Arbeitsmarkt Die BilligkräfteSeite 2/2
»Zunächst mag es erstaunen, dass die jungen Männer und Frauen sich hinsichtlich der Arbeitsteilung so eindeutig dafür entscheiden, dass im Wesentlichen die Mutter ihre Berufstätigkeit einschränkt«, schreiben die Forscher. »Wenn man allerdings die unterschiedlichen Einkommen von Männern und Frauen betrachtet, ist dies aus kurzfristiger Perspektive eine sehr rationale Entscheidung.« Erst langfristig, vor allem nach Trennungen, erweist sich mancher Teilzeitjob als Falle, weil Entwicklungschancen und Rentenansprüche schlechter sind.
Für die Debatte um Hartz IV, angeblich faule Arbeitslose und Guido Westerwelle ergeben sich aus all diesen Zahlen drei Konsequenzen.
Armut ist nicht gleich Niedriglohn:
Erstens ändert sich der Blick auf den Zusammenhang von Niedriglöhnen und Armut. Längst nicht jeder, der einen schlecht bezahlten Job hat, lebt in Armut. Jeder dritte Minijob, das zeigen die Zahlen aus dem jüngsten Mikrozensus, wird von einem Beschäftigten ausgeübt, der in einem Haushalt mit weiteren Erwerbseinkommen lebt. Das ist kein Grund, der Friseurin in Thüringen eine bessere Bezahlung oder einen gesetzlichen Mindestlohn zu verwehren. Es ändert aber den Blick auf Armut im Land und auf die Frage, ob in der Arbeitswelt früher alles besser war. Heute gibt es weniger Haushalte mit einem einzigen Erwerbseinkommen und mehr mit eineinhalb Verdienern. Das bedeutet in den meisten Fällen mehr Wohlstand, nicht weniger.
Hartz IV ist für viele gar keine Alternative:
Zweitens hat ein Blick auf Frauen mit Niedriglohnjobs auch eine direkte Folge für die Debatte über Lohnabstand. Wer mit einem gut verdienenden Partner zusammenlebt, hat in der Regel keinen Anspruch auf Hartz IV. Er oder sie lebt in einer sogenannten Bedarfsgemeinschaft, in der die Partner füreinander einstehen müssen, bevor der Sozialstaat zahlt. So erklären sich viele extrem niedrige Fraueneinkommen: Die verheiratete Friseurin beispielsweise arbeitet oft auch deswegen für wenig Geld, weil die Alternative Hartz IV für sie schlicht nicht besteht. Entweder Billigjob oder Finanzierung durch den Ehemann sind ihre Alternativen.
Billig arbeiten ist oft ein Einstieg:
Drittens wirft der Blick auf die gering bezahlten Frauen die Frage auf, ob nicht viele von ihnen aus nachvollziehbaren, rationalen Gründen für wenig Geld arbeiten. Kennt nicht jeder eine junge Akademikerin, die nach der Geburt ihres ersten Kindes schnell in den Job zurückkehrt, obwohl die Betreuung ihres Kindes fast das komplette Gehalt aufzehrt? Arbeitsmarktforscher loben so etwas als Investition in die employability – als sinnvolle Maßnahme, um im Job nicht den Anschluss zu verlieren.
Genau dieses Kalkül sollte man auch vielen Niedriglohnjobbern zugestehen. Wer weiß, wie viele Friseurinnen vorübergehend für wenig Geld arbeiten, weil sie darauf spekulieren, später den Salon der Chefin zu übernehmen? Und, noch wichtiger: Warum eigentlich gilt eine in Teilzeit arbeitende Erzieherin, die wenig verdient, aber ihre Arbeit liebt, in der Öffentlichkeit plötzlich als »die Dumme«, weil sie nicht stattdessen Hartz IV bezieht?
Es sei rational, vom Geld des Staates zu leben, wenn der Transfer über dem Arbeitssalär liege, heißt es dieser Tage in vielen Kommentaren. Dabei wird übersehen, wie viele Menschen gern arbeiten – oder eben ganz rational ihre langfristigen Perspektiven am Arbeitsmarkt verbessern wollen.
All das ändert nichts daran, dass es unfair ist, für Friseurinnen weniger pro Stunde zu zahlen, als ein Mittagessen kostet. Aber womöglich sind solche Hungerlöhne ein Übergangsphänomen. Auf Dauer werden Frauen sich nicht damit zufrieden geben, erst die besseren Noten und später die kleineren Gehälter zu haben. Sie werden sich bessere Einkommen erkämpfen.
