Touchpads Gehorsam auf Fingerzeig
Noch müssen wir Touchscreens antippen oder streicheln, um unsere Geräte zu steuern. Bald können wir ihnen mit einer einfachen Geste sagen, was wir wollen.
© Ethan Miller/Getty Images

Karten von "Perceptive Pixel": Diese Computer-Maps lassen sich per 10-Finger-Multitouch-System bedienen
Im Jahre 2009 erwarb die Bayerische Staatsbibliothek mit industrieller und staatlicher Hilfe für sehr viel Geld – man spricht von mehreren Millionen Euro – von Hubertus Fürst Fugger-Babenhausen zwei kostbare Handschriften. Das geheime Ehrenbuch der Fugger wurde von Johann Jakob Fugger in Auftrag gegeben und entstand in den Jahren 1545 bis 1549. Dazu kommt eine prachtvoll kolorierte Kupferstichgalerie mit 138 Porträts der Augsburger Kaufleute. Die Neuerwerbungen sollen von März an der Öffentlichkeit gezeigt werden, dabei darf allerdings den edlen Exponaten nichts zustoßen. Darum zeigt die Bibliothek die Bücher in digitalisierter Form auf einem großen Bildschirm. Um die erhofften Besucherscharen aber nicht zu sehr zu enttäuschen, setzt man bei der Präsentation auf ein ausgesprochen avanciertes, ja spektakuläres Verfahren. Jeder Besucher kann in den virtuellen Büchern blättern. Er kann sie drehen und wenden, heranholen und wegschieben – er muss nur mit den Händen in der Luft herumfuchteln. Der erwünschte »Wow-Effekt« erscheint gesichert.
IPointer nennt das Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik (Heinrich-Hertz-Institut, kurz HHI) in Berlin das dazugehörige Gerät zur Gestensteuerung. Mit Kameras überwacht es die Fingerspitzen der Benutzer, berechnet deren Position im Raum, verfolgt die Bewegungen und interpretiert das gescannte Gefuchtel. Ein großzügiges Wischen wird als gestikulierter Befehl für »weiterblättern« ausgelegt. Zieht man mit beiden Händen das virtuelle Bild an sich heran, wird das Objekt vom Rechner vergrößert. Bewegt man die Hände, als drehte man eine große Kugel, wird auch das Buch gedreht und man kann sich den Goldschnitt im Detail ansehen.
Der Computer versteht die vorverbale Sprache der Hände
Wer über Gesten mit einem Computer kommuniziert, merkt sofort, dass dies eine sehr spezielle Erfahrung ist. Denn ist die Gestensteuerung nur gut genug programmiert, empfindet der Mensch diese Art, sich zu unterhalten, als geradezu naturidentisch. Der Rechner wird zu einem – körperlich erfahrbaren – Gegenüber, das die anthropologisch uralte, vorverbale Sprache der Gebärden versteht.
Wie wir uns mit dem Computer unterhalten, sagt alles über unser Verhältnis zu ihm. Früher, fast 30 Jahre ist es her, war der Rechner eine Maschine, der man auf der sogenannten Kommandozeile schriftliche Befehle wie »rename« (umbenennen) oder »diskcopy« (Diskette kopieren) gab. Informatiker um Alan Kay am kalifornischen Xerox-Forschungszentrum Parc änderten die Beziehung drastisch, als sie in den siebziger Jahren die grafische Benutzeroberfläche erfanden, auf der man Befehle (»lege diese Datei in jenen Ordner«) per Mauszeiger erteilt. Apple, Sun, Microsoft bedienten sich dieser Idee. Und aus einer Maschine wurde der großzügige Freund, der uns schließlich ins Internet lotste. Zahllose Versuche gab es, mit dem Freund auch zu reden – doch der versteht Gesprochenes nicht gut und reagiert noch schlechter, maschinenhafter.
