbeitsleistung nicht in Stunden beschrieben wird, bedeutet Arbeit wieder das tatsächliche Schaffen - gemessen am Ergebnis. Ob ich für die zündende Idee (und deren Kommunikation und/oder Umsetzung) nun 5 Minuten oder Tage voller Recherche und Fehlversuche benötige, ist völlig unerheblich für die Bewertung.
Auf diesem Paradigmenwechsel basiert der Spruch der Selbstständigen: Sie arbeiten selbst und ständig und haben deswegen immer frei.
Leider steht ein solcher Paradigmenwechsel der Unternehmenskultur und den Kontrollinteressen von Management und Gewerkschaften häufig diametral gegenüber. In Branchen, wo der Respekt vor der Leistungen der anderen im Vordergrund steht (IT, Beratung, etc.) funktioniert es aber häufig sehr gut.
Entschuldigung, aber ich befürchte, dass Sie das ganze nicht richtig verstehen.
Dafür spricht auch ihre Auslegen vom Spruch über die Selbstständigkeit. Fragen Sie doch mal paar Selbstständige.
Es stimmt, der Spruch geht so:
"Selbstständig sein bedeutet, man arbeitet selbst und ständig."
Aber wo hat das was mit "Frei" zu tun?
Man ist als Selbstständiger der Sklave seines Berufes. Jederzeit und immer fortwährend.
Genauso verkennen Sie, dass viele Berufe keine Kreativjobs sind. Dort entwirft man nicht die neue Frühjahrskollektion oder das neue Logo. Es sind Dienstleistungsjobs bei denen man einen Bereitschaftsdienst bietet.
Man steht Gewehr-bei-Fuß um bei Problemen oder Wünschen schnell eine Lösung zu bieten.
Es ist genau das Gegenteil von der viel beschworenen Flexibilität.
Erklären Sie mal dem Mitarbeiter, dass er sein E-Mail Konto wieder in 3 Tagen nutzen kann, weil Sie dann erst die Zeit dafür haben das zu richten.
Entschuldigung, aber ich befürchte, dass Sie das ganze nicht richtig verstehen.
Dafür spricht auch ihre Auslegen vom Spruch über die Selbstständigkeit. Fragen Sie doch mal paar Selbstständige.
Es stimmt, der Spruch geht so:
"Selbstständig sein bedeutet, man arbeitet selbst und ständig."
Aber wo hat das was mit "Frei" zu tun?
Man ist als Selbstständiger der Sklave seines Berufes. Jederzeit und immer fortwährend.
Genauso verkennen Sie, dass viele Berufe keine Kreativjobs sind. Dort entwirft man nicht die neue Frühjahrskollektion oder das neue Logo. Es sind Dienstleistungsjobs bei denen man einen Bereitschaftsdienst bietet.
Man steht Gewehr-bei-Fuß um bei Problemen oder Wünschen schnell eine Lösung zu bieten.
Es ist genau das Gegenteil von der viel beschworenen Flexibilität.
Erklären Sie mal dem Mitarbeiter, dass er sein E-Mail Konto wieder in 3 Tagen nutzen kann, weil Sie dann erst die Zeit dafür haben das zu richten.
..die Bürolosen bequatschen ja jeden freien öffentlichen Platz und selbständig sind ja heutzutage sowieso alle. Was bei solchen Szenarien nur völlig untergeht, ist, daß es eben mitunter doch (und bei manchen Tätigkeiten eben täglich) schlicht eines angestammten Raums bedarf, bei dem man die Tür zu machen kann - weil man unter 4 Augen mal Tacheles reden muß, und nicht auf dem Hühnerhof. Des weiteren bekommt man kein Team zusammen, wenn es sich nicht regelmäßig sieht und täglich austauscht. Nicht anwesende Pförtner oder Systemadministratoren findet auch keiner lustig.
Entschuldigung, aber ich befürchte, dass Sie das ganze nicht richtig verstehen.
Dafür spricht auch ihre Auslegen vom Spruch über die Selbstständigkeit. Fragen Sie doch mal paar Selbstständige.
Es stimmt, der Spruch geht so:
"Selbstständig sein bedeutet, man arbeitet selbst und ständig."
Aber wo hat das was mit "Frei" zu tun?
Man ist als Selbstständiger der Sklave seines Berufes. Jederzeit und immer fortwährend.
Genauso verkennen Sie, dass viele Berufe keine Kreativjobs sind. Dort entwirft man nicht die neue Frühjahrskollektion oder das neue Logo. Es sind Dienstleistungsjobs bei denen man einen Bereitschaftsdienst bietet.
Man steht Gewehr-bei-Fuß um bei Problemen oder Wünschen schnell eine Lösung zu bieten.
Es ist genau das Gegenteil von der viel beschworenen Flexibilität.
Erklären Sie mal dem Mitarbeiter, dass er sein E-Mail Konto wieder in 3 Tagen nutzen kann, weil Sie dann erst die Zeit dafür haben das zu richten.
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