Noch sind die Umfragen widersprüchlich. Einerseits wollen Mütter Teilzeitstellen. Andererseits ergab eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung gerade, dass sie häufig unzufrieden sind, wenn sie diese Stellen haben. Das spricht dafür, dass sie etwas ändern werden.
Dass die weibliche Hälfte der Bevölkerung schon innerhalb einer Generation gleich gute Jobs findet wie die männliche Konkurrenz – vielleicht ist das einfach zu viel verlangt.
- Datum 05.03.2010 - 16:24 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
- Kommentare 39
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Der Artikel über Herrn H. ist nur zum erbrechen und lenkt doch nur vom eigentlichen Thema ab. Genauso wie Herr W. mit seinem Geschwätz über das alte Rom usw. usw.
zwischen den Sklavenlohnerpressungen, die wir heute in Deutschland auf dem Billiglohnsektor in den diversen Wirtschaftsunternehmen in immer extemistischerer Weise vorfinden und den Armutsprostituierten aus dem Osten, die in den Wohlstandhochburgen Stuttgart, München, Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg, Leipzig, Dresden und Berlin sich inzwischen sogar für weniger als 30 EURO auf den Rücken legen, damit unsere entsprannungsbedürftigen Leistungsträger und Exzellenzelitarier sich auf Lau entsorgen können.
Es ist noch ein Ergebnis der geistig-moralischen Wende der Herren Kohl und Genscher, die aus Deutschland faktisch ein gewaltiges Zwangsarbeitslager gemacht haben, in dem die Drohung der Arbeitslosigkeit faktisch die Funktion der Maschienengewehre ausüben und die Drohung mit der Kürzung des ALG-II-Geldes die Funktion des unter Strom gesetzen Stacheldrahtzaunes.
Das ist sind die blühenden Länder, in denen heute nicht nur im Mezzogiorno des deutschen Ostens die Menschen immer gewissenloser entwürdigt, entrechtet und entehrt werden. Es ist das Land, in dem schon früher der Tod ein Meister gewesen ist und in dem die Reisevorbereitungen für die "nicht mehr benötigten Erwerbslosen" schon in vielerlei Art und Weise durchdacht werden.
Ob es eine Reise durch die Luft wird, oder ob man denen einfach die medizinische Versorgung optimiert, ist noch offen. Aber - wir sollten nicht überrascht sein, wenn die Mortalität unter ALG-II-Beziehern bald dramatisch ansteigt und die Kosten reduziert.
... eine kleine Kritik.
Ich habe noch nie gehört das jemand als "Dumm" bezeichnet wurde weil er lieber für wenig Geld arbeiten geht als H-IV bezieht.
Jeder der sein Geld ehrlich verdient (oder verdienen will) verdient Respekt, egal ob er irgendwo Teller wäscht oder am offenen Herzen operiert.
Zumindest bei mir.
Ehrlich gesgat, finde ich es zwa rnicht dumm wenn jemand hart arbeitet obwohl er es leichter haben kann, aber ich finde es unnötig und kontraproduktiv. Je mehr menschen bereit sind billige Arbeitskräfte zu sein, die unter schlechten Bedingungen ihre Firmenbosse reicher machen, desto mehr werden solche Jobs auch entstehen und desto weniger wird es jobs geben, die die menschen auf wirklich ernähren können. Eine Putzfrau hat mehr verdient. Die Hotels können sich das leisten. Sie müssen es abe rnicht, also lassen sie es. es mus druck entstehen auf diese Unternehmen, die die Menschen ausnutzen. Mindestlohn muss her. Das Bundesverfassungsgericht hat es doch klar gesgat: Es geht um die Würde des Menschen.
Daher finde ich es bescheuert sich damit zu rühmen, auch schlechte Jobs unter schlechten Bedingungen anzunehmen. Ich finde das mus sjeder für sich entscheiden. Im endeffeckt ist es aber vermutlich besser derartige Bedingungen abzulehnen, wenn die Möglichkeit ebsteht. leider ist es ja derzeit so, dass die Hartz 4 Empfänger in solche Jobs gedrängt werden. Sie sollen Billigkräfte sein, unabhängig ihrer Qualifikation. Dieser Neidriglohnsektor ist gut für die Wirtschaft, weil die Löhne ja geringer sind. Aber schlecht für die Menschen. Da die FDP sich mehr für eine starke Wirtschaft interessiert und weniger für ein menschenwürdiges Leben und geeignete Arbeitsplätze (zb durch den ausbau des öffentlichen Beschäftigungssektors) zieht sie Niedriglöhne vor. Tja, die die haben, bekommen mehr.