Anders beim Anfassen: Berührungsempfindliche Bildschirme öffneten einen neuen Kommunikationskanal. Weltweit holt man sich inzwischen über die Touchscreens von sogenannten Kioskssystemen seine Flug- oder Bahntickets, eine Wegbeschreibung oder Bargeld. Touchscreens verbreiten sich rasant; selbst Waschmaschinen werden schon so gesteuert. Viele Menschen drücken an einem neuen Gerät zuerst einmal auf den Bildschirm. Erst wenn der nicht reagiert, wird nach einer Tastatur gesucht.
Dass sich der Körperkontakt zum Rechner nicht im Antippen erschöpft, lernte die Welt von der Firma Apple. 2007 zeigten iPhone und iPod touch, dass sie auch liebevolles Streicheln und energisches Schütteln sowie die Behandlung mit zwei Fingern gleichzeitig verstehen. Die Kneif- und Spreizgesten zum Vergrößern oder Verkleinern von Texten und Bildern auf dem iPhone sind inzwischen längst zu global verständlichen Gesten geworden.
Multitouch als Technik, die dem Touch-Bildschirm ermöglicht, mehrere Berührungen gleichzeitig zu registrieren und zu lokalisieren, ist heute ein großes Medienthema. Multitouch-Displays wie das iPhone wollen plötzlich alle Handyhersteller im Angebot haben. Motorola, Palm Pre und neuerdings, nach einem Update, auch Google mit seinem Nexus One bieten schon ähnliche Geräte. Ab Ende März liefert Apple mit dem iPad einen Zwitter aus iPod und Computer aus, der dieselbe Technik auf größerer Bildschirmfläche beinhaltet.
- Datum 03.03.2010 - 15:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.03.2010 Nr. 10
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So innovativ und zukunftsweisend diese ganze Technik auch sein mag, stellt sich mir doch die Frage, warum es wild fremde Menschen etwas angehen sollte, wer ich bin und was ich mache?
Zitat: "Via Bilderkennung identifiziert es wildfremde Menschen und projiziert deren Namen, Profession und was sonst noch im Netz über sie bekannt ist, auf ihre T-Shirts."
Was soll das? Wenn ich per Kamera ein Denkmal oder eine Sehenswürdigkeit identifizieren kann, dann ist das ja ok, aber mich einfach so in der Öffentlichkeit entblößen zu lassen? Oder habe ich da was falsch verstanden?
Moin,
selten habe ich einen solchen Haufen überflüssigen Schnick-Schnacks gesehen oder darüber eben gelesen. Also hier eine (mit gewöhnlicher Tastatur) Antwort darauf. Meinem Vorkommentator gebe ich vollkommen Recht, ich möchte auch nicht irgendwelchen Müll über meine Identität auf mich projeziert bekommen. Rechner bediene ich bevorzugt mit eindeutigen Mensch-Maschine-Schnittstellen, Tastatur, Maus, Bildschirm in getrennten Funktionen. Das spart nicht nur Rechnerleistung, es sorgt auch für die nötige Abgrenzung der Kommunikation. Dann braucht man die künstlich aufgehobene Abgrenzung auch nicht neu künstlich zu schaffen. Übrigens beherrsche ich noch die verpönten Kommandozeilen, was manchmal gar nicht so verkehrt ist. Schade, dass die Software-Branche immer mehr offenbart, welch schreckliche Spielkinder sie sind, statt wirkliche Probleme zu lösen. Und wieder habe ich mir glücklich eine CeBIT erspart. Mensch, Computer-Leute, werdet endlich erwachsen.
Beste Grüße
Computer-Heini Grabert
Moin,
selten habe ich einen solchen Haufen überflüssigen Schnick-Schnacks gesehen oder darüber eben gelesen. Also hier eine (mit gewöhnlicher Tastatur) Antwort darauf. Meinem Vorkommentator gebe ich vollkommen Recht, ich möchte auch nicht irgendwelchen Müll über meine Identität auf mich projeziert bekommen. Rechner bediene ich bevorzugt mit eindeutigen Mensch-Maschine-Schnittstellen, Tastatur, Maus, Bildschirm in getrennten Funktionen. Das spart nicht nur Rechnerleistung, es sorgt auch für die nötige Abgrenzung der Kommunikation. Dann braucht man die künstlich aufgehobene Abgrenzung auch nicht neu künstlich zu schaffen. Übrigens beherrsche ich noch die verpönten Kommandozeilen, was manchmal gar nicht so verkehrt ist. Schade, dass die Software-Branche immer mehr offenbart, welch schreckliche Spielkinder sie sind, statt wirkliche Probleme zu lösen. Und wieder habe ich mir glücklich eine CeBIT erspart. Mensch, Computer-Leute, werdet endlich erwachsen.
