Fragen an Helmut Schmidt Verstehen Sie das, Herr Schmidt?Seite 4/4
ZEITmagazin: Was müssten Friedensfreunde heute tun, um gegen die neue atomare Bedrohung zu mobilisieren?
Schmidt: Ich wäre schon glücklich, wenn wir damit anfingen, die sogenannten taktischen Atomwaffen abzuschaffen. Wenn man eine weltweite Debatte auslösen will, muss man einen Streitpunkt setzen, der zu Kontroversen führt. Dafür eignet sich die These, die taktischen Nuklearwaffen müssen aus Europa verschwinden. Man könnte auch einen Non-First-Use-Vertrag fordern: Das würde die Leute wunderbar aufregen, vor allem viele Militärs! Was wir mindestens brauchen, sind einseitige Erklärungen: Russen und Amerikaner müssen offiziell verkünden, dass sie niemals als Erste eine Atomwaffe gebrauchen werden. Bisher haben nur die Chinesen eine solche Erklärung abgegeben.
ZEITmagazin: Warum tun Amerikaner und Russen das nicht?
Schmidt: Das müssen Sie Amerikaner und Russen fragen. Letztlich steckt wohl Größenwahn dahinter.
ZEITmagazin: Wenn man Ihnen so zuhört, könnte man meinen, Sie hätten eine Vision. Dabei haben Sie doch mal gesagt: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.
Schmidt: Diesen Satz habe ich ein einziges Mal gesagt, er ist aber tausendfach zitiert worden. Einmal hätte genügt.
ZEITmagazin: Wie ist er überhaupt in die Welt gekommen?
Schmidt: Das weiß ich nicht mehr. Wahrscheinlich habe ich ihn in einem Interview gesagt. Das muss mindestens 35 Jahre her sein, vielleicht 40. Da wurde ich gefragt: Wo ist Ihre große Vision? Und ich habe gesagt: Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen. Es war eine pampige Antwort auf eine dusselige Frage.
ZEITmagazin: Aber wenn eine atomwaffenfreie Welt keine große Vision ist, was ist sie dann?
Schmidt: Eine Zielsetzung, von der ich nicht glaube, dass sie erreicht werden kann. Es wäre schon viel wert, wenn die beiden großen Atommächte damit anfingen, die Zahl ihrer Waffen zu halbieren. Wenn das gelänge, dann bekäme die Welt eine ganz andere politische Atmosphäre. Wissen Sie, was mich in diesem Zusammenhang erstaunt?
ZEITmagazin: Natürlich nicht.
Schmidt: Dass viele von denen, die früher vor lauter Angst bereit waren, lieber Kommunisten zu werden als zu sterben, heute keine Angst mehr zu haben scheinen.
ZEITmagazin: Obwohl sie nach wie vor allen Grund dazu hätten.
Schmidt: Ich habe kein Verständnis dafür, dass die Angst vor Atomwaffen inzwischen auf null gesunken ist.
Das Gespräch führte ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo
- Datum 04.03.2010 - 12:59 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 04.03.2010 Nr. 10
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die Hilflosigkeit ist gestiegen. Die größte atomare Gefahr dürfte inzwischen von den neuen Mitgliedern des Atomclubs wie Nordkorea und wahrscheinlich auch bald dem Iran ausgehen. Und nachdem Herr Bush der Welt bewiesen hat, das kein Land dieser Erde auch nur mittelfristig davor sicher ist, von den USA angegriffen zu werden, dürften bald noch ein paar Nationen dazu kommen. Gerade jene Machthaber die sich auch sonst nicht gerade mit Güte und Mitmenschlichkeit bekleckern, werden viel dafür tun ihren ganz eigenen atomaren Schild aufzubauen.
Um genau zu sein, befinde ich pers. eigentlich schon jenseits der Sorge : Man kann wohl inzwischen fest davon ausgehen, das irgendwann irgendein gemütskranker, egomanischer Diktator dieser Erde auf den berühmten Knopf drückt, oder ein paar befreundete Untergrundorganisationen mit dem entsprechenden Spielzeug versorgen wird. Und ich weis nicht wie man das verhindern könnte.
...daß es relativ bald sehr viel mehr "Atommächte" geben wird, ist vermutlich nicht mehr zu verhindern, aber das schlimmste ist, daß das eigentlich nur das zweitschlimmste ist:
das wirklich schlimmste ist, daß so manchem - insbesondere M. Ahmadinedschad - rational betrachtet eigentlich auch überhaupt gar nichts anderes übrig bleibt;
seine einzige Alternative wäre, sich "geduldig" dem früher oder später kommenden nächstem taktischen Krieg zu beugen (ob der nun w. der Religion oder wg. des Ölpreises kommt, kann man sich aussuchen)
...daß es relativ bald sehr viel mehr "Atommächte" geben wird, ist vermutlich nicht mehr zu verhindern, aber das schlimmste ist, daß das eigentlich nur das zweitschlimmste ist:
das wirklich schlimmste ist, daß so manchem - insbesondere M. Ahmadinedschad - rational betrachtet eigentlich auch überhaupt gar nichts anderes übrig bleibt;
seine einzige Alternative wäre, sich "geduldig" dem früher oder später kommenden nächstem taktischen Krieg zu beugen (ob der nun w. der Religion oder wg. des Ölpreises kommt, kann man sich aussuchen)
...der Artikel bringt klar zum Ausdruck, daß der Unterschied zu den jetzigen - verzeihen Sie die Direktheit - Nullen an der heutigen Spitze dieses Landes enorm ist
Ich schätze Herrn Schmidt sehr, aber ich glaube, daß er irrt, wenn er sagt, die Rüstungsgegner hätten die zugegebenermaßen etwas flapsige Maxime "Lieber rot als tot" kreiiert aus Angst, sich zu verteidigen.
