"Inflation ist immer und überall ein monetäres Problem", ist eine fundamentale These Milton Friedmans. Nach der Krise sind Milliarden billiges Geld auf dem Markt. Erlebt der Monetarismus eine Renaissance? © AFP/Getty Images

Monetarismus – ist dies nicht ein Fall für die Rumpelkammer abgelegter Theorien? Die Antwort scheint einfach. Weltweit dominiert inzwischen der Name des Ökonomen, der zeitweise als der große Antipode galt. Keynes is back – so oder ähnlich heißen die zahlreichen Titel wissenschaftlicher wie journalistischer Veröffentlichungen. Rund um den Globus regiert der keynesianische Geist: eine in der Geschichte beispiellose Expansion staatlicher Ausgabenprogramme und geradezu explodierende Haushaltsdefizite.

Die Renaissance kommt alles andere als überraschend. Von 2007 an geriet die Weltwirtschaft in eine Krise, die in ihrer Dimension nur mit der Großen Depression nach 1929 verglichen werden kann. Keynes’ General Theory of Employment, Interest, and Money von 1936 markiert einen Wendepunkt in Theorie und Praxis hin zu einer Wirtschaftspolitik, die von der Überzeugung geleitet war, über die Steuerung der Nachfrage Arbeitslosigkeit beseitigen und Vollbeschäftigung garantieren zu können. Diese Auffassung bestimmte vor allem die Politik angelsächsischer Länder, aber auch weite Teile der wissenschaftlichen Diskussion. John R. Hicks charakterisiert die Phase von 1950 bis 1975 als das Zeitalter von Keynes.

Diese Führungsposition des Keynesianismus geriet schließlich durch zwei Entwicklungen ins Wanken. Zum einen waren dies theoretische und empirische Arbeiten, die vor allem mit dem Namen Milton Friedman verbunden sind. Die Arbeiten der bald "Monetaristen" genannten Wissenschaftler stellten grundlegende Elemente der keynesianischen Theorie und der auf sie gegründeten Wirtschaftspolitik infrage: Von der Wirksamkeit der Fiskalpolitik und ihren Multiplikatorwirkungen, der Vernachlässigung des Geldes und der Geldpolitik bis hin zur Hybris des Versuchs, das Wirtschaftsgeschehen feinsteuern zu wollen, gewann die Skepsis gegenüber dem Keynesianismus an Boden – und der Monetarismus an Unterstützung.

Zum anderen und mindestens genauso wichtig war das Scheitern keynesianischer Politik in der Praxis. Wie hätte man dies deutlicher eingestehen können als der damalige englische Premierminister Callaghan in seiner Rede auf der Jahreskonferenz der Labour Party am 28. September 1976 in Blackpool: "Wir waren einmal der Auffassung, man könne einfach durch Steuersenkungen und erhöhte Regierungsausgaben aus der Rezession herausfinden und die Beschäftigung ankurbeln. Ich sage Ihnen in aller Offenheit, dass diese Option nicht mehr gegeben ist und dass sie – falls es sie überhaupt jemals gab – nichts anderes bewirkte, als der Wirtschaft Inflation zu injizieren... Höhere Inflation und in ihrem Gefolge höhere Arbeitslosigkeit. Das ist die Geschichte der letzten zwanzig Jahre."

Der Monetarismus bot eine Erklärung für das Versagen der keynesianischen Politik, verbunden mit Handlungsanweisungen für die überlegene Alternative. Die "keynesianische Revolution" wurde durch die "monetaristische Gegenrevolution" abgelöst (Harry. J. Johnson). Notenbanken nahmen die monetaristischen Ideen auf. Die Bundesbank verkündete als erste Notenbank der Welt für das Jahr 1975 ein Geldmengenziel. Ihre Geldpolitik wurde indes schon bald von monetaristischer Seite als zu wenig prinzipientreu kritisiert, sie selbst sprach von "pragmatischem Monetarismus".

Im Übrigen vereinfacht die polare Gegenüberstellung der beiden Lager doch sehr. Monetaristen und Keynesianer, vor allem die Letzteren, existieren in vielen Varianten. So hat selbst Friedman 1966 behauptet: "Wir sind jetzt alle Keynesianer", sehr ernst dürfte es ihm damit aber nicht gewesen sein.