Stilkolumne Die besseren Jeans
Es gibt für Männer endlich eine Alternative zu Denim: Chinos. Die Hosen aus robustem Twill sind elegant, leicht und unverwüstlich, findet Tillmann Prüfer
Neue Uniform fürs Büro: Ein bisschen Business, ein bisschen casual. Chinos von Closed, 139 Euro
Denim ist der Uniformstoff des Mannes. Mit Jeans kann man sich in der Freizeit bewegen, im Büro, und sogar als Abendgarderobe fallen sie nicht mehr negativ auf. Jeans sind ein sehr einfaches Kleidungsstück. Und wenn Männer den Eindruck haben, etwas sei in modischer Hinsicht einfach, dann erheben sie es gerne zum Generalprinzip. Sie tragen nichts anderes mehr – und das seit Jahrzehnten. So lange dauerte es, bis sich eine Alternative im männlichen Kleiderschrank breitmachen konnte. Jetzt, endlich, ist es so weit. Die Chinos sind da.
Chinos sind Hosen, die es schon fast genauso lange gibt wie die Jeans. Sie sind aus Twill, einem olivfarbenen Uniformstoff aus Baumwolle. Der Twill wurde zuerst von der Mitte des 19. Jahrhunderts an für britische und französische Uniformhosen verwendet. Da er ursprünglich in China gefertigt wurde, erhielt er auf den Philippinen den spanischen Namen chino, der dann auf die Hosen übertragen wurde.
Dass Chinos für den Herrn interessant wurden, liegt an der zweiten Regel des männlichen Modeverständnisses: Wenn etwas einen Krieg mitgemacht hat, dann kann es nicht so schlecht sein. Twill ist nicht kaputtzubekommen und eignet sich hervorragend für sommerliche Einsätze. Khakifarbene Chinos lassen sich mit vielen Kleidungsstücken kombinieren. Sie passen zur Business- wie zur Casual-Garderobe.
Chinos sind elegant, leicht und ziemlich unverwüstlich. Es gibt für den Träger nur ein paar wenige Regeln zu beachten: Chinos können gerne etwas zu lang sein, denn sie lassen sich prima krempeln. Sie können weit oder eng sein, aber sie müssen unbedingt perfekt auf der Hüfte sitzen, denn Chinos trägt man am besten ohne Gürtel und in gedeckten Farben.
Auch das ist übrigens kein Zufall: Im Jahr 1848 ärgerte sich ein in Indien stationierter englischer Kommandant über die ständig vom Staub verschmutzten weißen Uniformen seiner Soldaten. Er beseitigte das Problem, indem er die Regimentskleidung mit einer Mischung aus Kaffee, Currypulver und Maulbeersaft umfärben ließ. Der Khaki war erfunden. Khaki ist Hindi und heißt übersetzt "staubfarben".
Das ist nämlich die dritte männliche Kleiderregel: Wenn etwas noch gut aussieht, wenn es schon dreckig ist, dann trag es!
- Datum 08.03.2010 - 07:11 Uhr
- Serie Stilkolumne
- Quelle ZEITmagazin, 04.03.2010 Nr. 10
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Diese Alternative gibt es, wie vom Autor erwähnt, schon etwas länger. Hatte er wohl nur noch nicht bemerkt...
Ich war ein bißchen überrascht, daß der Name Chinos von China kommen soll, weil ich das anders in Erinnerung habe. Ein Blick ins Oxford Dictionary zeigt: "from Latin American Spanish, literally 'toasted' (referring to the typical colour)." Die Dinger waren also von Anfang an khakifarben. "Origin", nebenbei gesagt: "1940s".
Tillmann Prüfer hat seine Etymologie offensichtlich aus Wikipedia, was nicht schlimm ist, aber in diesem Fall anscheinend falsch.
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