Russland Der Ankläger

Der Staranwalt Jurij Schmidt könnte den bekanntesten Häftling Russlands freibekommen: Michail Chodorkowskij

Der Grandseigneur unter Russlands Menschenrechtsanwälten, Jurij Schmidt, arbeitet am wichtigsten Fall seiner Karriere: dem Fall Michail Chodorkowskij. Ein Freispruch im zweiten Prozess gegen den einst reichsten Mann Russlands, der das Ölunternehmen Yukos führte und 2005 zu acht Jahren Lagerhaft verurteilt wurde – das wäre die Krönung in Schmidts Berufsleben. »Im ersten Prozess gegen Chodorkowskij sollte der Richter den Anschein eines gesetzgemäßen Verfahrens erwecken«, erzählt er. »Obwohl klar war, dass es mit einer Verurteilung enden würde.« Diesmal aber gebe es Grund zur Hoffnung.

Denn Wladimir Putin, den Chodorkowskij einst mit seiner Aufmüpfigkeit herausforderte, ist nicht mehr Russlands Präsident. Die Wirtschaftskrise hat nach Jahren des rauschhaften Erfolgs Russlands Verletzlichkeit und seine Abhängigkeit vor allem vom Westen offenbart. Chodorkowskij wiederum hat Respekt und Symbolkraft als stiller, ungebeugter Häftling erlangt: Eine Moskauer Malerin verziert Schokoladetafeln mit seinem Porträt im Warhol-Stil, und russische Schriftsteller wetteifern darum, mit ihm einen Briefwechsel zwischen Freiheit und Zelle zu führen.

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An diesem Donnerstag steht zudem vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg die Anhörung im Verfahren ehemaliger Yukos-Manager an, die wegen der Zerschlagung des Unternehmens auf 100 Milliarden Dollar Schadensersatz klagen. Chodorkowskij wird zum internationalen Justizfall.

Der Prozess im Verhandlungssaal 7 des Moskauer Chamownikij-Gerichts gegen Chodorkowskij und seinen früheren Partner Platon Lebedjew steckt in der Routinephase. Einer der knapp 50 Prozessbesucher trägt ein selbst gemachtes T-Shirt mit der ironischen Aufschrift: »Chodorkowskij – go home!« Die Verteidiger haben ein Alpenveilchen auf ihren Tisch gestellt als Lebensgruß an ihre Mandanten. Chodorkowskij sitzt hinter einer Glasscheibe im Metallkasten, kaut Kaugummi und liest in Akten. Sein Haar ist grauer geworden, aber wenn er aufsteht, steckt er die Hände so lässig und selbstbewusst wie früher in die Hosentaschen. »Im ersten Prozess war Chodorkowskij ein bisschen naiv und dachte, alle Vorwürfe seien doch leicht zu widerlegen«, sagt Schmidt. »Jetzt weiß er, dass man vor unseren Gerichten seine Unschuld zehnfach beweisen muss. Dass es vielen darum geht, ihn so lange wie möglich im Gefängnis zu halten. Denn alle, die Yukos geplündert haben, zittern heute um ihr Eigentum.«

Die neue Anklage lautet auf Unterschlagung von Rohöl im Wert von 25 Milliarden Dollar. »Idiotisch« nennt sie Schmidt. »Eine Gruppe von Yukos-Mehrheitseignern soll die Ölausbeute von sechs Jahren gestohlen haben«, erklärt er. Der erste Prozess beschuldigte die Angeklagten, für dieses Öl Steuern hinterzogen zu haben. »Das widerspricht einander«, ereifert sich der Anwalt. »Eines geht doch nur: entweder Öl stehlen oder Steuern auf seinen Verkauf nicht bezahlen.«

Der 72-jährige Schmidt gilt als Kultfigur unter Russlands Anwälten. Aufbrausend und provokant kann er sein. Aber eine schwere Operation hat zuletzt seine Energie gebremst. Während der Routinetage des Prozesses bleibt er im heimischen Sankt Petersburg und studiert die Wortprotokolle der Verhandlungstage. Da sitzt er vor seinem Computer und trinkt seinen Tee, den er im Glas aufbrüht. So guckte er es einst dem später ausgebürgerten Dichter Josif Brodskij ab, der bei Schmidts ein und aus ging. Der Anwalt mit deutschen Vorfahren ist ein typischer Vertreter der Petersburger Intelligenz: sprachgewandt, belesen, von großer Selbstgewissheit und zuweilen etwas dünnhäutig. Schon sein Anwaltsdasein in der Sowjetunion hatte etwas Oppositionelles an sich, obwohl er nie zu politischen Prozessen zugelassen wurde. Er verkehrte mit Dissidenten. Aber den letzten Schritt der Gegnerschaft zum System hat er nicht getan. Heute sagt er, und es klingt Koketterie mit: »Ich schäme mich dafür, dass ich niemals im Gefängnis gesessen habe.«

