Niedriglohn Das Einmaleins der kleinen Gehälter
Berlin will den Abstand zwischen Löhnen und Transfers erhöhen. Berechnungen zeigen: Dafür müsste Schwarz-Gelb die Sozialbeiträge senken – nicht die Steuern
© dpa

Arbeiten zum Niedriglohn: Frittenverkäufer gehören nicht zu den Spitzenverdienern
Selten hat ein einleuchtender Satz für so viel Kopfschütteln gesorgt. »Wer arbeitet, soll mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet«: Der FDP-Chef sagt das momentan ständig und oft voller Empörung – und die Köpfe werden geschüttelt, weil nicht klar ist, wem genau er damit eigentlich widerspricht.
Die Union hat 2009 mit fast gleichlautenden Formulierungen Wahlkampf gemacht. Die SPD redet ähnlich und begründet damit gesetzliche Mindestlöhne. Selbst die Grünen werben seit Längerem für dasselbe Ziel. Sie wollen allerdings insbesondere die Sozialabgaben für Geringverdiener senken.
Tatsächlich ließe sich das Ziel auf verschiedenen Wegen erreichen. Wenn der Abstand zwischen Nettoeinkommen und Sozialtransfers größer werden soll, um den Anreiz zur Arbeitsaufnahme für Arbeitslose zu erhöhen, gibt es dafür vor allem drei Methoden: Erstens kann man die Zahlungen für Arbeitslose senken – das fordern allerdings nicht einmal die Liberalen, es wäre wohl auch schwer mit dem gerade gesprochenen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Berechnung der Hartz-IV-Regelsätze vereinbar. Zweitens kann man Mindestlöhne für Geringverdiener einführen. Das wollen die Liberalen auf keinen Fall. Drittens ließen sich die Sozialabgaben für Bezieher kleiner Einkommen verringern, damit von ihren Bruttogehältern am Ende mehr übrig bleibt.
Union und FDP planen dagegen vor allem Steuersenkungen. Bloß, die helfen dem Problem kaum ab, wie gerade erst wieder Berechnungen des Paritätischen Gesamtverbandes zeigen. Denn unter den Niedriglöhnern zahlen allenfalls die Singles einige Steuern, die aber bei festangestellten Berufstätigen in fast allen Fällen niedriger sind als die Sozialabgaben. Wenn die Geringverdiener dann noch Kinder haben, das zeigen die Berechnungen deutlich, bleiben Bezieher kleiner Einkommen meistens steuerfrei.
So zahlt eine vollzeitbeschäftigte Verkäuferin mit einem Bruttolohn von 1878 Euro im Monat lediglich 198 Euro Lohnsteuer und 11 Euro Solidaritätszuschlag, wenn sie Single ist. Eine Alleinerziehende mit gleichem Einkommen, die ein Kind hat, zahlt 170 Euro Lohnsteuer, eine Familie mit einem Kind und nur dem einen Verkäuferinnengehalt berappt gar nur 25 Euro.
Die Lohnnebenkosten sind in allen Fällen fast gleich hoch – und in jeder Konstellation höher als die Steuerlast. 187 Euro für die Rentenversicherung, 26 Euro Arbeitslosenbeitrag, 148 Euro für die Krankenversicherung und 23 Euro für die Pflegekasse summieren sich auf 404 Euro. So viel muss die allein lebende Verkäuferin zahlen. Für die Eltern ist der Pflegebeitrag fünf Euro niedriger, weil bei der Pflegekasse nach Beitragszahlern mit und ohne Kinder unterschieden wird.
- Datum 09.03.2010 - 13:11 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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Verstehe ich gar nicht? Gibt es denn so viele Arbeitsplätze, die nicht besetzt werden können?
Ich dachte ja immer, es gäbe so was bei 0.5 Mio offener Stellen bei 3.5 Mio ALG1 plus 6.5 Mio ALG2? Ist das alles gar nicht wahr?
Knappe Arbeitsplätze wären für mich noch lange kein Grund, eine Beschäftigung aufzunehmen. Für 5 € in der Stunde gehe ich nicht arbeiten. Da hätte ich keine Gewissensbisse, von Transferleistungen zu leben.
Hier ein Angebot das mir ein Kollege zur Erheiterung zugesandt hat.
Agraringenieur für eine Beratungsfirma 40h Woche in Berlin.
Bruttogehalt 1200 - 1500 Euro (Quelle: http://www.jobomat.de/mai...)
Wenn man das nach Steuern sieht, bleiben 910 Euro Netto und für Hartz IV sind es 510 plus Miete und Nebenkosten also etwa genausoviel.
Da müsste man doch heißgewickelt sein, dafür zu arbeiten. Und dann die Sprüche vom Westerwelle zu hören, Leistung muss sich wieder lohnen.
Knappe Arbeitsplätze wären für mich noch lange kein Grund, eine Beschäftigung aufzunehmen. Für 5 € in der Stunde gehe ich nicht arbeiten. Da hätte ich keine Gewissensbisse, von Transferleistungen zu leben.
Hier ein Angebot das mir ein Kollege zur Erheiterung zugesandt hat.
Agraringenieur für eine Beratungsfirma 40h Woche in Berlin.
Bruttogehalt 1200 - 1500 Euro (Quelle: http://www.jobomat.de/mai...)
Wenn man das nach Steuern sieht, bleiben 910 Euro Netto und für Hartz IV sind es 510 plus Miete und Nebenkosten also etwa genausoviel.
Da müsste man doch heißgewickelt sein, dafür zu arbeiten. Und dann die Sprüche vom Westerwelle zu hören, Leistung muss sich wieder lohnen.
Der Immobilienbesitzer bezahlt 0% Sozialabgaben. Sozialabgaben werden zu fast 100% von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bezahlt. Kein Milliardär beteiligt sich daran. Das ist bei der Steuer anders. Da dürfen auch die zahlen, die nicht viel verdienen.
zahlt dafür andere Steuern die der normale Arbeiter nie bezahlt.
Man kann es drehen wie man will, aber einen Schuldigen wird schwierig, bei sovielen.
Ich will hier auch gar nicht den Immobesitzer verteidigen, aber man sollte sich erst informieren bevor man wütend/aufgebrachte Sätze rauslässt die nur die halbe Wahrheit enthalten, nicht bös gemeint :)
Schon einmal etwas von Grundsteuer und Grunderwerbssteuer gehört? Der Immobilien-Besitzer bezahlt immerhin noch Steuern.
zahlt dafür andere Steuern die der normale Arbeiter nie bezahlt.
Man kann es drehen wie man will, aber einen Schuldigen wird schwierig, bei sovielen.
Ich will hier auch gar nicht den Immobesitzer verteidigen, aber man sollte sich erst informieren bevor man wütend/aufgebrachte Sätze rauslässt die nur die halbe Wahrheit enthalten, nicht bös gemeint :)
Schon einmal etwas von Grundsteuer und Grunderwerbssteuer gehört? Der Immobilien-Besitzer bezahlt immerhin noch Steuern.
Knappe Arbeitsplätze wären für mich noch lange kein Grund, eine Beschäftigung aufzunehmen. Für 5 € in der Stunde gehe ich nicht arbeiten. Da hätte ich keine Gewissensbisse, von Transferleistungen zu leben.
... als Ihren Chef zu subventionieren, der damit seinen ansonst bankrotten Laden über Wasser hält.
Gestern gabs da was Meldung über Flat-Rate-Bordelle ...
... als Ihren Chef zu subventionieren, der damit seinen ansonst bankrotten Laden über Wasser hält.
Gestern gabs da was Meldung über Flat-Rate-Bordelle ...
....Augenwischerei, wenn man da unterscheidet zwischen Steuern und Abgaben. Beide gehen vom Einkommen weg. Auch die Arbeitgeberbeiträge gehen letztlich zu Lasten des Beschäftigten. Natürlich auch ist wichtig zu sehen, wer was zahlt, da dies Reaktionen der Wirtschaftspersonen Einfluss nimmt.
... als Ihren Chef zu subventionieren, der damit seinen ansonst bankrotten Laden über Wasser hält.
Gestern gabs da was Meldung über Flat-Rate-Bordelle ...
zwar gebe ich ihnen recht, daß bezieher anderer einkommensarten als lohn/gehalt (mieten, pachten, renditen, zinsen etc.) stärker rangezogen werden sollten
zu sagen, daß nur sv-pflichtige den sozialstaat finanzieren ist aber auch wieer nicht richtig. wenn das so wäre, würden sowohl die renten (80 milliarden jährlicher steuerzuschuß) als auch die gkv schon längst zusammengebrochen sein. so ehrlich muß man schon sein.
Es ist eine Tatsache, dass die Lohnnebenkosten zu hoch sind.
Man kann weiter davon ausgehen, dass der einzige Vorschlag, der im Moment zur Vefügung steht und daran etwas ändern könnte, die Kopfpauschale ist.
Natürlich kommt es sehr auf die Ausgestaltung an. Leider zeigt die Opposition nicht das geringste Interesse daran, die Anwaltschaft für die kleinen Leute zu übernehmen. Sie ist leider nur daran interessiert, die Kopfpauschale um jeden Preis zu verhindern.
Ansonsten ist es leider praktisch ausgeschlossen, die Sozialabgaben kurzfristig zu senken, weil die Ausgaben der Sozialversicherungen erstmal nicht gekürzt werden können.
Kompensation über Steuern trifft in der Tat nicht die Niedrigverdiener, wohl aber die Durchschnittsverdiener, auf deren Kaufkraft wir angewiesen sind.
Würden deren Nettoeinkommen steigen, würden mittelbar auch die Niedrigverdiener profitieren. Einmal durch die gestärkte Kaufkraft, zum Anderen dadurch, dass Gehaltssteigerungen wieder attraktiver werden, weil die Progression sie nicht marginalisiert.