Beste Grüße
Computer-Heini Grabert
Moin,
selten habe ich einen solchen Haufen überflüssigen Schnick-Schnacks gesehen oder darüber eben gelesen. Also hier eine (mit gewöhnlicher Tastatur) Antwort darauf. Meinem Vorkommentator gebe ich vollkommen Recht, ich möchte auch nicht irgendwelchen Müll über meine Identität auf mich projeziert bekommen. Rechner bediene ich bevorzugt mit eindeutigen Mensch-Maschine-Schnittstellen, Tastatur, Maus, Bildschirm in getrennten Funktionen. Das spart nicht nur Rechnerleistung, es sorgt auch für die nötige Abgrenzung der Kommunikation. Dann braucht man die künstlich aufgehobene Abgrenzung auch nicht neu künstlich zu schaffen. Übrigens beherrsche ich noch die verpönten Kommandozeilen, was manchmal gar nicht so verkehrt ist. Schade, dass die Software-Branche immer mehr offenbart, welch schreckliche Spielkinder sie sind, statt wirkliche Probleme zu lösen. Und wieder habe ich mir glücklich eine CeBIT erspart. Mensch, Computer-Leute, werdet endlich erwachsen.
Beste Grüße
Computer-Heini Grabert
Sehr geehrte Herren,
wir sollten die ersteren mal in den letzteren lassen.
Für den ersten Kommentar, hier der Link
http://www.ted.com/talks/...
Bilden sie sich selbst eine Meinung, der Artikel ist hier etwas reduzierend, bzw. irreführend.
Natürlich, und damit auch zum 2. Kommentar, sehe ich auch die Gefahren dieser Technik.
Und vielleicht müssen Begriff wie Privatsphäre etc. im 21. Jhd nicht nur neu gedacht und definiert werden, sondern auch Wege gefunden werden die eigene zu schützen.
Dennoch klingt mir ihr Kommentar ein wenig sehr reaktionär, lieber Computer- Heini, und erinnert mich bis in den Wortlaut an den Kommentar meines Stiefvaters zu den ersten Mobiltelefonen...
Und wie sie vielleicht verstehen, wenn sie ihre Augen etwas weiter öffnen, dann geht die Entwicklung, gerade auch wie im oben verlinkten TED talk beschrieben, eben gerade weg von Mensch- Maschine Abgrenzung zu einer immer stärkeren Integration.
Und das ist (teilweise) auch gut so!
Also öffnen sie doch einmal ein wenig mehr ihre Augen, werden sie Kind, und staunen sie!
Viele Grüsse und einen schönen Tag wünscht aus Luxemburg,
elhombre
Moin,
ich hatte die Privatsphäre als Thema gar nicht so im Blickfeld, mein Augenmerk war hier wirklich auf die technischen Aspekte und vielleicht die psychologischen Wirkungen (nicht ganz korrekt ausgedrückt) gemeint. Zwei aktuelle Beispiele. Zum einen der berühmte blaue Toyota in den USA, mit hoher Wahrscheinlichkeit ist einfach der Tempomat hochgeregelt worden, ich lasse den Verursacher (Fahrer oder Elektronik) mal außer Acht, interessant ist hier, dass der Fahrer (wenn nicht alles ein Bluff war) die Zusammenhänge des Gasgebens (Tempomat) und der Eingriffsmöglichkeiten nicht mehr verstanden hat. Dies ist auch Piloten in hoch automatisierten Flugzeugen analog passiert. Im zweiten Beispiel geht es um die automatisierte Betätigung von Fenstern bei Niedrigenergiehäusern, es wird ein Aufwand getrieben für die Steuerung bis hin zu Anwesenheitsmeldern, die verhindern, dass ein Fenster zugefahren werden kann, wenn eine Person in der Nähe steht. Es geht hier um Schulen, also hunderte von Fenstern, die mit einer störanfälligen Technik ausgestattet werden, die jeglicher Beschreibung spottet. Manuell lassen sich die Fenster nur noch über einen Schlüsselschalter bedienen (Ausnahme). Der Regelfall ist, dass eine Software über die Öffnung der Fenster entscheidet. Hier vermisse ich die ehrliche Technikfolgenabschätzung. "Reaktionär" empfinde ich da schon ein wenig despektierlich, oder?
