Hitler und Eva BraunVeronica Ferres, bitte melden!

Wenn das der Führer wüsste: Nun soll auch das Leben von Eva Braun verfilmt werden von Alexander Cammann

Eva Braun und Adolf Hitler circa 1940 in Berchtesgaden

Eva Braun und Adolf Hitler circa 1940 in Berchtesgaden   |  © Keystone/Getty Images

Wenn Adolf Hitler den Krieg gewonnen hätte, so würden heute in den Studios von Babelsberg Filme über den Führer gedreht. Über das glücklich überstandene Attentat des 20. Juli 1944 etwa oder über den erfolgreichen Kampf gegen den verräterischen Putschisten Ernst Röhm, über die siegreichen Schlachten von El Alamein und Stalingrad, als Hitler mit den Generälen Rommel und Paulus den Krieg entschied. Leni Riefenstahl, Elisabeth Noelle-Neumann und Albert Speer hätten als Zeitzeugen in zahllosen Dokudramen authentisch Auskunft gegeben, mit wehenden weißen Haaren vor dem Original-Alpenpanorama des Obersalzbergs, der mittlerweile Gedenkstätte wäre. Und Hollywood bekäme Lust, pünktlich zu ihrem 100. Geburtstag im kommenden Jahr das Leben von Eva Braun, des Führers Gefährtin, in einen großen Spielfilm mit Starbesetzung zu verwandeln.

Unsere Lage heute sieht zugegebenermaßen etwas anders aus. Doch zumindest der letzte Satz könnte seit der vergangenen Woche schnell Realität werden. Da teilte der renommierte Münchner Verlag C. H. Beck mit, dass der Filmproduzent Michael Simon de Normier am Rande der Berlinale eine Option auf die Verfilmungsrechte der Mitte Februar im Verlag erschienenen, sofort breit diskutierten Eva-Braun-Biografie der Historikerin Heike B. Görtemaker erworben hat. Für die Kinoumsetzung kündigte der Produzent eine enge inhaltliche Zusammenarbeit mit Autorin und Verlag an. Der 1973 geborene de Normier war der deutsche Co-Produzent bei der Hollywood-Verfilmung des Vorlesers, die Regisseur Stephen Daldry nach Bernhard Schlinks gleichnamigem Roman mit Kate Winslet und Ralph Fiennes drehte; der Film erzählte von der Liebesbeziehung einer einstigen KZ-Aufseherin zu einem 15-jährigen Schüler und lief im vergangenen Jahr in den deutschen Kinos. Eva Braun als Biopic auf die Leinwand zu bringen – noch vor ihrem spät Angetrauten – dürfte indes um einiges schwieriger sein.

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Die Aussicht, dass bald eine wahrscheinlich attraktive Eva Braun von deutschen Kinoplakaten herabschauen könnte, scheint niemanden mehr zu stören; ein vergangenheitspolitischer Aufschrei, wie er noch bis vor wenigen Jahren normal gewesen wäre, unterblieb jedenfalls. Dabei ist die Problematik eines Eva-Braun-Spielfilms auch für den robustesten Guido-Knopp-Fan offensichtlich. Welcher Star wird (und will!) die Eva geben: vielleicht Gwyneth Paltrow, erneut Kate Winslet – oder Veronica Ferres? Oder wird Alexandra Maria Lara als German girl nach Hollywood gehen und am Ende wieder im Führerbunker landen, diesmal nicht als Hitlers Sekretärin, sondern als Leiche an seiner Seite? Und wer will den Führer privat darstellen, natürlich einerseits als öffentlichen Verbrecher, aber eben diesmal auch als liebenden Mann? Zwei Selbstmordversuche der überzeugten Antisemitin und Nationalsozialistin Eva Braun müssten zudem in den Plot integriert werden, ohne dass die junge Frau als verführtes Opfer, das sie nie war, allzu großes Mitleid der Zuschauer erregt.

Zu solch hoher Kunst der Ambivalenz schwingt sich das Massenkino erfahrungsgemäß nur alle paar Jahrzehnte auf. Wer mit den Erzählformen des Genres vertraut ist, den überkommen schon jetzt böse Ahnungen: Als nötige positive Gegenfigur zu Eva böte sich eine erfundene jüdische Schulfreundin an, die sich mit Koffer und gelbem Stern an der Rampe von Auschwitz an die junge Eva erinnert. Oder ihre weinende Sekretärin, deren verheimlichter jüdischer Mann abtransportiert wurde und die nun im Widerstand ihre einst vertraute Chefin zu hassen lernt. Regisseur, Drehbuchautor und die historische Beraterin werden wohl für Eva Braun das populäre Kino neu erfinden müssen, um der NS-Affirmation zu entgehen.

Abseits cineastischer Horrorfantasien, die sich schlussendlich vielleicht durch ein Wunder als unbegründet erweisen mögen, ist die Idee eines Eva-Braun-Films Symbol für etwas anderes: Sie gehört zu jenem sich über die Jahre hinweg vollziehenden Wandel in der deutschen Erinnerungskultur.

Je beständiger die deutsche Demokratie sich zeigt, desto weniger wirkt die dunkle Geschichte als notwendige, demokratiebegründende Mahnung. Die Aufklärung über den Nationalsozialismus wich im Zuge seiner historischen Erforschung allmählich seiner öffentlichen Nachinszenierung, nicht zuletzt, um das Interesse und die Vorstellungskraft der Nachgeborenen zu erreichen. Andere Themen als Diktatur und Judenvernichtung gerieten daneben ins Blickfeld, wofür wiederum die Grundlage für den Eva-Braun-Film, die akribisch genau recherchierte, zu Recht gelobte und über jeden Verdacht erhabene Biografie von Heike B. Görtemaker, ein gutes Beispiel ist.

