Paris Stadt, Land, JazzSeite 5/5
Eines Abends, zu Besuch bei Freunden, trat ich in einen schachtartigen Innenhof, in dem vollkommene Stille herrschte. Nach Monaten des Lärms und der Aufregung war diese Stille wie ein Schock, wie ein plötzliches Erwachen. Ich hatte mich an Paris gewöhnt, aber die Stadt war eine dauernde Überforderung geblieben. Von nun an ging ich nicht mehr so oft aus und fing an, meine Freunde zu meiden und statt im Restaurant in meinem Zimmer zu essen. Ich saß am Fenster und schaute stundenlang in die Hinterhöfe, las wieder mehr, spazierte alleine durch die Stadt. Mein Bedürfnis, all das Erlebte und Gesehene in eine Form zu bringen, wurde immer stärker, und ich begann, erste Texte zu schreiben auf der alten Hermes-Schreibmaschine im Büro, auf der ich sonst die Kontenblätter nachführte. Manche dieser Texte waren nur ein paar Zeilen lang, kleine Szenen, Stimmungen und allerlei altkluge Gedanken. Fast alles ist verloren, aber ein paar Fragmente, ein paar Erinnerungen haben es in einen ersten Roman geschafft, den ich kurz nach meiner Rückkehr in die Schweiz schrieb.
»Damals war ich glücklich. (...) Auf dem kleinen Ruderboot im Bois de Boulogne in Paris, mit einem guten Freund und dieser Schweizerin, die ich ja eigentlich gar nicht gemocht habe, aber die so lebendig und sonnenverbrannt war wie der Sommer im Park, mit ihrem kurzen, weißen Rock und den braunen Armen und Beinen.«
Der Roman hieß nach einem Zitat von Charles Baudelaire Ein Traum von Stein und begann und endete in einem Zug nach Paris. Er fand – völlig zu Recht – keinen Verleger. Aber er war ein Anfang wie meine Reise nach Paris, von der ich nie wirklich zurückgekehrt bin.
- Datum 13.03.2010 - 17:46 Uhr
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- Serie Reise meines Lebens
- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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Hat mich an meine eigene Zeit in Paris erinnert. Die Stadt prägt einfach und lässt einen nicht mehr los.
aus seide. ich erinnere mich gut als wir unsere abschlußfahrt mit der schule dorthin machten. zwei wochen insgesamt, von kassel bis saint marie de la mere, zum zigeunertreffen.
aber diese eine nacht in paris, nur ein zwischenstopp, aber unvergesslich. in der mensa hatten wir studenten kennengelernt. trotz ausgehverbot trafen wir uns mit ihnen, gingen in discos, bistros und landeten im morgengrauen in den hallen (die es damals noch gab), zwischen rinderhälften, bergen von gemüse, käse, blumen. auf dem rückweg ins hotel tanzten wir rock´n roll auf einer brücke über der seine.
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