Ehrlich gesgat, finde ich es zwa rnicht dumm wenn jemand hart arbeitet obwohl er es leichter haben kann, aber ich finde es unnötig und kontraproduktiv. Je mehr menschen bereit sind billige Arbeitskräfte zu sein, die unter schlechten Bedingungen ihre Firmenbosse reicher machen, desto mehr werden solche Jobs auch entstehen und desto weniger wird es jobs geben, die die menschen auf wirklich ernähren können. Eine Putzfrau hat mehr verdient. Die Hotels können sich das leisten. Sie müssen es abe rnicht, also lassen sie es. es mus druck entstehen auf diese Unternehmen, die die Menschen ausnutzen. Mindestlohn muss her. Das Bundesverfassungsgericht hat es doch klar gesgat: Es geht um die Würde des Menschen.
Daher finde ich es bescheuert sich damit zu rühmen, auch schlechte Jobs unter schlechten Bedingungen anzunehmen. Ich finde das mus sjeder für sich entscheiden. Im endeffeckt ist es aber vermutlich besser derartige Bedingungen abzulehnen, wenn die Möglichkeit ebsteht. leider ist es ja derzeit so, dass die Hartz 4 Empfänger in solche Jobs gedrängt werden. Sie sollen Billigkräfte sein, unabhängig ihrer Qualifikation. Dieser Neidriglohnsektor ist gut für die Wirtschaft, weil die Löhne ja geringer sind. Aber schlecht für die Menschen. Da die FDP sich mehr für eine starke Wirtschaft interessiert und weniger für ein menschenwürdiges Leben und geeignete Arbeitsplätze (zb durch den ausbau des öffentlichen Beschäftigungssektors) zieht sie Niedriglöhne vor. Tja, die die haben, bekommen mehr.
Da immer mehr Frauen selbständig werden, werden ja auch die Billigjobs für Frauen verschwinden, nicht wahr?
Auf jeden Fall ist diese Form von Sklaverei von unseren Herrschenden bewußt herbei geführt worden und sie wird bewußt betrieben. Völlig absurd finde ich in diesem Zusammenhang, daß es solche Berufe wie "Bäckereifachverkäuferin" gibt: die Ausbildungszeit ist eindeutig schlimmste Ausbeutung bei geringstem Gehalt, da gibt es nicht viel zu lernen.
Frauen arbeiten zu diesen Löhnen, weil sie sich nicht wehren.
Sollen halt mal die Anzugschnösel ihre Büros selber putzen.
Ja und Nein. Sicher geht Emanzipation nicht ohne eigeninitiative. Aber es sit dennoch ein Gesamtgesellschaftliches Problem, dessen Lösung von allen angegangen werden muss. Ich finde es tragisch, dass in Deutschland Frauen häufiger Abitur machen, und dennoch wesentlich weniger verdienen und die schlechterten Jobs bekommen. Das kan man nur mit Sexismus erklären.
Eher mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, mit der Weigerung des Gesetgebers, flaechendeckende Mindestloehne einzufuehren und der Weigerung der sogenannten Arbeitgeber, gleichen Lohn fuer gleiche Arbeit zu zahlen. Vieleicht ist auch ein bischen Sexismus dabei.
Ja und Nein. Sicher geht Emanzipation nicht ohne eigeninitiative. Aber es sit dennoch ein Gesamtgesellschaftliches Problem, dessen Lösung von allen angegangen werden muss. Ich finde es tragisch, dass in Deutschland Frauen häufiger Abitur machen, und dennoch wesentlich weniger verdienen und die schlechterten Jobs bekommen. Das kan man nur mit Sexismus erklären.
Eher mit dem Gesetz von Angebot und Nachfrage, mit der Weigerung des Gesetgebers, flaechendeckende Mindestloehne einzufuehren und der Weigerung der sogenannten Arbeitgeber, gleichen Lohn fuer gleiche Arbeit zu zahlen. Vieleicht ist auch ein bischen Sexismus dabei.
"Auf Dauer werden Frauen sich nicht damit zufrieden geben, erst die besseren Noten und später die kleineren Gehälter zu haben."
Wenn die Friseurin die besseren Noten (als wer eigentlich?) hatte, ergibt ihre Berufswahl keinen Sinn. Wieso geht eine Frau in einen Beruf, der seit vielen Jahren als Niedriglohnbereich mit schlechten Möglichkeiten bekannt ist, Kinderbetreuung nutzen zu können.