Beste Grüße
Grabert
Moin,
ich hatte die Privatsphäre als Thema gar nicht so im Blickfeld, mein Augenmerk war hier wirklich auf die technischen Aspekte und vielleicht die psychologischen Wirkungen (nicht ganz korrekt ausgedrückt) gemeint. Zwei aktuelle Beispiele. Zum einen der berühmte blaue Toyota in den USA, mit hoher Wahrscheinlichkeit ist einfach der Tempomat hochgeregelt worden, ich lasse den Verursacher (Fahrer oder Elektronik) mal außer Acht, interessant ist hier, dass der Fahrer (wenn nicht alles ein Bluff war) die Zusammenhänge des Gasgebens (Tempomat) und der Eingriffsmöglichkeiten nicht mehr verstanden hat. Dies ist auch Piloten in hoch automatisierten Flugzeugen analog passiert. Im zweiten Beispiel geht es um die automatisierte Betätigung von Fenstern bei Niedrigenergiehäusern, es wird ein Aufwand getrieben für die Steuerung bis hin zu Anwesenheitsmeldern, die verhindern, dass ein Fenster zugefahren werden kann, wenn eine Person in der Nähe steht. Es geht hier um Schulen, also hunderte von Fenstern, die mit einer störanfälligen Technik ausgestattet werden, die jeglicher Beschreibung spottet. Manuell lassen sich die Fenster nur noch über einen Schlüsselschalter bedienen (Ausnahme). Der Regelfall ist, dass eine Software über die Öffnung der Fenster entscheidet. Hier vermisse ich die ehrliche Technikfolgenabschätzung. "Reaktionär" empfinde ich da schon ein wenig despektierlich, oder?
Beste Grüße
Grabert
Moin,
ich hatte die Privatsphäre als Thema gar nicht so im Blickfeld, mein Augenmerk war hier wirklich auf die technischen Aspekte und vielleicht die psychologischen Wirkungen (nicht ganz korrekt ausgedrückt) gemeint. Zwei aktuelle Beispiele. Zum einen der berühmte blaue Toyota in den USA, mit hoher Wahrscheinlichkeit ist einfach der Tempomat hochgeregelt worden, ich lasse den Verursacher (Fahrer oder Elektronik) mal außer Acht, interessant ist hier, dass der Fahrer (wenn nicht alles ein Bluff war) die Zusammenhänge des Gasgebens (Tempomat) und der Eingriffsmöglichkeiten nicht mehr verstanden hat. Dies ist auch Piloten in hoch automatisierten Flugzeugen analog passiert. Im zweiten Beispiel geht es um die automatisierte Betätigung von Fenstern bei Niedrigenergiehäusern, es wird ein Aufwand getrieben für die Steuerung bis hin zu Anwesenheitsmeldern, die verhindern, dass ein Fenster zugefahren werden kann, wenn eine Person in der Nähe steht. Es geht hier um Schulen, also hunderte von Fenstern, die mit einer störanfälligen Technik ausgestattet werden, die jeglicher Beschreibung spottet. Manuell lassen sich die Fenster nur noch über einen Schlüsselschalter bedienen (Ausnahme). Der Regelfall ist, dass eine Software über die Öffnung der Fenster entscheidet. Hier vermisse ich die ehrliche Technikfolgenabschätzung. "Reaktionär" empfinde ich da schon ein wenig despektierlich, oder?
Beste Grüße
Grabert
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