Hitler und Eva Braun Veronica Ferres, bitte melden!Seite 2/2
Das gewaltige Publikumsinteresse an Eva Braun überrascht aber dennoch. Ein reißerischer stern- Titel (Eva Braun – ihr Pakt mit dem Bösen. Die neue Sicht auf Hitlers Geliebte) bahnte nicht nur den Weg zur Verfilmung, sondern auch zu massenhaftem Verkauf; nach drei Wochen wird mittlerweile die vierte Auflage gedruckt. Fernsehfanfaren, die von einer »Sensation« tönen (titel thesen temperamente), tun ein Übriges. »Die Dynamik ist eher auf uns zugekommen, als dass wir sie gemacht hätten«, räumt Detlef Felken, Cheflektor des Verlags C. H. Beck, ein. Mit einem Erfolg dieses gänzlich unreißerischen Buches hatte man in dem für seine profunden Darstellungen bedeutender Historiker wie Thomas Nipperdey, Hans-Ulrich Wehler und Heinrich August Winkler bekannten Verlag gerechnet, aber nicht in diesen Dimensionen. Binnen Kurzem waren auch die italienischen, französischen, spanischen und englischen Übersetzungsrechte vergeben.
Alles, was mit Hitler zu tun hat, bleibt offenbar weiterhin ein Exportschlager. Für Felken ist die vor Jahren noch undenkbare populäre Themenerweiterung beim Umgang mit dem Nationalsozialismus hierzulande auch ein Indiz für gewonnene Souveränität der Deutschen: »Die Ablehnung des Nationalsozialismus hat sich tief eingesenkt in das kollektive Bewusstsein.« An Aufklärung über die Verbrechen mangele es nicht; Saul Friedländers bei Beck erschienene zweibändige Geschichte des Holocaust übergebe den Staffelstab der intellektuellen Auseinandersetzung gleichsam an die kommenden Generationen.
Tatsächlich ist die Popularisierung die Rückseite der sich vollziehenden Historisierung – wenn man so will, seit Charlie Chaplins Großem Diktator. Jonathan Littells Roman Die Wohlgesinnten gehört ebenso dazu wie Quentin Tarantinos Film Inglourious Basterds, die beide gefährlich eingerastete Wahrnehmungsmuster aufbrachen. Für seine Äußerung, dass er ein Holocaustmahnmal wolle, zu dem man gerne gehe, bezog der damalige Kanzler Gerhard Schröder Prügel. Doch der Instinktpolitiker hat im Grunde recht behalten: Dass heute Jugendliche auf den Stelen des Holocaustmahnmals in Berlin sich sonnen und Eis essen, mag pietätlos sein; ihr Bewusstsein für das Verbrechen tangiert es nicht, die Ausstellung auf demselben Gelände erschüttert sie nach wie vor.
Auch wenn einem dabei mulmig zumute ist: Der Nationalsozialismus ist für die Deutschen längst auch zum festen Bestandteil unserer nimmersatten Populärkultur geworden, wie für die Amerikaner der Bürgerkrieg oder für die Engländer das Empire. Dass Eva Braun nun dazugehört, muss der historischen Aufklärung nicht schaden. Die Grenze wäre allerdings da erreicht, wo das Faszinosum den kollektiven Schrecken übertüncht. Und mit Saul Friedländer möchte man dennoch nicht in einem Eva-Braun-Film sitzen.
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
- Datum 05.03.2010 - 15:27 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
- Kommentare 19
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:









Die in allen Boulevard-Medien omnipräsente Ferres wäre die Idealbesetzung für diese strohdumme, ihrem Monster-Führer sklavisch ergebene Figur. Als Hitler könnte ich mir Helge Schneider vorstellen. Dieses Alptraumpaar auf dem Obersalzberg bei einem der unendlichen Monologe des GRÖFAZ über die immer gleichen Themen, das wäre was. Auch der gemeinsamen Suizid bei schmalziger Filmmusik, würde das Publikum sicher zu Tränen rühren.