Sein größter Triumph war die Verteidigung des ehemaligen U-Boot-Offiziers Alexander Nikitin, der 1996 wegen »Spionage« angeklagt wurde. Nikitin hatte für die norwegische Umweltorganisation Bellona Informationen über die atomaren Altlasten der Nordmeerflotte gesammelt. Der Fall endete mit einem Freispruch. »Da war auch Glück im Spiel«, sagt Schmidt. »Der Geheimdienst FSB war damals nicht so stark wie heute, und Präsident Boris Jelzin verkündete, er werde sich nicht in den Prozess einmischen. Er hat Wort gehalten.«

Als Chodorkowskij im Oktober 2003 verhaftet wurde, geriet Schmidt in Aufregung. »Ein solcher politischer Fall, dachte ich damals, kann nicht ohne mich stattfinden«, erzählt er. Im März 2004 trat er Chodorkowskijs Anwaltsteam bei. Seitdem antwortet er jedem, der ihn nach seinem Beruf fragt: »Ich bin Chodorkowskijs Anwalt.«

Leser-Kommentare
  1. Warum blos hofieren alle möglichen Leute diesen Khodorkovsky und dessen einstige Miteigentümer?
    Geht es etwa einmal mehr darum den Russkys bzw. dem Kremel zu demonstrieren wer hier Recht/recht hat?
    Geht es vieleicht auch um die verlorenen 100Mrd. der Yukos die man nun einzuklagen versucht? Wohlgemerkt, der Mann hat versucht die strategischen Oelreservern von Russland an das Ausland zu verkaufen. Bedenkt man das die USA ihre Energiestrategie mit Waffengewalt bis in den nahen Osten ausdehnen keine wirklich zu verharmlosende Angelegenheit.
    Haben die Russen nicht schon genug durch andere Oligarchen verloren?
    Soll hier krampfhaft Recht geschaffen werden wo nie welches war? Nimmt man sich andere Urteile gegen Russland vor so ist einmal mehr vorraussehbar wer der Verlierer sein wird...

  2. Michail Chodorkowskij hat in fleißiger, ehrlicher Arbeit in wenigen Jahren seine Milliarden erwirtschaftet.
    Schon die Vermutung, dass dies nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann, ist ein Skandal.
    Die Neider sollen ihm lieber nacheifern.
    Aber: Es ist nicht auszuschließen, dass in der Folge ein berechtigtes Zittern eintritt.
    Wenn Polizei vor der Tür steht.

    • Susya
    • 05.03.2010 um 7:51 Uhr

    Michail Ch. ist ein Oligarch. Er hat seine Firma Yukos nach in Russland gültigen Gesetzen und Regeln aufgebaut. Da er Jude ist, musste er sich ganz speziell davor hüten ein Gesetz zu brechen. Er wurde verurteilt, weil er ein politischer Gegner von Herrn Putin ist. Putin, der ex KGB-Oberst, weiss wie man mit politischen Gegner umgeht.
    Ich wünsche ihm viel Erfolg.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Jude BLA BLA BLA, es gib für Juden keine Extra gesetzte in Russland. Er hat alles ergaunert genauer gesagt vom Volk gestohlen, er ist von heute auf morgen Milliardär geworden. Aber als er Russische Energiereserven an die USA für ein Apel und ein Ei verhökern wollte, hat Gott sei dank Putin eingegriffen. Wenn es nach dem Russischen Volk ginge hätte man Ihn und die anderen Oligarchischen schon längst hingerichtet.

    Jude BLA BLA BLA, es gib für Juden keine Extra gesetzte in Russland. Er hat alles ergaunert genauer gesagt vom Volk gestohlen, er ist von heute auf morgen Milliardär geworden. Aber als er Russische Energiereserven an die USA für ein Apel und ein Ei verhökern wollte, hat Gott sei dank Putin eingegriffen. Wenn es nach dem Russischen Volk ginge hätte man Ihn und die anderen Oligarchischen schon längst hingerichtet.

  3. Jude BLA BLA BLA, es gib für Juden keine Extra gesetzte in Russland. Er hat alles ergaunert genauer gesagt vom Volk gestohlen, er ist von heute auf morgen Milliardär geworden. Aber als er Russische Energiereserven an die USA für ein Apel und ein Ei verhökern wollte, hat Gott sei dank Putin eingegriffen. Wenn es nach dem Russischen Volk ginge hätte man Ihn und die anderen Oligarchischen schon längst hingerichtet.

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