Ich denke vielmehr, ihnen war die damalige Aussichtlosigkeit bewußt, sich gegen einen ernsthaften Angriff der Sowjetarmee wirksam zur Wehr zu setzen. Konventionell, insbesondere hinsichtlich Panzern, war die Sowjetarmee drückend überlegen,soweit mir bekannt ist. Das einzig "erfolgversprechende" Mittel wäre der Einsatz von Atomwaffen in Deutschland gewesen, und die Zerstörung Deutschlands zum Zwecke der Verteidigung Deutschlands war für diese Menschen schlicht kein überzeugendes Konzept. Diese Sachlage hat dann einige, die bei einem potentiellen Angriff eines anderen, annähernd gleich starken Gegners zu einer anderen Auffassung gelangt wären und durchaus zu einer Verteidigung ihres Landes bereit gewesen wären, in einen radikalen Pazifismuns geführt.
...daß es relativ bald sehr viel mehr "Atommächte" geben wird, ist vermutlich nicht mehr zu verhindern, aber das schlimmste ist, daß das eigentlich nur das zweitschlimmste ist:
das wirklich schlimmste ist, daß so manchem - insbesondere M. Ahmadinedschad - rational betrachtet eigentlich auch überhaupt gar nichts anderes übrig bleibt;
seine einzige Alternative wäre, sich "geduldig" dem früher oder später kommenden nächstem taktischen Krieg zu beugen (ob der nun w. der Religion oder wg. des Ölpreises kommt, kann man sich aussuchen)
Irgendwie steckt im Alter doch Weisheit. Mich interessieren die Details zu den Bündnissen eigentlich garnicht. Im Hintergrund laufen doch oft ganz andere Absichten. Das ist zwar eine allgemeine Unterstellung, doch nicht von der Hand zu weisen, wenn man auf manche Ergebnisse schaut.
Ich erinnere auch an manche Praxis. Ein Doktor benötigt Patienten. Also werden kranke Patienten selbstverständlich gut behandelt, je länger, desto besser. Das darfts du also von 2 Seiten betrachten.
Ich bin der festen Meinung, dass die Atomwaffen die Welt nach dem 2. WK vor noch mehr Leid bewahrt haben. Dies ist aber nur darauf zurückzuführen, dass kein komplett Irrer den roten Knopf unterm Daumen hatte. Einen normalen Krieg kann schon ein teilweise Irrer beginnen, um aber einen atomaren Krieg vom Zaun zu brechen muss man durch und durch unzurechnungsfähig sein. Selbst ein kleiner Teil des heutigen Atomarsenals reicht aus um unglaubliches Leid anzurichten. Ich wage zu behaupten das in einem atomaren Krieg nur 2-5% der heutigen Atomwaffen überhaupt eingesetzt werden würden. Bis zu dieser Menge könnte man das Arsenal also verringern. Weiter runter würde aber keiner gehen, das Vertrauen ist nicht groß genug und kann bei diesem Thema auch nicht groß genug sein. Es bleibt also nur zu hoffen, das niemals ein durch und durch Verrückter an die Waffen kommt. Leider denke ich das dies früher oder später passieren wird.
Daß Helmut Schmidt nicht wie manche Rüstungsgegner die prekäre Situation Deutschlands im Falle eines bewaffneten Konflikt als gegeben hinnahm, sondern es als seine Verantwortung ansah, diese Situation für Deutschland zu ändern, zeichnet ihn als politischen Führer aus. Ich benutze das Wort Führer trotz seiner historischen Belastung, weil es den Unterschied zu anderen Politikern, die lediglich "die politische Verantwortung tragen" verdeutlicht. Diese Politiker sehen es nicht mehr als ihre Verantwortung an, im wohlverstandenen Sinne politische Führung zu zeigen und für das als richtig und möglicherweise unabdingbar Erkannte auch dann noch offensiv einzutreten, wenn es der weit überwiegenden Mehrheitsmeinung widerspricht.
Jedenfalls hat Helmut Schmidt auch durch den NATO-Doppelbeschluß daran gearbeitet, die Situation der Unterlegenheit gegenüber einem potentiellen Gegner zu verändern bzw. dessen neuem Drohpotential ein entsprechendes entgegenzusetzen. Auf lange Sicht hat sich dieses Vorgehen sicher als Erfolg erwiesen, nicht nur wenn man die heutigen Beziehungen zu Russland mit den damaligen zur Sowjetunion vergleicht.
dass Herr Schmidt auch feststellt, dass es die Atomwaffenmächte USA, Russland, GB, Frankreich und China sind, die sich nicht an den Atomwaffensperrvertrag halten. Die Stilisierung des Iran zum Reich des Bösen entlarvt sich damit. Das heißt nicht, dass ich das dortige Regime verteidigen will - es gibt aber mehr von der Sorte, die komischerweise unbehelligt bleiben.
Die Aufstellung von Pershing II Raketen war unsinnig. Die Zahl der Atomwaffen reichte damals dazu aus um die Erdbevölkerung 20 Mal umbringen zu können. Das war nichts als Verschwendung, für mich hätte 1 Mal genügt.
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