Ich halte diesen Artikel für etwas schief gegangen.
Achso, sind die doch selber schuld, wenn die berufe wählen die kein geld bringen. Also Frisör fällt weg. Wie wäre es mit Lufttechniker? Hm..800€ Netto. Auch nicht das wahre. Wie ewäre es mit Kellnern? Bauarbeit? Verkauf? Langsam gehen die Bereiche aus, in denen noch ein vernünftiger Lohn gezahl wird. Ich finde es schlimm wenn Sie behaupten, die Frauen seien selber schuld. Un das "als wer" ist doch klar: Frauen haben /im Durchschnitt/ häufiger Abtiru und bessere Noten. Und DENNOCH hinterher, wenn es darum geht von Menschen angestellt zu werden, die schlechteren Karten.
Aber in der tat sind menschen die in der reinigung tätig sind, selten besser qualifiziert. Da ist es aber dennoch sehr bedenklich, dass Frauen mehrheitlich derartige Berufe bekleiden. Irgendwo läuft was schief.
Achso, sind die doch selber schuld, wenn die berufe wählen die kein geld bringen. Also Frisör fällt weg. Wie wäre es mit Lufttechniker? Hm..800€ Netto. Auch nicht das wahre. Wie ewäre es mit Kellnern? Bauarbeit? Verkauf? Langsam gehen die Bereiche aus, in denen noch ein vernünftiger Lohn gezahl wird. Ich finde es schlimm wenn Sie behaupten, die Frauen seien selber schuld. Un das "als wer" ist doch klar: Frauen haben /im Durchschnitt/ häufiger Abtiru und bessere Noten. Und DENNOCH hinterher, wenn es darum geht von Menschen angestellt zu werden, die schlechteren Karten.
Aber in der tat sind menschen die in der reinigung tätig sind, selten besser qualifiziert. Da ist es aber dennoch sehr bedenklich, dass Frauen mehrheitlich derartige Berufe bekleiden. Irgendwo läuft was schief.
Automatischer DVD-Verleih, vollautomatische Waschanlagen, vollautomatische Holzverarbeitung, menschenleere Fabriken usw usw usw.
Wir sind von harter Arbeit endlich befreit. Das sollten wir in unser Verständnis von Gesellschaft einfließen lassen. Wer die Finanzierung eines Gesellschaftssystems über eine auslaufende Steuerquelle gewährleisten möchte, der hat Tomaten auf den Augen und Bohnen in den Ohren. Kinder sind weniger naiv als das, was sich da oben Politiker schimpft.
Steuerfreiheit für Unternehmen und Arbeiter. Konsum als Finanzierungsquelle von heute und moren. Grundeinkommen als Grundlage menschlicher Entwicklung.
Ja, früher oder später wird es dann doch zum bedinungslosen Grundeinkommen kommen. Es gibt keine andere Zukunftsträchtige Lösung. Ausser man möchte soziale unruhe und Armut von tausenden, wie etwa in den USA, in kauf nehmen. Hm, irgendwann werden wir schon alle links einbiegen. nur wird es wohl dann "Die superneue Mitte" heissen, damit die bösen Linken nicht recht behalten ;)
Ja, früher oder später wird es dann doch zum bedinungslosen Grundeinkommen kommen. Es gibt keine andere Zukunftsträchtige Lösung. Ausser man möchte soziale unruhe und Armut von tausenden, wie etwa in den USA, in kauf nehmen. Hm, irgendwann werden wir schon alle links einbiegen. nur wird es wohl dann "Die superneue Mitte" heissen, damit die bösen Linken nicht recht behalten ;)
Ein Artikel über Frauenlohn ohne Männerbashing, sondern hinweis auf sinnvolle Überlegungen von Frauen und verdeckte Statistik-Effekte.
Die Skepsis nach der Überschrift legte sich.
Guter Hinweis: Arbeit kann auch einfach Freude machen, selbst man monetär nicht reich wird. Warum weniger Geld immer als weniger gut gleichgesetzt wird, verstehe ich sowieso nicht. Geld drückt Marktwert aus - nicht mehr und nicht weniger.
Entscheidend ist doch beim Lohn, dass es in der Familie zusammen zum Leben reicht - Verteilung hin oder her. Wenn beide drum kämpfen, potentiell immer auch allein leben zu können, ist die Beziehung eigentlich schon im Eimer.
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