Spaß beiseite. Was soll der Quatsch? Wen interessiert das? Es gibt wirklich wichtigere Figuren/Themen, die man verfilmen kann!
...keine Pläne zu einem gscheitn Film über Friedrich dem Stauffer?! Oder ein Bismarck Spektakel??
Einen Film über Eva Braun schaue ich mir höchstens an, wenn man mir dafür Unsummen bezahlt.
Tinnitus hat recht: Was soll der Quatsch? Gibts keine wichtigeren deutschen Frauen, die einen Film verdient haben?
Evtl. sogar der interessanteste! Bin sehr gespannt auf den Film und hoffe auf Authentizität.
LG,
Erzengel Gabriel.
..mit guten Darstellern und Regie.
Ich finde das Thema auch sehr interessant und wundere mich etwas über die ablehnende Haltung der ersten Kommentare.
Wenn die Personen authentisch rübergebracht werden ist Brauns Perspektive doch eine sehr interessante, kann man doch gut darstellen, was das Faszinierende am Führerkult war.
Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau.
Sie war von Angst Selbstzweifel und der staendigen Ueberlegung gepraegt, wie sie es nur mit einem solchen Mann aushalten konnte. Aber dennoch hat sie heroisch zu ihm gestanden in Erfuellung ihrer Verpflichtung als Ehefrau.
Oder man sieht, wohin die Ehe fuehren kann und das Eingehen derselben war ein Ergebnis maennlichen Machtanspruchs und manipulierender Verfuehrung. Also war sie das klassische Opfer des Patriarchats.
Oder sie war einfach nur ein normaler Mensch, der sich fuer die Arbeit des Mannes nicht sonderlich interessierte, bzw. sich aus seiner Arbeit raushielt. Vielleicht so wie die Frauen anderer Dikatoren oder ihrer Helfershelfer.
Man darf gespannt sein.
Sie war viel klueger als ihr Mann und haette entweder die Ziele auf friedlichem Weg erreicht oder von ihnen Abstand genommen.
Auf jedenfall ein Ergebnis dass alle Bewegungen zufriedenstellt, so dass diese es fuer sich und ihre Weltsicht nutzen koennen und keinem der wichtigen auf die Fuesse tritt, da die richtigen Klischees verwendet werden.
Und weil letzteres meistens so ist, langweilen mich die meisten deutschen Filme und Krimis mittlerweile und ich bin gespannt auf die Besprechung in der Zeit.
Für mich haben solche "Filmwerke" eigentlich nur den üblen Charakter von subtiler Naziverherrlichung. Die sympathische Frau Ferres, der liebe, brave Schäferhund, das schöne Wetter, die imposante Landschaft... vielleicht noch der nette Bruno Ganz (wie toll er das Rrr rrrollen kann, nicht wahr?) und ein international anerkannter Regisseur?
Das finde ich schon interessant, wie diese Hitler-Mörderbande langsam hoffähig gemacht werden soll.
Mit mir nicht!!!!
Hoffähig? Wohl eher nicht.
Ich finde den Aspekt, daß eben jeder hassenswerte Mensch auch eine andere Seite hat sehr bedenkenswert - gemahnt er doch daran, daß es mehr Grautöne gibt als wir es uns eingestehen möchten weil eben so bequem ist. Mit Verherrlichung hat das nichts zu tun - eher mit der Aufforderung sich nicht blenden zu lassen.
Hoffähig? Wohl eher nicht.
Ich finde den Aspekt, daß eben jeder hassenswerte Mensch auch eine andere Seite hat sehr bedenkenswert - gemahnt er doch daran, daß es mehr Grautöne gibt als wir es uns eingestehen möchten weil eben so bequem ist. Mit Verherrlichung hat das nichts zu tun - eher mit der Aufforderung sich nicht blenden zu lassen.
Für die nette Frau Ferres wäre eine solche Rolle nichts, da sie bevorzugt positive Heldinnen und Opfer verkörpert. Falls sie doch die Rolle der Eva Braun spielen sollte, wird aus Frau Hitler doch wieder ein Opferlamm.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren