Niedriglohn Das Einmaleins der kleinen GehälterSeite 2/2

Für die Familie bleibt zunächst ein Nettoentgelt von 1473 Euro. Das ist ein Einkommen nur knapp oberhalb der offiziellen Armutsgrenze. Allerdings kämen Kindergeld, Kinderzuschlag und Wohngeld vom Staat hinzu, argumentieren die Fachleute des Wohlfahrtsverbandes, sodass am Ende ein verfügbares Einkommen von 1811 Euro entstehe.

Die Sozialabgaben zu senken würde allen Geringverdienern einen Anreiz zum Arbeiten geben. Und diese Maßnahme hätte noch mehr positive Wirkungen: Für Arbeitgeber wäre es weniger interessant, feste Stellen in abgabenarme Minijobs umzuwandeln. Außerdem würde den Einkommensschwachen zumindest ein kleiner Ausgleich für den traurigen Umstand geboten, dass die Sozialsysteme für sie immer unattraktiver werden. Aufwand und Ertrag der Sozialversicherungen fallen für die sogenannten kleinen Leute zunehmend auseinander – genau für jene Arbeiter und einfachen Angestellten also, für die sie zu Bismarcks Zeiten eingeführt worden waren.

Die Gründe: Einerseits ist gerade für diese Gruppe die Belastung, prozentual gemessen, besonders hoch. Während eine Supermarkt-Kassiererin mit Teilzeitjob und 900 Euro brutto knapp 200 Euro ihres Einkommens an den Sozialstaat abtreten muss, werden einem Immobilienbesitzer, der von seinen Kapitalerträgen lebt, im Extremfall nur 25 Prozent Abgeltungsteuer abverlangt. Andererseits können gerade Geringverdiener nur noch wenig vom Sozialstaat erwarten. Ihre Leistungen im Alter oder bei Arbeitslosigkeit liegen kaum über dem, was man mittlerweile ohne jede Berufstätigkeit und Beitragszahlung vom Sozialstaat bekommt. Auch der Student, der nach der Uni-Zeit eine Stelle sucht, kann Hartz IV beziehen – ohne vorher Beiträge bezahlt zu haben. Und die Grundsicherung im Alter bekommt selbst die Hausfrau, die nie einen Euro an die Rentenkasse überwiesen hat. Gleichzeitig muss ein Durchschnittsverdiener mehr als 30 Jahre lang Beiträge zahlen, um eine Rente in Höhe der Sozialhilfe zu erlangen. Ein Geringverdiener braucht sogar 40 Jahre. Das schaffen vor allem Frauen oft nicht. Deshalb wirken Sozialabgaben wie eine Strafsteuer für Geringverdiener.

Auch Reinigungspersonal bekommt wenig Lohn. Im vergangenen Herbst demonstrierten deshalb Gebäudereiniger für mehr Geld - unter anderem mit einer "Putz-Olympiade", zu deren Disziplinen auch der "Klobürsten-Zielwurf" gehörte

Auch Reinigungspersonal bekommt wenig Lohn. Im vergangenen Herbst demonstrierten deshalb Gebäudereiniger für mehr Geld - unter anderem mit einer "Putz-Olympiade", zu deren Disziplinen auch der "Klobürsten-Zielwurf" gehörte

 
Leser-Kommentare
    • Chali
    • 09.03.2010 um 13:30 Uhr

    Verstehe ich gar nicht? Gibt es denn so viele Arbeitsplätze, die nicht besetzt werden können?

    Ich dachte ja immer, es gäbe so was bei 0.5 Mio offener Stellen bei 3.5 Mio ALG1 plus 6.5 Mio ALG2? Ist das alles gar nicht wahr?

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    Knappe Arbeitsplätze wären für mich noch lange kein Grund, eine Beschäftigung aufzunehmen. Für 5 € in der Stunde gehe ich nicht arbeiten. Da hätte ich keine Gewissensbisse, von Transferleistungen zu leben.

    • lepkeb
    • 09.03.2010 um 14:13 Uhr

    Hier ein Angebot das mir ein Kollege zur Erheiterung zugesandt hat.
    Agraringenieur für eine Beratungsfirma 40h Woche in Berlin.
    Bruttogehalt 1200 - 1500 Euro (Quelle: http://www.jobomat.de/mai...)
    Wenn man das nach Steuern sieht, bleiben 910 Euro Netto und für Hartz IV sind es 510 plus Miete und Nebenkosten also etwa genausoviel.
    Da müsste man doch heißgewickelt sein, dafür zu arbeiten. Und dann die Sprüche vom Westerwelle zu hören, Leistung muss sich wieder lohnen.

    Knappe Arbeitsplätze wären für mich noch lange kein Grund, eine Beschäftigung aufzunehmen. Für 5 € in der Stunde gehe ich nicht arbeiten. Da hätte ich keine Gewissensbisse, von Transferleistungen zu leben.

    • lepkeb
    • 09.03.2010 um 14:13 Uhr

    Hier ein Angebot das mir ein Kollege zur Erheiterung zugesandt hat.
    Agraringenieur für eine Beratungsfirma 40h Woche in Berlin.
    Bruttogehalt 1200 - 1500 Euro (Quelle: http://www.jobomat.de/mai...)
    Wenn man das nach Steuern sieht, bleiben 910 Euro Netto und für Hartz IV sind es 510 plus Miete und Nebenkosten also etwa genausoviel.
    Da müsste man doch heißgewickelt sein, dafür zu arbeiten. Und dann die Sprüche vom Westerwelle zu hören, Leistung muss sich wieder lohnen.

    • Logeg
    • 09.03.2010 um 13:37 Uhr

    Der Immobilienbesitzer bezahlt 0% Sozialabgaben. Sozialabgaben werden zu fast 100% von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bezahlt. Kein Milliardär beteiligt sich daran. Das ist bei der Steuer anders. Da dürfen auch die zahlen, die nicht viel verdienen.

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    • Hickey
    • 14.03.2010 um 9:08 Uhr

    zahlt dafür andere Steuern die der normale Arbeiter nie bezahlt.

    Man kann es drehen wie man will, aber einen Schuldigen wird schwierig, bei sovielen.

    Ich will hier auch gar nicht den Immobesitzer verteidigen, aber man sollte sich erst informieren bevor man wütend/aufgebrachte Sätze rauslässt die nur die halbe Wahrheit enthalten, nicht bös gemeint :)

    • gauss
    • 15.03.2010 um 10:08 Uhr

    Schon einmal etwas von Grundsteuer und Grunderwerbssteuer gehört? Der Immobilien-Besitzer bezahlt immerhin noch Steuern.

    • Hickey
    • 14.03.2010 um 9:08 Uhr

    zahlt dafür andere Steuern die der normale Arbeiter nie bezahlt.

    Man kann es drehen wie man will, aber einen Schuldigen wird schwierig, bei sovielen.

    Ich will hier auch gar nicht den Immobesitzer verteidigen, aber man sollte sich erst informieren bevor man wütend/aufgebrachte Sätze rauslässt die nur die halbe Wahrheit enthalten, nicht bös gemeint :)

    • gauss
    • 15.03.2010 um 10:08 Uhr

    Schon einmal etwas von Grundsteuer und Grunderwerbssteuer gehört? Der Immobilien-Besitzer bezahlt immerhin noch Steuern.

  1. Knappe Arbeitsplätze wären für mich noch lange kein Grund, eine Beschäftigung aufzunehmen. Für 5 € in der Stunde gehe ich nicht arbeiten. Da hätte ich keine Gewissensbisse, von Transferleistungen zu leben.

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    • Chali
    • 09.03.2010 um 13:47 Uhr

    ... als Ihren Chef zu subventionieren, der damit seinen ansonst bankrotten Laden über Wasser hält.

    Gestern gabs da was Meldung über Flat-Rate-Bordelle ...

    • Chali
    • 09.03.2010 um 13:47 Uhr

    ... als Ihren Chef zu subventionieren, der damit seinen ansonst bankrotten Laden über Wasser hält.

    Gestern gabs da was Meldung über Flat-Rate-Bordelle ...

    • joG
    • 09.03.2010 um 13:46 Uhr

    ....Augenwischerei, wenn man da unterscheidet zwischen Steuern und Abgaben. Beide gehen vom Einkommen weg. Auch die Arbeitgeberbeiträge gehen letztlich zu Lasten des Beschäftigten. Natürlich auch ist wichtig zu sehen, wer was zahlt, da dies Reaktionen der Wirtschaftspersonen Einfluss nimmt.

    • Chali
    • 09.03.2010 um 13:47 Uhr

    ... als Ihren Chef zu subventionieren, der damit seinen ansonst bankrotten Laden über Wasser hält.

    Gestern gabs da was Meldung über Flat-Rate-Bordelle ...

  2. 6. @logeg

    zwar gebe ich ihnen recht, daß bezieher anderer einkommensarten als lohn/gehalt (mieten, pachten, renditen, zinsen etc.) stärker rangezogen werden sollten
    zu sagen, daß nur sv-pflichtige den sozialstaat finanzieren ist aber auch wieer nicht richtig. wenn das so wäre, würden sowohl die renten (80 milliarden jährlicher steuerzuschuß) als auch die gkv schon längst zusammengebrochen sein. so ehrlich muß man schon sein.

  3. Es ist eine Tatsache, dass die Lohnnebenkosten zu hoch sind.
    Man kann weiter davon ausgehen, dass der einzige Vorschlag, der im Moment zur Vefügung steht und daran etwas ändern könnte, die Kopfpauschale ist.
    Natürlich kommt es sehr auf die Ausgestaltung an. Leider zeigt die Opposition nicht das geringste Interesse daran, die Anwaltschaft für die kleinen Leute zu übernehmen. Sie ist leider nur daran interessiert, die Kopfpauschale um jeden Preis zu verhindern.

    Ansonsten ist es leider praktisch ausgeschlossen, die Sozialabgaben kurzfristig zu senken, weil die Ausgaben der Sozialversicherungen erstmal nicht gekürzt werden können.

    Kompensation über Steuern trifft in der Tat nicht die Niedrigverdiener, wohl aber die Durchschnittsverdiener, auf deren Kaufkraft wir angewiesen sind.
    Würden deren Nettoeinkommen steigen, würden mittelbar auch die Niedrigverdiener profitieren. Einmal durch die gestärkte Kaufkraft, zum Anderen dadurch, dass Gehaltssteigerungen wieder attraktiver werden, weil die Progression sie nicht marginalisiert.
    Damit würde finanzieller Aufstieg aus dem Niedriglohn deutlich erleichtert, die Schere der Einkommensspreizung würde entgegen einer laienhaften Erwartungshaltung sinken.
    Da die Differenz der Bruttolöhne zwischen Niedrigen bis zu hohen Gehältern für relativ kleine Nettogewinne nicht mehr so extrem hoch sein müssen.

    H.

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    • Chali
    • 09.03.2010 um 14:14 Uhr

    "Es ist eine Tatsache, dass die Lohnnebenkosten zu hoch sind."
    Nein, dass ist lediglich eine Behauptung. Und obendrein eine falsche Behauptung.

    Richtig wäre höchstens Formulierungen "... wurden von den Arbeitgebern definiert ... " oder "... bezahlte Propagandisten verbreiten ... " oder so was.

    • Chali
    • 09.03.2010 um 14:14 Uhr

    "Es ist eine Tatsache, dass die Lohnnebenkosten zu hoch sind."
    Nein, dass ist lediglich eine Behauptung. Und obendrein eine falsche Behauptung.

    Richtig wäre höchstens Formulierungen "... wurden von den Arbeitgebern definiert ... " oder "... bezahlte Propagandisten verbreiten ... " oder so was.

    • lepkeb
    • 09.03.2010 um 14:13 Uhr

    Hier ein Angebot das mir ein Kollege zur Erheiterung zugesandt hat.
    Agraringenieur für eine Beratungsfirma 40h Woche in Berlin.
    Bruttogehalt 1200 - 1500 Euro (Quelle: http://www.jobomat.de/mai...)
    Wenn man das nach Steuern sieht, bleiben 910 Euro Netto und für Hartz IV sind es 510 plus Miete und Nebenkosten also etwa genausoviel.
    Da müsste man doch heißgewickelt sein, dafür zu arbeiten. Und dann die Sprüche vom Westerwelle zu hören, Leistung muss sich wieder lohnen.

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    > Hier ein Angebot das mir ein Kollege zur Erheiterung
    > zugesandt hat.
    > Agraringenieur für eine Beratungsfirma 40h Woche in Berlin.
    > Bruttogehalt 1200 - 1500 Euro

    > Wenn man das nach Steuern sieht, bleiben 910 Euro Netto und
    > für Hartz IV sind es 510 plus Miete und Nebenkosten also
    > etwa genausoviel.

    > Da müsste man doch heißgewickelt sein, dafür zu arbeiten.

    Tja, genau wegen so Ideen konnte die FDP mit ihrer Stammtischpolemik an die Macht kommen.

    Es gibt Transferleistungen in Deutschland. Diese sind für Notfälle gedacht und werden von der Gemeinschaft aller Einzahler getragen. KEINER sollte davon ausgehen, dass er ein (moralisches) Anrecht darauf hat. Wenn jemand die Möglichkeit hat, mit einem Job dasselbe Einkommen zu verdienen, das er durch Transferleistungen erhält (beachte "verdienen" und "erhalten"), dann hat er das auch gefälligst zu tun. Außerdem ist dies gleichzeitig die Möglichkeit, von dort wieder etwas besseres zu suchen. Nichts ist negativer für eine Personalabteilung als ein Arbeitsloser.

    Dass es in diesem Verwalterstaat allerdings an pragmatischen Regelungen mangelt (so wird z.B. das ALG-I nach einer schlechter bezahlten Anstellung auf ein niedrigeres Niveau gekürzt), die absolut kontraproduktiv sind, steht leider auf einem ganz anderen Blatt.

    j

    > Hier ein Angebot das mir ein Kollege zur Erheiterung
    > zugesandt hat.
    > Agraringenieur für eine Beratungsfirma 40h Woche in Berlin.
    > Bruttogehalt 1200 - 1500 Euro

    > Wenn man das nach Steuern sieht, bleiben 910 Euro Netto und
    > für Hartz IV sind es 510 plus Miete und Nebenkosten also
    > etwa genausoviel.

    > Da müsste man doch heißgewickelt sein, dafür zu arbeiten.

    Tja, genau wegen so Ideen konnte die FDP mit ihrer Stammtischpolemik an die Macht kommen.

    Es gibt Transferleistungen in Deutschland. Diese sind für Notfälle gedacht und werden von der Gemeinschaft aller Einzahler getragen. KEINER sollte davon ausgehen, dass er ein (moralisches) Anrecht darauf hat. Wenn jemand die Möglichkeit hat, mit einem Job dasselbe Einkommen zu verdienen, das er durch Transferleistungen erhält (beachte "verdienen" und "erhalten"), dann hat er das auch gefälligst zu tun. Außerdem ist dies gleichzeitig die Möglichkeit, von dort wieder etwas besseres zu suchen. Nichts ist negativer für eine Personalabteilung als ein Arbeitsloser.

    Dass es in diesem Verwalterstaat allerdings an pragmatischen Regelungen mangelt (so wird z.B. das ALG-I nach einer schlechter bezahlten Anstellung auf ein niedrigeres Niveau gekürzt), die absolut kontraproduktiv sind, steht leider auf einem ganz anderen Blatt.

    j

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