Seychellen Seeräuber im Paradies
Christian Schmidt-Häuer über die Seychellen und ihren Kampf gegen die Piraten
Dem biblischen Paradies fehlte, worauf die Ausweisung nach dem Sündenfall schließen lässt, ein Gefängnis. Im Paradies der Touristen, auf den Seychellen im Indischen Ozean, soll es daran nicht länger mangeln. Dort wird jetzt ein Hochsicherheitstrakt gebaut, um künftig Piraten einzusperren, statt sie unbestraft zurück nach Somalia zu schicken.
Seeräubern, die in den Hoheitsgewässern der 115 Inseln aufgegriffen werden, soll vor einem neuen Gerichtshof der Prozess gemacht werden. So sieht es ein jüngst verabschiedetes Gesetz vor. Unterstützt von UN und EU, wird der Garten Eden der Reiseprospekte damit – neben Kenia – zum Hauptzentrum für die Strafverfolgung und Inhaftierung somalischer Freibeuter. Die neue Härte des Inselstaates ist ein Akt der Notwehr: Die Seychellen sehen ihre Jachtbuchten und Jagdgründe, die Einnahmequellen aus Tourismus, Fischerei und Meeresfrüchte-Exporten, bedroht. Neun große europäische Fischfangschiffe haben sich aus dem Indischen Ozean bereits zurückgezogen. Die Seeräuber kommen dem Inselreich immer näher: mit automatischen Waffen, Satellitentelefonen und schnellen Schiffen.
Im Mai kaperten sie 200 Seemeilen südlich des Archipels den britischen Frachter Ariana unter der Flagge Maltas und mit 24 ukrainischen Besatzungsmitgliedern. Nördlich der Seychellen versenkte die deutsche Fregatte Bremen im Oktober zwei Piratenboote. 180 Seemeilen nordwestlich des Inselreichs brachten die Freibeuter wenig später einen Chemietanker aus Singapur mit 28 Nordkoreanern auf. Nur knapp einem Angriff entkam der Frachter Felicitas Rickmers der Hamburger Reederei Rickmers; ein Öltanker aus Hongkong wurde mit Raketen beschossen. Am Neujahrstag 2010 entführten die Piraten den unter britischer Flagge fahrenden Frachter Asian Gloria mit 25 Besatzungsmitgliedern aus der Ukraine, Bulgarien, Rumänien, Indien.
Das ist ein Bruchteil der Beutezüge. Die Überfälle lassen nicht nur die vom Tourismus sonst so gern besungene Piratenromantik schockierend unzeitgemäß erscheinen. Sie enthüllen zugleich die reale Tristesse der modernen Seeschifffahrt unter Billigflaggen (man möchte sagen: schwarzen Flaggen) und mit abenteuerlich zusammengewürfelten Besatzungen aus Billiglohnländern. Wären es nur die großen Schiffe auf hoher See, die Somalias Seeräuber entern, könnten die Seychellen zumindest noch mit ihrer alten Position der Abgeschiedenheit werben: »1000 Meilen von irgendwo«. Nur brachten die Piraten auch schon eine Touristenjacht auf und entführten britische Weltumsegler. Der Werbespruch der Seychellen ist dadurch nachhaltig beschädigt.
Seit die internationale Armada und die EU-Mission vor den somalischen Küsten patrouillieren, weichen die Freibeuter gen Osten aus – in Richtung Seychellen. Deshalb entschieden die Europäer im vergangenen Mai, ihre Operation Atalanta, an der sich auch die Bundesmarine beteiligt, bis in die Gewässer der Seychellen auszudehnen. Atalanta war der Name einer jungfräulichen Jägerin aus der griechischen Mythologie — was einiges aussagt über das Selbstbild der schwer bewaffneten europäischen Einsatztruppe.
Der Hochsicherheitstrakt, den die Bewohner der Seychellen jetzt im internationalen Interesse bauen, wäre früher allerdings reine Verschwendung gewesen. In kolonialer Zeit setzte man Rebellen, Räuber, Opfer von Intrigen, Huren, geraubte Kinder auf entlegenen Inseln zur Fronarbeit ab. Die Eilande hießen »Gefängnisse ohne Mauern«.
- Datum 08.03.2010 - 07:16 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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...endlich mal ein konkreter Schritt,diesem Unwesen Einhalt zu gebieten.Die EU und andere Staaten sollten den Seychelloises dankbar sein,denn ich hoffe,der Knast wird kein Vergnügen sein,eher das Gegenteil und hoffentlich auch ohne Einfluss unser Gutmenschen aus Europa.In Asien weiss man schon mit Gefangenen umzugehen,Afrika steht da nicht nach,so sehe ich eine Chance,dem Unwesen wenigstens in südlicher Richtung beizukommen.Ok,westliche Überfischer haben die somalischen Gewässer geplündert,aber deutsche Fischer in ähnlicher Situation lassen Stötebecker auch nicht wiederaufleben.
...dass anders als in Kenia die Gefangenen, die wir abschieben, nicht an Tuberkulose und HIV erkranken, während sie menschenwürdig ungewaschen hungern und dürsten.....
...dass anders als in Kenia die Gefangenen, die wir abschieben, nicht an Tuberkulose und HIV erkranken, während sie menschenwürdig ungewaschen hungern und dürsten.....
die Seeräuber suchen sich die Reste die von den Reichen vom Tisch fallen durch Raub.
Besser wäre es dieses ihnen ins Land zu tragen durch Schaffung von Arbeitsplätze. ..... Aber da kommt mir der Verdacht das kriminelle Machenschaften aus West und Ost die roten Fäden in der Hand haben?
Seychellen Paradies, das war einmal!
Kallewestrich: Die Urlauber freuen sich ungemein, wenn die Piraten in ihrer Nähe in der Sonne dörren, wiegen sich in Sicherheit und buchen noch mehr bei XY ...
...dass anders als in Kenia die Gefangenen, die wir abschieben, nicht an Tuberkulose und HIV erkranken, während sie menschenwürdig ungewaschen hungern und dürsten.....
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