Damit würde finanzieller Aufstieg aus dem Niedriglohn deutlich erleichtert, die Schere der Einkommensspreizung würde entgegen einer laienhaften Erwartungshaltung sinken.
Da die Differenz der Bruttolöhne zwischen Niedrigen bis zu hohen Gehältern für relativ kleine Nettogewinne nicht mehr so extrem hoch sein müssen.
H.
"Es ist eine Tatsache, dass die Lohnnebenkosten zu hoch sind."
Nein, dass ist lediglich eine Behauptung. Und obendrein eine falsche Behauptung.
Richtig wäre höchstens Formulierungen "... wurden von den Arbeitgebern definiert ... " oder "... bezahlte Propagandisten verbreiten ... " oder so was.
"Es ist eine Tatsache, dass die Lohnnebenkosten zu hoch sind."
Nein, dass ist lediglich eine Behauptung. Und obendrein eine falsche Behauptung.
Richtig wäre höchstens Formulierungen "... wurden von den Arbeitgebern definiert ... " oder "... bezahlte Propagandisten verbreiten ... " oder so was.
Hier ein Angebot das mir ein Kollege zur Erheiterung zugesandt hat.
Agraringenieur für eine Beratungsfirma 40h Woche in Berlin.
Bruttogehalt 1200 - 1500 Euro (Quelle: http://www.jobomat.de/mai...)
Wenn man das nach Steuern sieht, bleiben 910 Euro Netto und für Hartz IV sind es 510 plus Miete und Nebenkosten also etwa genausoviel.
Da müsste man doch heißgewickelt sein, dafür zu arbeiten. Und dann die Sprüche vom Westerwelle zu hören, Leistung muss sich wieder lohnen.
> Hier ein Angebot das mir ein Kollege zur Erheiterung
> zugesandt hat.
> Agraringenieur für eine Beratungsfirma 40h Woche in Berlin.
> Bruttogehalt 1200 - 1500 Euro
> Wenn man das nach Steuern sieht, bleiben 910 Euro Netto und
> für Hartz IV sind es 510 plus Miete und Nebenkosten also
> etwa genausoviel.
> Da müsste man doch heißgewickelt sein, dafür zu arbeiten.
Tja, genau wegen so Ideen konnte die FDP mit ihrer Stammtischpolemik an die Macht kommen.
Es gibt Transferleistungen in Deutschland. Diese sind für Notfälle gedacht und werden von der Gemeinschaft aller Einzahler getragen. KEINER sollte davon ausgehen, dass er ein (moralisches) Anrecht darauf hat. Wenn jemand die Möglichkeit hat, mit einem Job dasselbe Einkommen zu verdienen, das er durch Transferleistungen erhält (beachte "verdienen" und "erhalten"), dann hat er das auch gefälligst zu tun. Außerdem ist dies gleichzeitig die Möglichkeit, von dort wieder etwas besseres zu suchen. Nichts ist negativer für eine Personalabteilung als ein Arbeitsloser.
Dass es in diesem Verwalterstaat allerdings an pragmatischen Regelungen mangelt (so wird z.B. das ALG-I nach einer schlechter bezahlten Anstellung auf ein niedrigeres Niveau gekürzt), die absolut kontraproduktiv sind, steht leider auf einem ganz anderen Blatt.
j
> Hier ein Angebot das mir ein Kollege zur Erheiterung
> zugesandt hat.
> Agraringenieur für eine Beratungsfirma 40h Woche in Berlin.
> Bruttogehalt 1200 - 1500 Euro
> Wenn man das nach Steuern sieht, bleiben 910 Euro Netto und
> für Hartz IV sind es 510 plus Miete und Nebenkosten also
> etwa genausoviel.
> Da müsste man doch heißgewickelt sein, dafür zu arbeiten.
Tja, genau wegen so Ideen konnte die FDP mit ihrer Stammtischpolemik an die Macht kommen.
Es gibt Transferleistungen in Deutschland. Diese sind für Notfälle gedacht und werden von der Gemeinschaft aller Einzahler getragen. KEINER sollte davon ausgehen, dass er ein (moralisches) Anrecht darauf hat. Wenn jemand die Möglichkeit hat, mit einem Job dasselbe Einkommen zu verdienen, das er durch Transferleistungen erhält (beachte "verdienen" und "erhalten"), dann hat er das auch gefälligst zu tun. Außerdem ist dies gleichzeitig die Möglichkeit, von dort wieder etwas besseres zu suchen. Nichts ist negativer für eine Personalabteilung als ein Arbeitsloser.
Dass es in diesem Verwalterstaat allerdings an pragmatischen Regelungen mangelt (so wird z.B. das ALG-I nach einer schlechter bezahlten Anstellung auf ein niedrigeres Niveau gekürzt), die absolut kontraproduktiv sind, steht leider auf einem ganz anderen Blatt.
j
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