Noch vor wenigen Jahren hätten viele Historiker eine solche Biografie intellektuell uninteressant gefunden, weil allenfalls ein schillernd-privater Seitenaspekt der Diktatur beleuchtet würde. Nicht wenigen schien das Genre Biografie, bezogen auf den Nationalsozialismus, generell fragwürdig: Der Wallenstein-Biograf Golo Mann kritisierte Anfang der siebziger Jahre den Hitler-Biografen Joachim Fest heftig für sein Vorhaben, weil jede Biografie ihr Objekt durch Neugier adele. Von solchem Purismus sind wir heute weit entfernt; seriöse Biografien über NS-Täter haben unsere Kenntnis über den Nationalsozialismus erweitert. Dennoch verstünde man, wenn sich Golo Mann angesichts eines Eva-Braun-Filmes im Grabe umdrehte.

Leserkommentare
  1. Die in allen Boulevard-Medien omnipräsente Ferres wäre die Idealbesetzung für diese strohdumme, ihrem Monster-Führer sklavisch ergebene Figur. Als Hitler könnte ich mir Helge Schneider vorstellen. Dieses Alptraumpaar auf dem Obersalzberg bei einem der unendlichen Monologe des GRÖFAZ über die immer gleichen Themen, das wäre was. Auch der gemeinsamen Suizid bei schmalziger Filmmusik, würde das Publikum sicher zu Tränen rühren.
    Spaß beiseite. Was soll der Quatsch? Wen interessiert das? Es gibt wirklich wichtigere Figuren/Themen, die man verfilmen kann!

  2. ...keine Pläne zu einem gscheitn Film über Friedrich dem Stauffer?! Oder ein Bismarck Spektakel??
    Einen Film über Eva Braun schaue ich mir höchstens an, wenn man mir dafür Unsummen bezahlt.
    Tinnitus hat recht: Was soll der Quatsch? Gibts keine wichtigeren deutschen Frauen, die einen Film verdient haben?

  3. Evtl. sogar der interessanteste! Bin sehr gespannt auf den Film und hoffe auf Authentizität.

    LG,
    Erzengel Gabriel.

    • Talor
    • 05. März 2010 18:01 Uhr

    ..mit guten Darstellern und Regie.

    Ich finde das Thema auch sehr interessant und wundere mich etwas über die ablehnende Haltung der ersten Kommentare.
    Wenn die Personen authentisch rübergebracht werden ist Brauns Perspektive doch eine sehr interessante, kann man doch gut darstellen, was das Faszinierende am Führerkult war.

    • TDU
    • 05. März 2010 18:32 Uhr

    Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau.

    Sie war von Angst Selbstzweifel und der staendigen Ueberlegung gepraegt, wie sie es nur mit einem solchen Mann aushalten konnte. Aber dennoch hat sie heroisch zu ihm gestanden in Erfuellung ihrer Verpflichtung als Ehefrau.

    Oder man sieht, wohin die Ehe fuehren kann und das Eingehen derselben war ein Ergebnis maennlichen Machtanspruchs und manipulierender Verfuehrung. Also war sie das klassische Opfer des Patriarchats.

    Oder sie war einfach nur ein normaler Mensch, der sich fuer die Arbeit des Mannes nicht sonderlich interessierte, bzw. sich aus seiner Arbeit raushielt. Vielleicht so wie die Frauen anderer Dikatoren oder ihrer Helfershelfer.

    Man darf gespannt sein.

    • TDU
    • 05. März 2010 18:44 Uhr

    Sie war viel klueger als ihr Mann und haette entweder die Ziele auf friedlichem Weg erreicht oder von ihnen Abstand genommen.

    Auf jedenfall ein Ergebnis dass alle Bewegungen zufriedenstellt, so dass diese es fuer sich und ihre Weltsicht nutzen koennen und keinem der wichtigen auf die Fuesse tritt, da die richtigen Klischees verwendet werden.

    Und weil letzteres meistens so ist, langweilen mich die meisten deutschen Filme und Krimis mittlerweile und ich bin gespannt auf die Besprechung in der Zeit.

  4. Für mich haben solche "Filmwerke" eigentlich nur den üblen Charakter von subtiler Naziverherrlichung. Die sympathische Frau Ferres, der liebe, brave Schäferhund, das schöne Wetter, die imposante Landschaft... vielleicht noch der nette Bruno Ganz (wie toll er das Rrr rrrollen kann, nicht wahr?) und ein international anerkannter Regisseur?
    Das finde ich schon interessant, wie diese Hitler-Mörderbande langsam hoffähig gemacht werden soll.

    Mit mir nicht!!!!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • sauce
    • 07. März 2010 20:29 Uhr

    Hoffähig? Wohl eher nicht.
    Ich finde den Aspekt, daß eben jeder hassenswerte Mensch auch eine andere Seite hat sehr bedenkenswert - gemahnt er doch daran, daß es mehr Grautöne gibt als wir es uns eingestehen möchten weil eben so bequem ist. Mit Verherrlichung hat das nichts zu tun - eher mit der Aufforderung sich nicht blenden zu lassen.

    • FranL.
    • 05. März 2010 21:11 Uhr

    Für die nette Frau Ferres wäre eine solche Rolle nichts, da sie bevorzugt positive Heldinnen und Opfer verkörpert. Falls sie doch die Rolle der Eva Braun spielen sollte, wird aus Frau Hitler doch wieder ein Opferlamm.

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