Philippinen So könnte es weitergehenSeite 4/4
© Paolo Picones/Polaris/StudioX für DIE ZEIT

Jun Labo behandelt mit bloßen Händen, ohne Messer und Skalpell
Am Montag fährt eine Blonde, Anfang 50, aus Aschaffenburg, mit uns im Bus zum Heiler hinauf. Auf die Ärzte daheim gibt sie nichts mehr, doch hier bei Jun Labo bereitet sie sich auf ein schier ewiges Leben vor. Ihr Begleiter steckt uns Heftchen zu, die den Kreislauf der Wiedergeburten erklären. Von nun an fliehen wir, sobald die beiden an der Bushaltestelle auftauchen, und nehmen an der nächsten Ecke ein Jeepney oder ein Taxi.
In Labos umfunktioniertem Zoo schleicht manchmal auch ein athletischer Hüne aus Kalifornien herum. Gelegentlich darf er während der Operationen neben Labo stehen, manchmal kniet er auch nur in der Kapelle und trägt einen besonders heiligen Ernst vor sich her, ganz anders als Labo, der immer mit Kippe auftaucht. Eines Morgens, als die Blonde sich bereits ausgezogen hat, bekommt sie einen Heulkrampf. Man weiß nicht, was passiert ist. Rundum Betretenheit. Auch der Meister ist irritiert. Als er sie zur Seite nimmt, stellt sich heraus, dass der Amerikaner, der sich als Labos Schüler ausgibt, ihr ins Ohr geflüstert hat, ihre Energieströme seien versiegt, sie werde bald sterben.
Schneller als erwünscht kommt der letzte Behandlungstag. Ginge es nach uns, könnte es noch eine Weile so weitergehen: im samtenen Morgenlicht den Berg hinauf, eine kurze Blutzauberei und dann wieder ans Meer hinab. Wie jeden Tag stecken wir dem Zahnlosen ein paar Münzen zu, nur dass Jun Labo heute mit ihm eine raucht und uns zum Abschied ein Kreuz auf die Stirn zeichnet. God bless and bye!
Ein allerletzter Gang durch den Zoo, vorbei an den japanischen Miniaturtempelchen und dem aufgemalten, an Gittern rüttelnden Gorilla, den leeren Volieren und Steinfiguren. Schließlich die letzten Stunden am Meer und nachts nach Manila, wo wir im ersten Morgenschimmer auf dem obersten Balkon eines Hotelhochhauses stehen und auf einmal tausend Hähne zu krähen anfangen, als seien wir in einem Dorf, das sich ins Endlose erstreckt.
Und dann wieder daheim. Man will wissen, wie es gewesen sei. Und was es gebracht habe. Und wie man sich so etwas erklären könne. Doch wir können nichts erklären. Nicht einmal gespalten fühlen wir uns zwischen dieser und jener Welt. Wie die Sonnenuntergänge am Meer schienen diese Operationen nach ein paar Tagen zur Normalität zu gehören. Ein befreundeter Röntgenologe, der erst jetzt von unserer Reise erfährt, hat fast Mitleid mit uns. Er will solche Phänomene vor Ort längst untersucht haben, weshalb er mit Sicherheit weiß, dass es sich um Hühnerklein handelt, das dieser Heiler da jedes Mal aus dem Ärmel schüttelt. Also müssen wir blind gewesen sein. Hühnerklein bei hochgekrempelten Ärmeln, das nicht im Geringsten nach Hühnerklein aussah. Wieder andere sind ärgerlich, weil wir nicht wenigstens einen kleinen Fleischfetzen mitgebracht haben. Als Souvenir und Beweisstück. Jene seitenlangen Notizen, die ich mir gemacht habe, handeln von allem Möglichen, nur nicht von der Frage, wie so etwas möglich sein kann. Vielleicht ist uns dort unten sogar das Staunen abhandengekommen. Es hatte nicht einmal mit Verwirrung zu tun. Und noch weniger mit einer Bekehrung, die uns auf einmal an Wunder hätte glauben lassen. Es war, wie es war.
- Datum 14.03.2010 - 18:28 Uhr
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- Serie Reise meines Lebens
- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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Egal ob Hähnerkleie oder Tumor, ich würde gerne wissen wie der Gesundheitszustand Mannis ist? Hat es was gebracht? Wieso wird dieser Punkt ausgespart?
Wie geht es Manni heute? Wurde er geheilt? Wieso wurde das nicht im Artikel erwähnt? Das scheint mir das Wichtigste. Es ist doch egal, wie jemand geheilt wird, solange er geheilt wird!
Mich würde aber eben interessieren ob Manni geheilt wurde.
mfg
Mich würde aber eben interessieren ob Manni geheilt wurde.
mfg
Mich würde aber eben interessieren ob Manni geheilt wurde.
mfg
Ich würde das auch gerne wissen was schlussendlich bei rausgekommen ist.
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