Wahlen im Irak Die schlimmsten Jahre sind vorbei
Weniger Terror, mehr Demokratie: Die Iraker wählen am Sonntag ein neues Parlament
© Sabah Arar/AFP/Getty Images

Weniger Terror, mehr Demokratie: Die Iraker wählen am Sonntag ein neues Parlament
Es ist, als ob Bagdad noch nie Farben gesehen hätte und jetzt alle Farbtöpfe dieser Welt über die irakische Hauptstadt ausgeschüttet wurden. Die Straßen sind voll von Plakaten und Postern in schillerndem Orange, Gelb oder Rot, Grün und Lila. Sie lenken für kurze Zeit von den Wunden des Terrors der vergangenen Jahre ab, die in Bagdad so zahlreich sind wie nirgendwo sonst im Irak. Manchmal trägt ein einziges Banner die gesamte Farbpalette. Zwischen den Farben sieht man weibliche und männliche Gesichter, milde lächelnd bis ernst. Sie sollen Vertrauen erwecken und dazu animieren, den Kandidaten zu wählen. Am Tahrir-Platz im Herzen von Bagdad hängen oft mehrere Plakate übereinander, und der Vorbeifahrende hat es schwer, die Gesichter auseinanderzuhalten. Um es dem Passanten etwas leichter zu machen, haben die Wahlstrategen Symbole erfunden, die eine Zuordnung der Gesichter ermöglicht: eine Uhr, eine Waage, ein Stern oder eine Ähre.
Am Sonntag wählen 19 Millionen Iraker ein neues Parlament. Über 6000 Kandidaten bewerben sich um 325 Sitze.
»Es ist wirklich schwierig, die alle auseinanderzuhalten und sich eine Meinung zu bilden«, sagt Ali. Der junge Iraker arbeitet als Fahrer für einen Stellvertreter von Premierminister Nuri al-Maliki. Sein ehemaliger Chef ist Barham Saleh, der vor vier Monaten Ministerpräsident in den kurdischen Autonomiegebieten wurde. Dem habe Ali schon bei den letzten Wahlen gesagt, dass er ihn zwar sehr schätze, aber seine Stimme dennoch jemand anderem geben wollte. »Barham hat gesagt: Okay, es ist deine Entscheidung.« Seitdem nennt Ali ihn seinen Freund. In einem demokratischen Land müsse das möglich sein, sagt er stolz. Auch dieses Mal werde er wieder für Ijad Allawi stimmen und deutet auf die Poster mit dem Stern.
Das staatliche Medienzentrum prophezeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem jetzigen und dem ersten Premierminister der Post-Saddam-Ära. Der erste von der US-Administration eingesetzte Übergangspräsident Iraks, Ijad Allawi, gewann in den letzten Monaten rasant an Beliebtheit. Erstaunlich, denn er hatte die Wahlen im Januar und im Dezember 2005 eindeutig verloren, viele Beobachter räumten ihm keine weiteren Chancen auf ein politisches Amt ein. Doch der Irak verändert sich schnell – und mit dem Land verändern sich die Parteien.
Anstatt für festgefügte Parteien und Allianzen können sich die Wähler nun für eine Person auf einer Liste entscheiden. Politik im Irak braucht Gesichter. Die Provinzwahlen im vergangenen Jahr waren der Testlauf für das neue Wahlsystem. Damals scherte Premierminister al-Maliki mit seiner Dawa-Partei aus der Schiitenallianz aus, schlug einen nationalen, säkularen Kurs ein und gewann. Verdutzt registrierte die religiös geprägte Etilaf den Stimmenverlust und musste feststellen, dass al-Maliki im Trend der Zeit lag.
- Datum 05.03.2010 - 08:03 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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viereggtext - Die Leute haben die Gefahr erkannt, die von den Religiösen ausgeht. Es sieht alles nach einer Demokratisierung aus... Hoffentlich hält sich das Klima, nach dem schmerzlichen Zerschlagen der Saddam-Diktatur sicher ein Segen für die Bevölkerung.
Bemerkenswert ist ja, dass hier noch kein einziger Kommentar zu sehen ist. Sollte der Bush doch das Richtige getan haben?
....wie lange stabilisierende Truppen im Land bleiben. Je kürzer desto weniger wahrscheinlich überlebt die eingeführte Demokratie. Um einiger maßen sicher zu sein, dass sich eine demokratische Ordnung etabliert und robust hält, müssen ca 4 Legislaturperioden die Soldaten bleiben, wenn ich mich recht entsinne. So ist der Abzug der US Truppen im nächsten Jahr hier hinsichtlich gefährlich und man sollte überlegen, ob nicht UNO oder Nato Soldaten dort zu stationieren wären. Lassen wir das Land in eine Diktatur zurück fallen, so wäre das keine sehr elegante Figur.
Bis dieses Land wieder völlig ohne Unterstützung auskommt und alle Truppen abziehen können wird wohl noch eine halbe Ewigkeit vergehen müssen.
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